Missverständnisse

18. Dezember, 2008

Sowas! Hatte ich doch heute ohne Absicht fast mit einem Franzosen Puff gekriegt. Ernsthaft wäre es wohl nicht geworden, denn es war ein älterer Herr mit seinem kleinen Putzlumpenköter, der sich angemacht fühlte, dem hätte ich notfalls noch taper-dessus können (eis ufe Gring gä), aber NUR in Notwehr, in gerechtfertigter, muss ich als angehender Jurist ja wissen. Und darum hätte ich ihn wohl nur knapp am Ohrläppchen nehmen dürfen, so ein Spränzel war das. Aber eben, er fühlte sich angemacht. Ich war auf dem Trottoir unterwegs mit zwei andern Schweizern – immer noch in Paris – und unterhielt mich mit ihnen auf Berndeutsch. Da begegnete uns dieser Mann. Ich sah ihn, würdigte ihn aber keines besonderen Blickes und ging Berndeutsch sprechend an ihm vorbei. Kaum passiert, dreht er sich wutentbrannt um und ruft mir nach: „èèèèèèèh ça va dans la tête? J’suis pas pédé, hein!?“ Wir sehen uns alle irritiert an, meine Kollegin schaltet sofort und erklärt dem erregten Herrn, dass ich soeben Schweizerdeutsch gesprochen hätte, und ihn somit keinesfalls als pédé = homo bezeichnet hätte. Er tscheggte das nicht ganz, ging aber fluchend seines Weges. Er kommt aus einer Generation, wo die Bezeichnung Schwulsein noch als Beleidigung und nicht als frei entschiedene indiviuelle Wahl der sexuellen Orientierung verstanden wird. Oder so. Die Moral von der Geschicht’: Schweizerdeutsch kann anderssprachige Menschen beleidigen, wenn diese nicht merken, dass man Schweizerdeutsch spricht und in diesem Fall Schweizerdeutsch für diese wie beleidigendes Französisch tönt. Oder so.