Wer sucht, der findet

17. Dezember, 2008

Bevor ich wieder ins Schweizer Ländli heimkehre, sei folgende, weitere Eigenart ds französischen Sprachgebrauches verraten: Ich war bei Bekannten in Paris zum Znacht eingeladen, mit Apéro und Foie Gras und Käseplatte und allem drum und dran, veritables Dîner. Zu Trinken gab es natürlich Wein. In der Mitte des Hauptganges fiel es dem Gastgeber dann doch auf, dass man den Durst beileibe nicht nur mit Wein löschen kann, Wein ist zum Genuss da, sogar bei den Franzosen (oder eben erst recht bei den Franzosen). Il faut de l’eau. Er erhob sich von der Tafel und verkündete: „Je vais chercher l’eau“. Dieser eine Satz hat mir zu denken gegeben. Zu Hause gehe ich in den Keller schlicht und ergreifend Valser HOLEN, aber SUCHEN muss ich es doch nicht mehr. Habe es ja mal gekauft und wie immer an derselben Stelle im Keller deponiert. Mais en France, on CHERCHE toujours l’eau. Ich stelle mir also vor, dass der Gute ins Untergeschoss des Hauses hinabgestiegen ist, sich mit einem Pickel ausgestattet und pickelnderweise auf die Suche nach einer Wasserquelle im Pariser Untergrund gemacht hat. Eimerweise das kostbare Gut in die gute Stube geschleppt und unsere leeren Kelche damit gefüllt. So picken und hacken jeden Abend hunderte von guten Gastegebern in Paris im Keller nach Wasseradern, weil sie Wasser SUCHEN müssen und nicht einfach das Perrier HOLEN können. Savoir vivre, diesmal 1:0 für die Schweizer.

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