Sätzli gaxe

4. Dezember, 2008

Es ist wieder mal Zeit für ein paar sprachliche Leckerbissen. Ich sammle diese ja wie ein Eichhorn Buchennüssli, und lege sie statt in Bäumen in meinem Hirn ab. Die Analogie zum Nagetier funktioniert perfekt: Auch ich finde sie manchmal nicht mehr, die abgelegten Kleinode. Folgendes ist mir aber geblieben.

Franzosen haben gerne Lückentexte. Dies meine freche These. Denn sie sprechen gerne in lückenhaften Sätzen, die der Gesprächspartner ausfüllen muss. Das geht z.B. so: Man sitzt im Restaurant, die Speisen befinden sich schon gekaut und geschluckt im Magen. Der Kellner kommt und räumt die Teller ab. Die Berufsehre gebietet es, beim Gast ein Urteil über die Mahlzeit zu erfragen. In Bern hört man so oft ein „isches guet gsi?“, lustigerweise fast nie „wie heit drs gfunge?“ Man geht in Bern davon aus, dass es gut ist, auch wenn es nicht gut ist. Doch das ist eine andere Geschichte. Hierzulande (also in Paris) tönt es so: „ça était…“ wohlgemerkt: OHNE FRAGEZEICHEN, sondern mit drei Pünktchen, à continuer. Die Stimme erhebt sich nie zur Frage, sondern konstatiert viel mehr eine Gegebenheit. Der Satz ist vom Gast zu vervollständigen, meistens mit „…bon“. Anderes Beispiel: In der Boulangerie kauft man Pains au Chocolat und andere mampfige Dickmacher. In der Schweiz heisst das in gewohnter Frageform: „darfs no öppis meh si?“ Hier: „avec ça…“ wohlgemerkt WIEDER OHNE FRAGEZEICHEN. Man muss ausfüllen mit „…encore une baguette“ oder eben c’est tout merci orwaar.

Auch noch ganz witzig: Wo man etwas am Tresen bezahlt, also an der Bar, beim Beck oder Metzger, hat es neben der Kasse ein Tellerchen für das Wechselgeld (auf Schweizerdeutsch s Umegäud). Wenn man also eine Baguette von 1.80 mit einem 2-Euro-Stück bezahlt, werden 20 Cent auf das Tellerchen gelegt. Ich bin mich gewöhnt, fürs Umegäud die Hand brav hinzustrecken. Hier mache ich das auch. Es soll aber schon geschehen sein, dass der Verkäufer meine Hand begutachtet und dann steinhart 2 Santimeter daneben das Münz auf den Teller knallt. Ich stehe jeweils mit leeren Händen da.

Eine Antwort zu „Sätzli gaxe“

  1. Adriano Sagt:

    Das war lustig, diesen Beitrag zu lesen. Tönt komisch in meinen Ohren, dieses «ça etait …», ohne die Stimme zu heben. Und das Tellerchen kommt mir sehr bekannt vor, ich glaube, das hab ich auch in Italien schon gesehen.

    Die Analogie mit dem Eichhörnchen gefällt mir als Biologe besonders gut. Ich konnte es mir – wieder als Biologe – jedoch nicht nehmen lassen, den Begriff der Frucht nachzuschauen. Sie heisst also im Deutschen «Buchecker».


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