Hat man noch Worte?

2. Dezember, 2008

So. Wer das überbieten kann, was ich dieses Wochenende an Kundenfreundlichkeit, nein lassen wir die Euphemismen, was ich an die Atemwege stillstehen lassende kundenorientierte Unfreundlichkeit erlebt habe, der bekommt von mir einen dicken Schulterklopf, einen anerkennenden Blick und ist wohl Zeit seines Lebens geschädigt. Hahaha, nicht meines Schulterklopfens und Blickes wegen, sondern wegen der erlebten Unfreundlichkeit. Aaalso, on y va. Ich war wieder einmal im Centre Georges Pompidou (CGP). Den ganzen Sonntag, es war so richtiges Museumswetter, graukaltundnass, da gibt es nichts besseres. Im CGP ist es obligatorisch, Jacke und Tasche einer missmutigen Garderobegumsel zu überreichen. Ich gebe zu, dieser Job würde mich auch ein wenig angurken und ich wäre vielleicht ab und zu auch ein wenig unvorteilhaft gelaunt. So weit so gut, die Abgabe erfolgte missmutig aber weiter unspektakulär. Um seine Siebensachen wieder zurückzuerhalten, und zwar die gewünschten, erhält man, von derselben mussmutigen Gumsel, zwei Plättli mit Numern drauf, eines für die Jacke, eines für die Tasche.

>FASTFORWARD, 4.5 STUNDEN KUNSTKONSUM DAZWISCHEN ZMITTAG GEGESSEN, ES WAR GUT.<

Erschöpft und erschlagen vor lauter Kunst, möchte ich meine zwei Sachen wieder abholen. Beim Anstehen in der Garderobe spiele ich  gelangweilt mit den zwei Plättli rum. Ich entdecke Beschäftigungspotential, um die Wartezeit zu überbrücken: Das eine Plättli, das für die Jacke, ist mit einem Schlüsselanhängerring versehen. So einer, den man ein wenig auseinanderdrücken kann, um einen Schlüssel reinzuschieben, durch das gewundene Metall zu fahren und so am Anhänger  zu befestigen. Man kann aber auch ein zweites Plastiggplättli dazwischenklemmen, einfach weil man etwas gfätterlen muss. Und plötzlich kommt man dran, Madamm möchte das Plättli sehen, afin qu’elle puisse me rendre mes affaires. Ich lege die Plättli auf den Tisch, das eine noch in den Anhänger geklemmt. Die Dame sieht das, lässt meine Plättlikombination wie eine heisse Kartoffel fallen, schaut mich vorwurfsvoll an, wie man einen Fünfjährigen Knirps anschaut, den man gerade dabei ertappt hat, in die Dusche zu kacken, und fordert mich auf: „Décrochez ça, Monsieur“. Verschränkt die Hände auf dem Tisch und wartet steinhart darauf, dass ich das eine Plättli aus dem Klemmring rausziehe, eine Sache von einer halben Sekunde. Mir blieb schlicht die Spucke weg. Ich war so überrascht, dass ich ihrem Befehl gehorchte. Etwas sagte in mir: Don’t mess with her, sie hat noch deine Jacke und deine Tasche, die willst du zurück, es ist kalt draussen und du hast Hunger. Als sie mit meinen Habseligkeiten zurückkommt, reisse ich ihr diese aus den Händen und rausche ab. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mich bei einer Garderobendame nicht bedankt und nicht verabschiedet.

2 Antworten zu „Hat man noch Worte?“

  1. Michu Sagt:

    Hast du also mal in die Dusche gekackt?


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