ein Wort zur Arroganz
14. November, 2008
Paris ist touristisch, an jenen Orten aber nur, wo es etwas zu sehen gibt und die im Merianführer eingetragen sind. Dort ist die Stadt auch bestens auf Touristen eingestellt, es gibt Metrotickets für alle Bedürfnisse, und man kann überall viel Geld ausgeben. Es gibt die andern Orte, an denen Paris nicht touristisch ist, weil es dort nichts zu fötelen gibt. Und dort ist Paris schon fast militant antitouristisch. Hatte nämlich kürzlich Besuch. Da wollte ich für den Besuch einen Dreitagepass fürs Metronetz erstehen, an meiner S-Bahn-Station. S-Bahn heisst in Paris RER, Réseau Express Régional. Stellt man darauf ab, was das wirklich ist, sollte es TRTTTTTTVEL heissen. Train Régional Trés Trés Trés Trés Trés Trés Trés Voire Extrémement Lent. Doch dies nur ein kleiner Seitenhieb am Rande. Ist doch wahr. Wollte also ein Billett käuflich erwerben, zwecks erleichterter Fortbewegung meines Besuchs. Ich ging zum Schalter, der war tatsächlich occupé, man traute seinen Augen kaum. Der Mannsgöggel sagte mir aber, er verkaufe keine Billette, man müsse zum Automaten. Für was, in Herrgottssternensackermentstierenhodennochmal, sitzt der denn dort? Genau, Franz Kafka hätte das am schnellsten erraten, um Kunden zu nerven und sie über die Anwesenheit von Billettautomaten aufzuklären. Zähneknirsch und Schlangensteh. Ist man endlich dran, akzpetiert diese Maschine des Teufels keine 50er-Noten. Als Tourist aus einem Non-Euroland muss man sich aber mit Geld aus Bankomaten eindecken, und die lassen üblicherweise, wenn nicht absichtlich im Wissen darüber, dass Billettautomaten keine 50er-Noten akzeptieren, nur 50er-Noten raus. Nochmals zum Schalter, Geld wechseln. Der Typ ist schon fast beleidigt, dass ich ihn innerhalb von 5 Minuten zum zweiten Mal störe und weist mich mit einer unglaublichen, fast schon postkartensujetwürdigen Arroganz, die den Parisern ja so natürlich eigen ist, und die sie meisterhaft beherrschen, darauf hin, dass er aus der Konsequenz, keine Billette zu verkaufen, auch keine Kasse bei sich habe. Ich fand ihn einen Aff und er mich wohl auch. Objektiv gesehen aber ist er ein Aff und ich nicht.
26. November, 2008 um 9:02
uhuhuhunglaublich…
Da hab ich es in London wohl praktischer, dass ich meine Blue Oyster Card im Milchlädeli vis-à-vis kaufen/aufladen kann. Der Typ dort nimmt sicher jede Note an, und wenn man keine hat, hats gleich neben ihm einen ATM. Wenn die Tube hier irgendein express oder so im Namen tragen würde, hätte ich ihre Langsamkeit auch schon kritisiert, aber so liess ich es bis jetzt mal stehen.
26. November, 2008 um 9:04
ou, ‘tschuldigung, die Karte heisst „Oyster Card“.