Bilder einer Ausstellung

30. September, 2008

 

Université René Descartes

Plateau de Vanves

Auditorium

Heute gibt es ein paar Bildeli zum Angucken anstelle des vielen Textes, den ich jeweils auf meine hochwohllöbliche Leserschaft loslasse:Zuerst der altehrwürdige Kasten der Université René Descartes. Denkmalgeschützt und daher seit gut 30 Jahren gegen jegliche Renovation gefeit. Im Innern ist dieses Gebäude bester französischer Schrott. Aber es geht ja um den Inhalt, nicht wahr, auch wenn einem fast die Deckenplatten auf den Kopf knallen.  Weiter die Tramhaltestelle Plateau de Vanves, auf dem Weg zur Uni, grossstätdische Anonymität des Ortes. Zuletzt noch ein Auditorium, sieht aus weiter Ferne nicht ganz so lädiert aus wie in der Realität…

Americans in Paris

28. September, 2008

Eine Brasserie an der Place Châtelet, 18.30, an einem Tischchen neben mir, Redneck zu Blondie, from the States, you betchya f… ass, sir:

-Hey what the f… hell thy have f… twenty percent VAT on their f… drinks, who the f… would wanna live here?

-No honey, whats the matter, you can’t be serious about that?

-Hey just shut the f… up and listen to what I’m saying, woman, they’ve got f… twenty percent on their f… drinks!

-Oh my gawd, this is just so crazy.

-Yeah, it f… is. And you can’t f… smoke a f… cigarette inside, I don’t f… care if it’s so f… warm yet, but in f… freezin winter, jeezez!

-You know darling, my mother died of lung cancer because of smoking too many cigarettes. She got eighty years old though.

-No she f… didn’t!? Your mother didn’t get f… eighty years old?

-Yes she did. Well, you know, I don’t smoke all that mauch myself. Everytime I smoke, I get all dizzy and nauseous and I’m shaky all day, oh MY GAWD.

-Hey look at that f… nerd over there! Jeezez, you jest can’t f… walk around like this!

-What, honey?

-Well, f… over there, jest look-it-him! F… shit, what a freak!

-There sure are loads of strange people in Paris, hunh, honey?

-You f… betcha, Sweetie.

La Suisse n’existe pas

28. September, 2008

… à Paris. Ich trage das mal so weiter. Weil es stimmt. Dieser Satz, der seit der Weltaustellung in Sevilla 1992 (da konnte ich noch kaum lesen) die – eher konservativen und rechtsgesinnten – Gemüter der Schweiz beunruhigt, hat es in sich. Ich bin ja ein Schweizer in Paris, und das merke ich auch. Als ausgebuffter Nationalist suche ich, zeitungslesend, in der Auslandspalte von „Le Monde„, Nachrichten über die Schweiz, irgendeine Randspalte, etwas, nichts. Man berichtet als Franzose natürlich in erster Linie über sich. Dann über Amerika, England, Deutschland, Afrika, China. Die Schweiz? Terra incognita. Überall, wo man mich nach meiner Herkunft fragt, quittiert man meine helvetische Antwort mit Aaaah, d’accord. Aber nicht auf irgendeine Weise wertend. Sondern komplett überfordert, wo man diesen geographischen Hinweis einordnen soll. Die wissen schlicht nicht, wo die Schweiz ist. Das habe ich sonst nur in den Vereinigten Staaten erlebt, aber dort ist nichts anderes zu erwarten. Die Franzosen sind der Europa Amerikaner. An der Uni wollte ein Prof von den Erasmus-Studis wissen, woher sie kämen. Land und anschliessend Region oder Stadt. Als er Suisse hörte, winkte er ab und meinte mit einem spöttischen Lächeln, das käme ja nicht darauf an, die Schweiz sei so petitpetitpetitpetit. Dazu muss ich anmerken, dass die Schweiz für die Franzosen nur aus Genf besteht. Bei den Belgiern hingegen wollte er wissen, ob flämisch oder französisch. Wir sind viersprachig in Helvetien, Mann! Zugegeben, die Belgier schaffen es im Moment natürlich spielend leicht sogar in die französischen Medien wegen ihrem Nationalgeschtürm. Da können wir noch lange Rüstungsprogramme versenken, das schaffen wir nie.

In diesem Sinne: Viva la France!

Je suis étudiant d’échange!

23. September, 2008

Heute war mein Tag, echt, Leute. Ich bin an der Uni gewesen. Was haben wir gelernt: Das nächste Mal besser schauen, welchen Saal man betritt. Man könnte nämlich sonst im falschen landen, und das erst nach einer halben Stunde merken und unter Gelächter der anderen Studenten wieder von dannen ziehen. Und dann die andere, geplante Vorlesung gründlich verpasst haben. Welch ein Frust. Naja, geht so. Das mit dem Gelächter war nämlich gar nicht so peinlich. Das heisst, ich habe eine witzige Situation daraus gemacht. Ich habe Franzosen zum Lachen gebracht, mit einem Witz, Situationskomik nennt man das. Doch zuerst der Reihe nach.

Ich wollte die Vorlesung „Histoire des systèmes juridiques européens“ besuchen. Ich enterte den Saal und setzte mich hin. Da merkte ich, dass sich nur etwa fünfzehn Leute drin befanden, der Professor schon da war, schon um viertel nach die Tür schloss (eigentlich beginnt das doch um halb?!) und sogleich zu schwafeln anfing. Ich hatte meinen ersten Adrenalinkick, den man eben so hat, wenn man sich in der falschen Vorlesung wähnt. Wenn man am Fenster sitzt, und darum ganz viele Leute aufscheuchen müsste, um aus der Reihe aufzustehen, und durch den ganzen Saal gehen bis zur Tür. Das wäre ja so auffällig und der Prof brabbelt schon. Nein, besser Duckmäuser spielen und sitzen bleiben. Interessiert dreinschauen. Eben, zu den fünfzehn Leuten: keiner von denen sah aus wie ein ERASMUS-Student. Dabei weiss ich von vielen, die diese Vorlesung besuchen. Schwänzen werden die ja wohl nicht. Das denken die jetzt eher von mir, weil ich nicht da war (weil ja im falschen Saal)…

Dann fing der Prof von den Berufsaussichten der heutigen Absolventengeneration zu plaudern an. Auch ein bisschen merkwürdig. Es war zwar ziemlich witzig, als er uns mit einem Masterabschluss gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt zusprach, sich aber göttlich aufregte über den immer häufiger werdenden Gebrauch von Englisch im Berufsalltag. „C’est malheureux, mais c’est la réalité“. Dann kam noch ein anderer Assistenzprof rein, der Reklame machte für ein Seminar im Internationalen Vertragsrecht und beklagte sich auch über die Entfrankophonisierung der Businesswelt (war die jemals frankophon?). Noch merkwürdiger. 

Schlussendlich, nach 20 Minuten Berufscoaching, forderte er uns auf, sich kurz vorzustellen und las Namen von einer Liste ab. Zweiter, viel intensiverer Adrenalinkick. Meine Kollegen im Raum waren aus irgendeinem Grunde schon im 2. Masterjahr… Dann hatte es ein paar, die nicht auf Professors Liste waren, die meldeten sich selber und stellten sich ebenfalls vor. Kein ERASMUSSER darunter. Dann meldete ich mich eben auch noch und meinte: „Moi je suis étudiant d’échange et je me suis trompé de salle…“

La salle brach in allgemeine Heiterkeit aus und der Professor war gründlich irritiert, ich packte meine Siebensachen und verliess die Räumlichkeit. Von der ursprünglich von mir zu besuchenden Vorlesung hatte ich mittlerweile die Hälfte verpasst. Zudem hatte ich schlicht nicht mehr den Mut, nachdem ich aus einem gefüllten Saal rausgeplatzt war, in einen wohl wirklich gefüllten Saal reinzuplatzen. Wem ginge das nicht so?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wem das nicht so ginge, der hat ein RIESENEGO.

Das liebe Geld

22. September, 2008

Ich möchte meine hochwohllöbliche Leserschaft wieder einmal mit Bürogeschichten beglücken. 

Heutiges Thema: Wie tue ich in Paris ein Bankkonto auftun?

Zur Einstimmung: Wenn ich in der Schweiz das Bedürfnis habe, mein Geld statt in der Matratze (wie z.B. die Bergeller, dem bösen Klischee entsprechend) zwecks zinslicher Vermehrung auf einem Schweizer Bankkonto zu deponieren, marschiere ich in so eine der zahlreichen Filialen, fixiere die Person hinter der Glasscheibe und lege ihr mein Anliegen dar. Eine Viertelstunde spaziert man wieder raus, hat ein Bankkonto. Merke: Dafür war die kommunikative Interaktion mit einer/einem BankmitarbeiterIn notwendig, mit der/dem am Schalter, d’accord?

Nicht so in Frankreich! Filialen hat es zwar viele. Davon sind aber die meisten ironischerweise nur am Samstag geöffnet. Dann gibt es ein paar andere, die haben auch wochentags ein offenes Ohr für anlegewillige Individuen. Als erstes kommt man zu einer Person, die ID, Studikarte und Wohnungsbestätigung sehen will. Hat man alles beisammen, ist die zufrieden und überreicht die Dokumente dem Büroidioten, der diese etwa zehn Mal kopieren gehen darf. Die Funktion der ersten Person ist erschöpft. Die kommt wohl nur weiter in Gebrauch, wenn die Dokumenterie unvollständig ist, und der potentielle Kunde wieder verjagt werden muss. Während der Kopieraktion des Bürodeppen darf man sich ein erstes Mal hinsetzen und Broschüren blättern. Den Franzosen kommt es ganz grundsätzlich, auch in allen anderen Büros, in denen man Personalien aufnimmt, nicht in den Sinn, dass man eine Passnummer auch in einen PC eingeben könnte und das zur weiteren Identifikation auch reicht. Vielleicht hat man in der Schweiz den Eindruck, man brauche seit Einführung der papierlosen Datenverarbeitung noch mehr Papier als vorher. Falsch! Die Schweizer SICHER NICHT. Die brauchen vielleicht genau gleich viel. Die Franzosen brauchen aber zehnmal so viel. Sicher. Schwöre, Mann. Weil sie dann doch alles noch im Compi eintippen und in zehnseitigen Dossiers auch noch einmal AUSDRUCKEN! Ich musste manchmal mit dem Lachen kämpfen. Es ist wirklich lächerlich. Und wie ernst sie die ganze Dokumenterie nehmen. Der Büroportier kommt und verkündet stolz, die Dokumente seien kopiert, dann muss man 5 Minuten grundlos warten. Ich registriere nämlich null Aktivität im Büro und ich bin der einzige Kunde. Aber 5 Minuten müssen es sein. Burn-Out-Prophylaxe vielleicht. Da sind die Franzosen uns einen Schritt voraus. Item, man wird zur DRITTEN Person geführt, die dann alle Personalien noch einmal im PC aufnimmt. Ich muss etwa zehnmal irgendwelche Zwischenverträge unterzeichnen (neben der Unterschrift auch noch von Hand „lu et approuvé“ oder „fait à Paris, le 20/09/2008″, hinschreiben, zehnmal), bis zum eigentlichen Kontokorrentvertrag. Meistens folgenden Inhalts: „Autorisations“ geben, dass sie mich auf dem angegebenen Natel kontakieren dürfen, ebenso fürs Email, dass sie lesen dürfen, wie ich heisse, usw. 

Naja, und nach 45 Minuten und Verhandlungen mit 3 Bankangestellten bin ich auch in Paris um ein Bankkonto reicher. Deswegen habe ich aber nicht mehr Geld…

Mona Lisa

21. September, 2008

Am Freitagabend habe ich mich einigermassen als Tourist betätigt und bin in den Louvre gegangen. Grosser Tipp: Der Louvre ist GRATIS jeden Freitag für alle unter 26 (-> irgendeinen Ausweis mit Geburtsdatum mitnehmen) von 18 bis 21.45 Uhr. Nicht schlecht, was? Da bin ich also mit ein paar anderen ERASMUS-Studis hingegangen. Ich wollte als erstes gleich die Mona Lisa besuchen gehen. Kommt schon, es gehen doch alle nur wegen dieser Monenlise in den Louvre. Ich jedenfalls. Nein, stimmt nicht. Das Gebäude an sich ist eigentlich das grösste Kunstwerk von allen. Words fail me – selber schauen gehen! Aber nun zu dieser Mona Lisa. Darüber wurden schon Tonnen von Papier vollgeschrieben. Ich mache auch mit! Da kämpft man sich also durch all die Besucher durch, bis man selber zuvorderst an der Abschrankung steht. Da war ich mal mächtig enttäuscht. Der minimal mögliche Abstand zum Bild ist ca. 5m. 3 Securityaffen machen dem Bild Konkurrenz, denn gut sieht die gute Lisa nach heutigem Hollywood-Weltbild einfach wirklich nicht aus. Dann ist sie hinter meterdickem Panzerglas, und dieses Panzerglas spiegelt auch noch. Stinkt ihr wohl mächtig, der Armen, dass sie eine ganze Wand für sich alleine hat, hinter Scheiben, dann kann sie nicht einmal mit den feschen Generälen in den Bildern nebendran schäkern. Sie ist also zu ewiger Jungfräulichkeit verdammt. Aber die Dame hat es in sich. Meine ersten Gedanken, neben den soeben dargelegten, waren: Mann, ist die hässlich, und Mann, die schielt ja! Dann schaut man sie ein bisschen länger an, nur schon deswegen, weil man so lange angestanden hat, dann macht es plötzlich >klick<, und man muss sie einfach noch länger anschauen. Ich musste später sogar noch einmal vorbei, nur um diese Gurke ein zweites Mal zu sehen. Da ist was dran an diesem Bild. Es gefällt mir nicht, aber da ist was dran. Ich weiss nur nicht was. Ich gehe wahrscheinlich nächsten Freitag noch einmal hin.

Vive l’administration

19. September, 2008

Ich beginne mich je länger je mehr für die französische Bürokratie zu interessieren. Entweder bin ich verwaltungspathologisch interessiert oder selber pathologisch veranlagt. Denn an sowas verschwendet man eigentlich keine bewussten Gedanken, man ärgert sich nur über die Existenz eines Verwaltungsapparats. Gestern musste ich betreffend meines Zimmers in der Studentenstadt der Pariser Unis in der Schweizer Stiftung (weil ich Schweizer bin) antraben. Formalitäten. Gebühren abknöpfen. Die Sekretärin war eine beflissene Bürokratin, wie ich sie in der Schweiz noch nie gesehen habe. Ihrem Métier vollständig ergeben, darin aufgehend, konstant begeistert und gleichzeitig ermahnend ernst weit aufgerissene himmelblaue Augen, die nur eine Botschaft verströmten: Sei mein Gast, werter Student aus fernen Landen, aber bedenke: ich bin die Sekretärin, die Pförtnerin und Representantin der Macht der Cité Universitaire. Und ich weiss alles. z.B. teilte sie mir mit, dass ich für meine Bewerbung um ein Zimmer unter vielen vielen anderen Dokumenten eine ärztliche Bescheinigung über meine geistige Fähigkeit, mit vielen Leuten im gleichen Haus zu leben, benötige. Ich werde zwar im Haus der Kanadier untergebracht, und die wollen dieses Dokument vielleichtg nicht sehen. Aber in der Maison Suisse bräuchte ich es jedenfalls, daher könne es sehr gut möglich sein, dass ich in der Kanada-Hütte auch so einen Fötzel brauche. Aber das wäre ja ganz einfach für mich, sie habe nämlich herausgefunden, dass mein Vater Arzt sei und der könnte ja sicher ganz schnell eine solche Bescheinigung aus Bern faxen. Meine Fresse! Da war ich baff. Big Secretary Woman is watching you!

Dann, 2 Stunden und 200m weiter ännen im Haus der kanadischen Studenten: Das Büro der Vizedirektorin, ein heilloses Puff mit Kaffeemaschine, Heiligenbildeli und Studentendossiers. Salut, comment tu t’appelles, bienvenu à la Maison du Canada. Mein Dossier grapschte sie mir aus den Fingern, blätterte es durch, schien sehr zufrieden, dass es eine Menge Papier enthielt, schloss es wieder, meinte trés bien und da war ich schon Bewohner der Studentenhütte. Mit Einfingersystem tippte sie dann meine Personalien in den Kompi ein und löschte alles aus Versehen zweimal, hatte immer einen Riesenspass daran, nach einem Mal lesen mein Geburtsdatum auswendig zu wissen, lachte, die Studenten würden immer jünger und vergnügte sich beim Buchstabieren von „Zollikofen“, was nicht jederfraus Sache zu sein scheint in Frankreich. Nach dem ersten Versuch sprach sie dem Wort die Eigenschaft ab, ausprechbar zu sein. Ausgerechnet sie! Sie ist Tunesierin und fluchte zwischen zwei Formulareinträgen auf Tunesisch ins Telefon. Einigermassen verwirrt verliess ich das Haus, in dem ich die nächsten drei Monate logieren werde. Ich denke, dass es mir gefallen wird. Beim Rausgehen rief sie mir nach, ich könne immer zu ihr kommen, im Kanada-Haus sei man eine grosse Familie. Und wenn ich Lust hätte, könne ich mich anfangs Oktober als Kandidat für den Kulturvorstand des Hauses aufstellen lassen. Wenn das bedeutet, dass ich anschliessend auf dem hauseigenen Steinway (stimmt!) spielen darf, lasse ich noch heute Wahlplakate drucken und steige in die französische Politik ein. Canard enchaîné, je viens!

Brisez la Glace!

18. September, 2008

Die Université René Descartes, Abteilung der Sorbonne, ist die beste juristische Fakultät in Paris. Und damit selbstredend die beste de France, même du monde. Das hat folgende Gründe: Sie ist kleiner als Nanterre und damit familiärer, plus agréable. Nanterre hat 12′000 Studenten allein an der juristischen Fakultät!!!(!!!) Die Sorbonne 3′000 Juristen. Ist fascht e familie, oder öppe nöd? Zweitens sind wegen der Studentenunruhen ‘68 die besten Jusprofessoren aus Nanterre abgehauen und haben im Zentrum eine neue juristische Fakultät gegründet, unter den Fittichen der Sorbonne. Drittens: Die Uni ist fast im Zentrum der Stadt, zehn Minuten RER (Pariser S-Bahn) von der Notre Dame an die „fac“ (faculté de droit). Und eigentlich heisst die ganz profan Université Paris 5, meine Uni. Aber sie haben ihr noch den Namen René Descartes verpasst, damit sie sich im Sinne der open-mindedness ein wenig von den andern abhebt. Es gibt ja ca. 10 Unis in Paris. Das alles habe ich an der ERASMUS-Studenten-Begrüssung durch die Fakultätsleitung erfahren. 2 Stunden wurde ich in schönstem Académie-Française-Franz berieselt. Viel Inhalt gab es gar nicht, aber das können die Franzosen ja so gut, möglichst wenig Gehalt mit möglichst vielen eloquenten und wohl anzuhörenden Phrasen zu umwickeln. Zum Schluss noch un conseil valable: Brisez la glace! Sprecht Französisch, haut Pariser Studenten an, spricht nicht die Heimatsprache mit euren Landsleuten, und mit den andern Fremden auf keinen Fall Englisch, dafür hat man den Rest seines Lebens Zeit. Brisez la glace. Habe ich dann beim Apéro (Lachsbrötchen und Schampus) aber nicht wörtlich genommen, mein Glas ist heil geblieben. Und mit den anderen Erasmussen, auch mit den Schweizern, habe ich brav französisch parliert. Zum Apéro hatte dann auch noch M. Le Doyen Himself seinen Auftritt. Reinstolzierte der Herr Dekan wie Louis XIVVIXVIVVXI oder so ähnlich. Und eloquierte uns begrüssend oder begrüsste uns eloquent.

Et je vous souhaite un bon divertissement pour la lecture de mon blog.

Café de Paris

17. September, 2008

Heute bin ich in die Pariser Rush-Hour geraten. Ich bin mir aus der Schweiz gewöhnt, dass die öffentlichen Verkehrsmittel zwischen 7 und 8 Uhr mit Pendlern vollgestopft sind. Die Franzosen nehmen das ein bisschen gemütlicher. Pendlerzeit am Morgen ist um 9.30!!! Bürojobber beginnen ihren Arbeitstag also offensichtlich um 10 Uhr. Schweizer sind halt fleissig, nicht wahr.

An der Uni ist es aber wie zu Hause: Auch am dritten Tag nach Semesterbeginn läuft da noch nicht so viel. Die Studis hängen in der Empfangshalle rum, tauschen Ferienerlebnisse aus und trinken Kaffee. Einzelne Vorlesungen finden schon statt, aber die meisten Studenten sehen nicht so aus, als würden sie diese Woche etwas wichtiges verpassen. ERASMUS-Begrüssungstag ist schliesslich auch erst morgen Donnerstag.

Pariser Beizen sind ausnhamslos rauchfrei! Und Mittags und Abends vollgestopft mit Kundschaft. Ich möchte gerne einmal ein paar Schweizer Freiheitskämpfer (gewisse politische Exponenten ab FDP rechts) durch dei Brasserien von Paris führen und ihnen aufzeigen, dass mit einem Rauchverbot weder die Gastronomie zusammenbricht, noch Freiheits- und Selbstbestimmungsrechte beschnitten werden. Man kann ja draussen schloten. Und wenn’s kalt wird mit dem Lauf der Jahreszeiten habe ich furchtbar viel Mitleid.

A bientôt, jetzt gehe ich mir mal den Eiffelturm angucken.

Paris

16. September, 2008

Ich bin Exilblogger. Seit ca. 24h wohne ich in Paris, bis Weihnachten, also die nächsten 3 Monde, als Austauschstudent. Genau, denn als Student einer juristischen Fakultät mit mehr als 3′700 anderen Kommilitonen ist man sofort und ersatzlos austauschbar. Von der Stadt habe ich noch nicht viel gesehen (ausser der Notre Dame auf einem Spaziergang durch die Stadt nach meiner Ankunft). öV funktioniert reibungslos, alles ist sauber, fast schweizerisch langweilig effizient und proper. Hätte gar nicht so weit TGV fahren müssen… Doch! Irgendwie haut es einen nach 5 Minuten in den Strassen von Lutetia fast aus den Socken. Das ist nicht mit Worten beschreibbar, drum einfach selber hingehen. Und die, die schon waren, wissen, von was ich rede. Ich habe nun jedenfalls gut 3 Monate Zeit, mich weiterhin aus den Socken hauen zu lassen.

Heute habe ich mich an der Uni eingeschrieben. La secretaire pour des affaires internationales, so heisst die ERASMUS-Beauftragte, verströmt den Charme einer ihrer Position bestens bewusster französischen Bürokratin aus. Im ersten Moment arrogant und nicht ganz so kompetent. Ich war so freundlich wie möglich (ich tropfte vor Charme), da fiel die Fassade ein wenig und Madame wurde plötzlich freundlich. Es ging alles sehr schnell und effizient, das hatt ich mir nie vorgestellt. Dann musste ich durch die halbe Stadt fahren und bei der Medizinischen Fakultät (Dieu sait pourquoi) meine Studentenkarte machen lassen. Dort genoss ich eine Spezialbehandlung, musste nämlich nicht mit dem peuple anstehen für meine Bearbeitung, sondern wurde unter irritierten Blicken sämtlicher Pariser Studenten an der Schlange vorbei an ein Pult geführt. Nach 10 Minuten hatte ich meine Legi. Und musste nichts bezahlen, Bern zahlt alles. In Paris, als gewöhnlicher Student, muss man für jeden Mist eine Gebühr in bar abliefern. Die haben überall irgendwelche Kässeli. Wie in der Notre Dame, dort hat es auch viele Kässeli, aber für weniger irdische Zwecke wie eine Personalienerfassung. Dort geht es wahrscheinlich mehr um himmlische Personalienerfassung. Aber lassen wir das. Was ich sonst noch sagen kann nach 24h Paris: Alle fahren Renault, Citroen und Peugeot. Eine Stange (25cl) kostet umgerechnet 7 Schdutz. Und jetzt mache ich mich auf Wohnungssuche. Schlafe nämlich noch in einer Jugi! Das Abenteuer geht weiter.