Aus dem Nähkästchen geplaudert
20. Dezember, 2007
Los, itz muesi dr öppis verzöue. I ha vierzg Jahr lang aus Choch gschaffet, bi hie Chuchichef gsy. I cha dr säge, werum s hie mitem Gaschtgwärb bärgabgeit. Früecher, da heimer no uf Umsatz gschaffet, dr Lohn het nid glängt. I ha jede Scheiss gmacht, zu ueche z cho. Das müesst Dir ono lehre. Vilsitig mues me si. Ha jede Scheiss gmacht. De hesch äbe gluegt, wele vo dene am Tisch chönnt am meischte Stutz ha, däm stelleni ds Bier zersch häre, de gits es Füfzgi meh, dr anger git mer numen es Zwänzgi. Aber hüt, die hei Fixlohn, Drüdrü. Dasch ou nid vil, aber weisch wie isch das em Chällner glich, öb Du itz dini heissi Schoggi bechunnsch oder nid? Dasch däm scheissegal, dä bechunnt sis Gäld trotzdäm. So geits bärgab mit em Gaschtgwärb i dr Schwyz. Jitz bini zwöi Jahr pensioniert. I ha zwe Sühn, dr eint isch Schriiner, dr ander Zuehälter. I stah jede Morge am halbi Füfi uf, mache dene Zmorge bevor si gö ga wärche. Jaja, dr Zuehälter geit o ga wärche, muesch halt vilsitig si. Das lehret Dir de scho no. E Harley hani o. Ga gärn ga Töff fahre. Eeeeeewigi Liebi! Jaja, bi de Bröncle bini xi. Dr Jimy Hofer, dä kenneni guet. Daser wott Stapi wärde, da hani em xeit, los, Du spinnsch. Aber Bundesrat, jaja, das chönnt er no wärde. U ds Züri, da bini o drbi xi, aber äääch – …
Geschter hani dr nöi Töff vomne Kolleg chönne Probefahre, e Ducati. Dasch e Todesmaschine. Geit ab wienes Zäpfli. Weisch, i mues dr öppis säge. I bi en ehrleche Mönsch. Dr erscht Töff hani mit nünzähni gchouft. One Harley. I ha em Vater zwo Chüe verchouft, i bi e Buresohn. Da hani i Knascht müesse. Nächene bini nieme im Knascht xi. I hätt mal es Agebott gha, em Vater dr ganz Hof z verchoufe. Da hani mi aber im Griff gha. Töfffahre isch fasch, nid ganz aber fasch, so schön wie dr Orgasmus mitere Frou. I ha sehr spät ghürate. I bi achtesächzgi, mini Frou isch zwänzg Jahr jünger als ig. Geng no di glich. I hätt nid dänkt dases no geit, aber da hani gmerkt dases zwöiergattig Lüt git. U de hani Gaaaas gä! Eeeeeewigi Liebi, jajaaa. Eeh, gvöglet hani natürlech scho früecher, gäu. Ds Züri als Zuehälter, jaja i ha jede Scheiss gmacht. Aber i bi zfride. I wett nid wider jünger si. Alli die wo säge, sie wette zwänzg Jahr jünger si, ä-äh. Immer dä Sex, dasch o nid alles. Weni hüt none Frou wott vögle, de gani-uf-Barceloooona-ids-Puff! Du, i säge dr no eis: Mi Frou, die het ire bescht Orgasmus gha hinge uf mire Harley bi 225 Km/h ds Holland uf dr Outobahn. I has immer wider probiert, o ohni Töff, aber so het sis nie meh gha. Weni aube bim Dokter bi, de fragt er mi immer, wie hesches mit em Alkohol? De sägeni, weisch, uf em lingge Ohr ghöreni nümme so guet. de fragt er mi, wie hesches mit em Rouke? De sägeni, weisch, ufem rächte ghöreni o nümme so guet. De fragen i ne de, u wie isches mitem Vögle? De seit är albe, weisch, uf däm Ohr ghöre ou ig nümm so guet… So, und itz gani no ga Noodles hole, bi dr Anna. Kennsch d Anna? Eeh, i däm Asiatelädeli. Die lütet mir immer ah, si heig no zvil Nudels, de gani die ga hole. Muesi nüt Choche am nächschte Tag! Jaja, die Anna, e schöni Frou! Mini Fründe frage mi aube, Du Schodi, wie chunnsch Du o geng zu so schöne Froue? Es geils Ärschli het si, schöni Püppi… so, es het gfägt mich öich Junge mal ds diskutiere. Dir gfallet mr. Chömet dr wider mau da häre? E Schöne, he! Chumm Franz, gimer nones Bier!
Freiheit für das Tram!
12. Dezember, 2007
Es ergab sich an einem Samstagnachmittag, sagen wir um 15.30, dass Herr Bünzli mit dem Tram Nummer 3 vom Egghölzli gen Altstadt fuhr, mitten in den Einkaufsrummel der letzten halben Stunde vor Ladenschluss in der Adventszeit. Da sass er nun, Hand in Hand mit seiner lieben Gattin, im wohlbeheizten Tram und ruckelte auf den Helvetiaplatz zu. Welches Bild bot sich ihm und den anderen Fahrgästen da: Die Kirchenfeldbrücke war versperrt, ein Polizeikordon erster Güte, mit Schildern, Helmen, Schienbeinschonern und Gummigeschosspistolen verhinderten jede Weiterfahrt der Strassenbahn. Dicht standen die Damen und Herren der damaligen Stadtpolizei Bern, die Köpfe gesenkt und die Schnäuze gestreckt, die, die welche hatten (vielleicht auch ein paar Frauen, aber da schaut man nicht so genau hin). Dass Herr Bünzli mit Gattin im Tram sass, nein, daran konnte es beigott nicht liegen, dass die Tschugger den Weg versperrten. Eine ganz andere Gattung Leute machte nämlich ähnliche Anstalten, die Aare zu queren. Man könnte sie auch als Kordon bezeichnen, rabenschwarz gekleidet, hei und da konnte man ein Arafattüechli am Halse eines Demonstranten erspähen – man spricht von Demonstranten? Ja, richtig, Herr Bünzli sah ganz recht, sie schwenkten orange Fahnen, eigentliche Kriegsbanner, musste er als erfahrener und altgedienter Offizier der Schweizer Armee denken. Dort stand was von Freiheit für einen ihm gänzlich unbekannten Araber drauf, die Schwarzen verlangten Freiheit für einen Ahmed Sowieso. Offensichtlich hatten die Freiheitsliebenden vor, ihre Forderungen inmitten der fröhlichen Konsumentenschar in der Innenstadt kundzutun – unvorstellbar! Recht so, dachte Herr Bünzli, für was hat man sonst die Polizei. Das wäre ja noch, dieses Randalenpack zmitts im Weihnachtsmärit, zwischen Esel und Glühwein. Das verschreckt nicht zuletzt auch Mütter mit Kindern. Da, quel horreur! Setzte sich der Demotrupp Richtung Tram Nr. 3 in Bewegung, ja was machen herrgottbhüetmi die denn da, die wollen doch nicht etwa einsteigen, die sind ja nicht bei Trost! Chumm Ärnscht, i wott use, mir wirds gschmuech, lässt sich Hanni, Ernst Bünzlis Gattin, geborene Eggenschwiler aus Truebschachen (er kommt aus Ostermundigen) verlauten. Denn das Tram steht unverrückbar wie der Unspunnenstein an der Haltestelle Helvetiaplatz. Das war gerade noch rechtzeitig, denn schon mosten sich die Krawallbrüder in den Waggon. Das Ehepaar Bünzli kann ais sicherer Distanz von der Kunsthalle aus zusehen, wie das Tram nun von Polizisten umzingelt wird. Die dachten wohl, die Demos, sie seien ganz schlaue Finken und könnten im Tram an den Bullen vorbei zum Casino fahren! Denkste Puppe. Es gilt da die Regel aus der Logik, dass die Polizei selber nicht dümmer sein kann, als sie erlaubt. Das ist deduktives Denken. Als Bünzlis unbeschadet über die Kirchenfeldbrücke watschelten, weiter durch die Altstadt zum Bärenplatz, konnten sie sehen, dass dieser Zwischenfall beim Historischen Museum seine weittragenden Konsequenzen auf den restlichen öffentlichen Verkehr hatte: Gar nichts ging mehr, was die Linien 3, 5, und 19 anbelangte. Und das war doch einiges. Die stauten sich bis zum Käfigturm. Sogar das Dampftram war lahmgelegt, schnaufte und zischte ungeduldig vor sich hin und musste eine Unmenge Dampf ablassen. So ist das an einem Samstagnachmittag in Bern, immer etwas los. Herr und Frau Bünzli hatten dementsprechend einiges zu erzählen, als sie im Tearoom Eichenberger das Ehepaar Chnortz antrafen, Bekannte aus dem Altschützenverein.
Handwerker im Haus
1. Dezember, 2007
Klavierunterricht (notabene bei einem Hochschuldozenten) und Heizungsmonteure vertragen sich schlecht. Beim Gang über die Türschwelle zur Wohnung meines Klavierlehrers fällt mir schon unheilverkündend eine Handwerkerskiste auf. Sie strömt Ausnahmezustand, Mörtelstaub und labilitätsauslösende Prozesse aus. Gut, das war vielleicht ein wenig allzu pötisch (poetisch). Aber wenn man in den Klavierunterricht geht und wieder mal nicht geübt hat, ist man sehr empfänglich für Omen und solches Zeugs. Ich sitze nun also am Steinway und will gerade in die Tasten greifen, als das Parkett knarzt, obwohl mein Lehrer auch schon Platz genommen hat. Da muss noch jemand gekommen sein. Der HEIZUNGSMONTEUR. Der aus dem Bilderbuch. Mustasch, Büezerbärndütsch. So wie er mir gefällt, wenn er mich nicht gerade von Mendelssohns Variations Serieuses abhält. Mon Professeur protestiert.Ob er da lange bleiben müsse und herumwerken, der Zeitpunkt sei gerade äusserst ungünstig.“I mues eifach dr Radiator uuffüue, dadrzue d Luft ablah.“Ja, ob er denn lange hier werken müsse.“Eh mr hei äbe ds fausche Materiau mitgnoh, i mues de namau verbicho. I mues itz nume uuffüue. D Luft ablah.“Aber ob er denn jetzt lange hier bleibe.“Ja, äbe i chume de namau verbi. Mr hei ja dr Schlüssu (Heizungsmonteure sprechen immer in Mehrzahl von sich, weil da stets irgendwo noch ein Stift herumfuhrwerkt). D Luft uselah macht aber nid viu Lärm.“Ja, es sei trotzdem ungünstig. Wenn es nur um den Lärm ginge -Der Monteur fummelt was am Rohr herum, verlässt dann aber die Wohnung (es befinden sich drei alte Jugendstilwohnungen im selben Haus). So beginnen wir die Stunde. Ich mühe mich ungefähr eine halbe Stunde mit Mendelssohns vertrackter Polyphonie ab und mit seinen Staccati leggierissimi. Da, ganz unvermittelt knarzt das Parkett wieder. Ich erkenne über den Rand des Notenblatts eine Kontur mit Schnauz gegen das Fenster. Weiter mit der IV. Variation. Jetzt kommt der Gipfel, denn die Figur am Fenster, der Feind aller Romantik, lässt die Luft ab. Es furzt und gluckert, röchelt, süderet und pfluderet ganz ugantelig, richtiggehend unanständig in den Resonanzkörper des Flügels hinein. Was in einem Kusturica-Film zum-in-die-Hose-machen lustig wäre, vermag mich nicht einmal zu einem Schmunzeln zu bewegen. Ich spiele stur und trotzig wie ein Appenzeller mit Pokerface weiter d-moll. StaKKato. Nach einer halben Ewigkeit verziehen sich die Heizungsfürze in alle Himmelsrichtungen (es nimmt mich nur wunder ce qu’a vu le vent d’ouest – sic!), ich spiele immer noch. Mein Lehrer fährt mit den Kommentaren zu meinem Spiel fort, wie wenn nichts geschehen wäre. Vielleicht sollte man über solch absurde Situationen nicht einmal schreiben.