Isch ihm andersch, oder.
15. November, 2007
Fränzi und Meret, dickste Busenfreundinnen fom Fach, quetschen sich nach anstrengend-ausgedehnter Shoppingtour durch Zurich – da city, maaan in den Intercity – da train, maaan Richtung Bern – da isch voll nüt los, weischtu maaan.
„Hey Shitt ah, Aldeh, das Züg wo mir da im Migro Kouft hei, das chasch itz im Fau ffou nid frässe, maaan. Das isch huere gruusig, ey“ - Meret stopft eine Gabel Thainüdeli zwischen ihre Glossylips und mampft.
„Hey fuck, mir wirds ja no schlächt, odääär?“ -“de hör doch uf, muesch es ja nid frässe, maaan, fuck you odääär“
Natel blingblingt – kündigt SMS an. Fränzi betatscht Natel, kann es zuerst nicht aus ihrer FakeLouisVuitton Tasche nehmen, weil es sich darin mit seinem Blingblingbändeli mit etwas anderem verhakt hat (Packung Kondome, ungeöffnet wegen Grundsatz des Overdressed and Underfucked, aber es gehört dazu meh weis ja nie auch wenns nie passiert und doch so brutal erhofft wird bei jedem Prestige-Besuch) und fummelt daran herum
“Hey Shit ah, d Mesä het gschribe! Si fraggt, öb mir hütt o ids Pwestiisch chöme“
„Hey fuck, i weis im Fau nid, maan, ha hüt sso Gringgweh gha maan, s isch mr so Schaisse gange“
„Ey, i weis im Fau o nid, maan, ds Pwestiisch isch immeh so Schaisse. Es isch gar nid Geil, oder, aui meine es seg huere ggeil, aber ös ischs gar nid, die si aui soo tumm, mann, so tumm wi Brot“
„Hey weisch no letscht Wuche, isch dr Mäge o dört xi, dä Siech isch soo blöd maan. Är chunnt sech vor wie Boss, wie geil, wil äre isch Logistikchef bi Dennerfiliale oder so. So schaisse, maan, sone Job wetti NIE, man, nid füre Tod, man, ischwöre“
„Hey ja maan, schwöre, so schaisse, man“
„Hey und Lisa, man, hase letscht Wuche xeh mit Kletschtrim i sim Outo uf Parkplatz. Die het dä nume wäge sine Muskle, man, wäg sim Body, schwöre. Huere Schlampe, man. I wett dä NIE, nid füre Tod, man“
„Ja, was heisi de dört gmaacht, man, Meret, säg, maan?“
„ja was, äch maan, bisch du blöd, frou, oder was? Dr SEX heisi gmacht“ – „Nei ächt, DÖR SEX, si hetne richtig GFIGGT (leicht hysterische Note – mittlerweile hört man sie wohl bis in die Waggons der 1. Klasse), die huere Schlampe maan. Geit mit jedem iz Bett, schwöre, sone grusigi Sou“
Natel blingblingt abermals – but iz da call diz time: Fränzi nimmt ab: „Hallo? – Hey, tschaaau Lisa, SCHATZ, wwie ggeitz? Ja, i weis no nid, vilech gömer hüt iz Pwestiisch, weis aber imfau wüük no nid, maan. Mir luege de spontaan. Was es geit dör nidzo guet, isches wägem Kletschrim (Heuchel in der Stimme in den Eierstöcken und überall)??? Mir chasch aues verzeue, gäu, Schatz, i bi IMMER für di da. Ok, jaja, Kisskiss bäääääij!“
Fränzi knallt Natel zusammen (Klapphandy): „Schlampe, schwöre. Meret, gömer itz ids Pwestiisch?“
„Weis imfau nid, ga gloub zersch hei e Rundi ga penne, mfau maan. De frissi es Aspirin, schwöre.“
„Weis mfaau o nid. ha gar nid so luscht“
„Waas, du hesch o ke Bock? Werum seisch das nid sofort?“
„Ja shit, maan? Chumm mer blibe dehei u luege DVD, maaan.“
„Mir si sooo tumm, maan, soo tumm.“
„Ja, shit, sooo tumm.“
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm
6. November, 2007
Stellt euch vor, heute habe ich doch tatsächlich zwei Rotznasen den Tag gerettet. Was bin ich für ein Held! Ich ging so des Weges, den Köter an der Leine (zerrend, der Köter, nicht ich), was erheischt mein Augenblick: Zwei Rotznasen, zwei Lausbuben aus der Nachbarschaft. Die kenne ich, die, die mich immer Ottokar nennen, obwohl sie GENAU wissen, dass ich Christian heisse! Doch das ist eine andere Geschichte. Ist aber so. Die stehen und beten da einen Baum an. Der eine schon in luftiger Höhe den Stamm umklammernd einem Klammeraffen gleich, der andere noch ein wenig bodenständiger, aber nicht minder andächtig, am Boden. Ich werde mit Gebrüll begrüsst (HAAAALLO OTTOKAAAR!), ich müsse unverrichteter Dinge auf diese Pflanze steigen. Ja um himmerlsgotterlswillen denn?
„Ja, üse Flüger isch im Boum glandet u chunnt nümme ache!“
Tatsächlich, bigoscht e der Tonnerli, da hängt so ein Flugautomat aus Styropor im herbstlich-kahlen Geäst.
„Mir hei scho Hundeschiissi (Hundekacke) uechegschosse, aber die isch o nümm obenachecho.“
Noch tatsächlicher als vorher, da hängt wenig neben dran ein Robidoggseckli – die Sackform lässt auf Inhalt schliessen – ebenfalls am Ast.
Wir entscheiden uns fürs Schütteln des Baumes.
„UUUuiii (so ein halb verängstigt-hoffnungsvoll-schelmisches UUUuiii), hoffentlich gheit üs dr Hundedräck nid ufe Gring!“ Möögget der eine et voilà, nur das Modellflugi schwebt mit Strömungsabriss Nase voran trudelnd zu Boden. Unter Freudengeheul verabschiede ich mich, mich daselbst einer neuen Aufgabe widmend: Wenn schiisst itz äch ändlech mi Köter?
Die Post ist da
2. November, 2007
Ach, du liebe Post! Ich, fleissiger Postbenützer. Ich gehe also tatsächlich, einer der letzten wenigen, wenn ich das Bedürfnis habe, einen Brief in PAPIERFORM irgendwohin zu schicken, auf die Post an den Schalter und gebe ihn auf. Die Post. Heimat wie kein zweiter Ort in der Schweiz, ausser dem PostAUTO. Da gibt es ihn noch, den echten, realen, sinnlich wahrnehmbaren Kontakt mit Menschen von der offiziellen Seite dieses Landes. Oder so dachte ich. Das letzte Mal als ich auf der Post war, einen Brief aufzugeben, wurde ich eines anderen (nicht unbedingt besseren) belehrt: Ich hatte, wie es sich geziemt, bei der Zustelladresse den Namen der Zielortschaft unterstrichen. So macht man das doch. Die Dame hinter dem Glas nahm das Guweer entgegen und sagte zu mir: Nächstes Mal den Ort nicht mehr unterstreichen. Ich dachte, ich hätte nicht richtig gehört. Ich musste die Frage wiederholen lassen. AbbabberabberAraber, was ist denn jetzt kaputt? Wiesoo? Weil es sonst nicht mehr maschinenlesbar ist. Es isch eso und fertig. Quel horreur! Ich war erschüttert. Fortschritt durch Technik! Und dann kann der doofe Kompjuter >underline< nicht lesen, nicht damit umgehen, stürzt womöglich gar ab! Dies höhnte ich der Schalterdame entgegen. Sie nahm es zur Kenntnis. Schnurzpiepegal war der das. Mir aber nicht! ich werde gemäss zivilem Ungehorsam militant weiter Adressen unterstreichen! Damit ein MENSCH meinen Brief aus dem rauchenden Compi rausfischen muss und die Adresse selber lesen. Ha!
Halloween ist Opium fürs Volk
1. November, 2007
Gestern war ja wieder Halloween, soso, hmhm. Was mich daran gefreut hat: Dass man es dieses Jahr fast nicht bemerkt hat. Ja, Halloween versteckte sich so gut, ich dachte schon es wäre vorüber und ich hätte es verpasst. Die Läden haben sich also arg zurückgehalten mit Kürbissen und anderen schleimigen Artefakten. Im Gegensatz zu vorigen Jahren, als dieser Hype wahrlich brechreizhervorrufend war. Marketingfritzen, so zu meiner Genugtuung, können den Leuten also nicht jeden Mist verkaufen. Halloween wurde nämlich von der lieben Wirtschaft nach Helvetien gebracht. Etwas anderes haben wir ja damit überhaupt nicht am Hut. Nur Kommerz, Konsum und einen Grund mehr, um Saufpartys mit anschliessenden Schlägereien (heuer nichts darüber bekannt gewroden in den Zeitungen) durchzuziehen, den Eltern für Kostüme ihrer verwöhnten Saugoofen das Geld zur Tasche rauszuziehen. Naja, vielleicht ist Geldausgeben für jeden erdenklichen Blödsinn eine neue Tradition geworden. Wir könnten zur Abwechslung ja mal Pessach oder Thanksgiving mit dem fetten Truthahn feiern.
Auf alle Fälle habe ich solches und ähnliches Zeug diesen Rotzgoofen erzählt, die mich gestern Abend auf der Strasse angehauen haben. Mit lumineszenten Gebissen und Harrypotterhüten. Darunter Nikeschuhe und Natel. Denen gab ich statt Süssigkeiten geistige Nahrung. Oder so wollte ich. Ich wollte ihre grossen Augen sehen, die sie bei meiner Brandrede gegen den Kommerz machen sollten, ich wollte sie heulend von dannen ziehen lassen, wissend, ihr Weltbild zerstört zu haben, so wie man einem Kind sagt, das Christkind und der Osterhase seien eine Lüge (um nicht zu sagen, Opium fürs Volk. Heute ist Geld, bzw. das, was man sich damit erfüllen könnte und gemäss Werbung sollte, Opium fürs Volk. Doch das ist eine andere Geschichte), ich wollte mich in der Sicherheit wähnen, die müssten jetzt wegen Identitätskrise anfangen zu rauchen, sich dickundfettzufressen, sich einem Kinderhändlerring anschliessen und die Sexsklaven eines holländischen Geschäftsmannes zu werden – nichts von alledem geschah. Meine Schar von Monstern, Kannibalen und genmutierten Gartenzwergen reagierte folgendermassen: Ich brachte nicht einmal das Wort „Kommerz“ zur Gänze heraus, da zogen diese Bälger unter Buhrufen und mir völlig unverständlichen Äusserungen wie „Arschloch“, „figgdi“, „asoziali Sou“ von dannen. Hey, die hattens aber drauf – die glauben wohl noch viel weniger als ich ans Christkindl. Wohl schon eher an Pornoheidi. Vielleicht haben die Obgenanntes ja schon erlebt? Auf jeden Fall hatten die für ihr Alter eine Menge Lebenserfahrung. Wer „Arschloch“, „figgdi“, „asoziali Sou“ sagt, der hat schon vieles einstecken müssen, schon viele Frustrationen verarbeitet, Enttäuschungen erlebt. Wie jedes Mal Halloween, wenn sie nur solche Affen wie mich antreffen, die keine Täfeli vergeben, sondern Müll zum Mund rauslassen. Vielleicht habe ich das nötig, weil ich nie Halloween machen konnte.