Bin dann mal weg
27. August, 2007
…Und jetzt haue ich drei Wochen ab. In die Ukraine. Hoffe auf blogwürdige Erlebnisse.
Ein Plädoyder fürs Essen
24. August, 2007
Ich bin Bernfan. Nicht Bärn- oder Baernfan.ch, denn diese Plakatkampagne finde ich nämlich peinlich, doch dies nur am Rande (peinlich finde ich auch das Gegenteil, z.B. und allen voran der Weltwoche-Artikel eines gewissen U. P. E. (hört mit -ngeler auf), in dem Bern-Bashing à la mode du chef betrieben wird). Ich meine mit Bernfansein, dass ich diese Stadt und ihre Bewohner mit allen ihren Ecken und Kanten mag. In allen Lebenslagen. Und heute muss ich ausgerechnet mal den Bernern auf die Finger klopfen. Im kulinarischen Sinne. Zum Einstieg soviel: Ich kann auf vieles verzichten, ausser auf gutes Essen. Deshalb nenne ich mich noch lange nicht Gourmet oder habe sonstige Esskulturdünkel an mir haften. Gestern war ich verwandtschaftsgeburtstagshalber in einem der letzten guten Berner Restaurants zum Znacht. Eines, das diesen Namen noch verdient. Es befindet sich in einem Kaff ein wenig ausserhalb Berns, bezieht oder bezog seine Hauptclientèle aber aus der Stadt. Ich hatte ein Mistchratzerli erster Güte, dazu einen Schwatz mit dem Chef. Bilanz dieses Abends: Die BernerInnen wissen nicht mehr, was gutes Essen ist. Sie wissen es schlicht und einfach nicht mehr zu schätzen. Bern und Agglomeration verfügt über 13 McDonald’s-Filialen. Keine US-amerikanische Grossstadt hat pro Flächeneinheit eine söttige Plastikfooddichte. Auch keine andere schweizer Stadt. Unser Chef kann keine Artischocken mehr als Beilagen aufs Menu setzen, weil BernerInnen nicht mehr wissen, was das ist, geschweige denn, wie man eine Artischocke FRISST! Früher (vor 20 Jahren) seien die Leute bei ihm Schlange gestanden, heute mampfen sie im Migrosrestaurant Fertigrösti und finden das gut. Packte er alles zusammen und ginge nach Zürich, AAAAAAAARRRRGH, nach dem von BernerInnen heissgehassten Zürich, stünden die Leute wieder Schlange an der Tür. In Bern hätte er mit einer kleinen Menumodifikation die Bude auch wieder voll: Fertigpizza und Kebab. Natürlich gibt es das Geldargument. McDonald’s ist immer noch verhältnismässig teuer (wer will eigentlich schon 10-20 Franken für Abfall bezahlen und dann noch essen???) aber billiger als ein Viergänger bei unserem Beizer. Aber die Leute haben ja Geld, wie Heu am Meer. Lieber stecken sie es in BMW-Cabrios (auf Abzahlung, ist ja klar). Kleiner Unterschied bei den Franzosen und Italienern: Sie mögen rostige Röndeln fahren und in BRuchbuden wohnen, aber das ESSEN, LE MENU, I PRIMI PIATTI, LE CANARD, L’OSSOBUCCO, das Essen ist gut. Es ist auch das wichtigste. Es hat die netten Nebenwirkungen von Geselligkeit und Erholung. Kein Wunder, müssen die Deutschen ihren miesen Food (Bockwurst und Sauerkraut) mit fetten Mercedes kompensieren. Doch ich schweife ab: Warum ich so viel über Essen und die diesbezügliche galoppierende Ignoranz (seit ca. 3 Jahren, erzählt der Chef, habe man wirklich Mühe, die Leute kämen nicht mehr. Er sei nicht der einzige. Viele andere für gutes Essen bekannte Berner Beizen hätten in den letzten Jahren dichtgemacht oder auf Mikrowellenfood umgesattelt) der BernerInnen schreibe? Essen geht eben tiefer als nur Nahrungsaufnahme. Es ist Kultur. Wer nicht mehr zusammen am Mittagstisch oder Znachttisch (mind. einmal pro Woche, jeden Tag schafft man es bigoscht nicht) sitzt, dem fehlt etwas. Wer nicht einmal mehr hinsitzt zum Essen, dem fehlt noch viel mehr. Liebe BernerInnen, in Zürich scheinen das die Leute wieder einmal ein wenig tifiger gemerkt zu haben. Obwohl dort sicher auch noch zur Genüge gestresst wird mit Sandwiches und so. Aber ich kriege das Gefühl nicht weg, dass momentan das Leben in Zürich abläuft. Und Bern sich ein wenig ins Abseits manövriert. Ein neuer Bahnhofplatz dient nur als Fassade für Aufschwung. Und ein richtiger Berner hätte nie eine Berner Zeitung nach Zürich verschachert.
Geht doch alle mal wieder gut essen und merkt den Unterschied zwischen dem Salat aus dem Gärtli hinter der Beiz und dem benzolbespritzten aus dem Grossverteiler.
„Grüessech, mir si vom orchestra giovane…“
20. August, 2007
Es folgt – wie angekündigt – der zweite Teil der Plakatiergeschichte. Ich war ja bekannterweise mit G. B. aus T. bei C. in GR in der Stadt mit dem Böögg um für das Konzert des orchestra giovane daselbst Werbung zu machen. Ich möchte der werten Leserschaft die Entwicklung unseres Plakatierverhaltens darlegen: Morgens um neun waren wir brav und hauierten am Hegibachplatz von Geschäft zu Boutique zu Beiz, vom Dessousladen bis zum Töfflimech, stets mit dem Satz „Grüessechibivomorchestragiovane, emnejungesinfonieorcheschter, mirschpileizwowucheeskonzärtimneumünschter, darfiächesplakatbiöichufhänkemerci?“
Meistens durfte ich. Mein Plakatpartner ebenfalls. So arbeiteten wir uns im Laufe des Vormittags bis zum Kunsthaus durch die Strassen. Daraus möchte ich von den nicht erfolgreichen Plakataufhängversuchen berichten. Wir betraten einen Coiffeursalon der gehobenen Klasse. Personal, Kundinnen (es hatte nur Frauen im Laden) und Interieur waren so durchgestylt, wir kamen uns wie Tarzan und Jane aus dem Dschungel vor. Haarig und unrasiert (ich war Tarzan). Stopp, einen Mann gab es doch, und dieser nahm uns in Empfang. Er sprach etwa zwei Oktaven höher als man sich denken würde und hatte eine derart sanfte Diktion, dass man weiche Knie bekam. Er war auch entpsrechend gestylt. Schwarze Röhrenjeans (Rüeblihose), Lederstiefel, ein paar sündhaft teure Gilets und Shirts, einen sexy Bart und die Haare gekonnt vernachlässigt fixiert, strähnenhaft über die Stirn gezogen wie in einer Laboratoires-Garnier-Werbung. Mein Partner erholte sich schneller von seinem Schock als ich und legte mit dem Standardsatz los, welcher durch Interjektionen wie „ööh, sooo kuuuhl“, „suuupeeeer“, „aaaaah ja“ unseres Frisierbeaus gespickt wurde. Um dann mit dem zart gehauchten Hinweis, in diesem Laden sei leider keine Plakatfläche vorgesehen uns wieder hinauszukomplimentieren „viel Erfo-hooolg“, flötete er noch hintennach. Dass wir mittlerweile beide Hämorrhoiden bekommen hatten, ist wohl selbstredend.
In einer Beiz wurden wir wortlos hinausspediert wie zwei Strassenpenner. Mit gestrecktem Stinkefinger zogen wir von dannen. Später fuhren wir im Auto noch einmal in selber Pose vorbei.
Dann gab es die Läden – Discounter, Kaffeeshop, Parfumerie – die einer Kette angehören. Diese müssen von Ougadougou bis Hilterfingen tupfgenaugleich aussehen und darum akzeptieren sie keine Plakate. Zum Kotzen. Kommt noch folgendes dazu: Das Personal spricht häufig schlecht oder gar kein Deutsch, weil es ja nur Kasse tippen muss. Die, die sprechen können, sagen, dass der Chef entscheiden müsse und der sei nicht da. In einem weiteren Coiffeursalon wollte die Angestellte mich schon zum Schaufenster führen, um das Plakat anzukleben, da trafen wir beide auf die Chefmatrone, gross wie ein Strassenkreuzer und fett obendrein, mit Hängebacken DänischDoggeSonderklasse. Ihr Blick reichte, um der armen plakatierfreudigen Empfangsdame den Tag zu versauen und mir, mich sofortestens aus dem Staub zu machen.
Bleibt noch der Schuhladen. So ein kahles Lokal mit etwa 15 Schuhmodellen, jedes kostet einen Mindestmonatslohn. Mindestens. Der Verkaufstyp muss man sich als Macho in personam vorstellen, Pomade so dick aufgetragen, der braucht einen Waffenschein für seine Friise und breitestes Chräis-Chäib-Züritüütsch. Nach meinem Standardsatz: „Heee, so gäääil, es Konzzerrt, tönt fffolll guet imm Fall! Abör wääisch, wi du vilicht xehsch, han ichs gern SCHLICHT a mine Hhhhäilige Wänd“ schmatzschmatzchewinggömm. Ich durfte also unverrichteter Dinge und um eine Bloganekdote reicher von dannen ziehen.
Dann wurden wir frech. Strassenlampen, Abfallkübel, Wände, Regenrohre, alles wurde vollgeklebt. Am Schluss bekam jedes Velo so ein Ding ins Körbchen und jedes Auto eins unter den Scheibenwischer. So plakatiert man in Zürich.
Zürigschnätzles aus der Verwaltung
15. August, 2007
Manchmal habe auch ich Einfälle. Stimmt. Einer der letzten nennenswerten war Plakat aufhängen in Zürich. Plakate für die Konzerte des orchestra giovane, welches daselbst frisch aus Dänemark heimgekehrt ist. In Tat und Fakten umgesetzt habe ich diese Idee mit einem gewissen G. B. aus T. bei C. in GR. Der hat manchmal auch Einfälle. Zum Besipiel, dass man die Plakate ja ganz einfach an den öffentlichen Plakatsäulen anbringen könnte, dort sieht man sie am besten, prime location sozusagen. Da setzte ich mich also mal an den Fernsprechapparat und telefonierte drauflos Richtung Säuliamt (äääh, ist ja was anderes, hat aber auch im weiteren Sinne mit Züri zu tun) betr. Plakatieren an Litfasssäulen. Plakate -> Konzerte -> Musik -> Kultur. Nach dieser jungschen Assoziationsreihe läutete das Telefon beim stadtzürcherischen Kulturamt. Halloooo, ja das geht über die Stadtpozilei, wartezi gschnäll, ich giben ine grad gschnäll d Nummere dureeeeeeeee. (R hinten in der Gurgel sagen, kleiner Tipp am Rande für Berner LeserInnen). Bei der Polente werde ich automatisch an die zuständige Stelle durchgeswitcht. Kommentar des zuständigen Stellerichs zu meinem Begehren: Höh, Ja Siiiiiie sind guet. Da muen ich grad gschnäll sälber studiere, wie das gaaaaht. Wartezi gschnäll. Zürcher sind gschnäll. Nach schnellem Warten tippe ich die Nummer der Baudirektion der Limmatstadt ein. Diesmal eine zuständige Gurkine: Plakat, ahaa, ja, also de Berääich hämmmer uuusgsoorsset (outgesourct, Outsourcing, Schimpfwort!), das möched zwäääi privati Firmene, wartezi gschnäll (ich unterdrück’ nen Schreikrampf und stöhne ein Cés Kaiserisches Jomercidanggschönvilmool, wenn ich Baaselditsch könnte)… Ich entscheide mich so für eine der beiden outgesourcten Plakatbuden. Die plakatige Dame dort ist sehr hilfs- bez. geschäftsbereit und will mir sofort eine Offerte machen. Selber aufhängen kann man drum nicht, das muss man eben machen LASSEN. das orchestra giovane muss auch outsourcen. Und das kostet. Am nächsten Tag flimmert eine Offerte im PDF-Format über meinen Bildschirm. Sie enthält unanständig, um nicht zu sagen ruinös hohe Zahlen. Ich lache mich tot und gehe mit G. B. aus T. bei C. in GR wild plakatieren. Doch dies ist eine andere Geschichte.
Eine etwas andere Rede anlässlich des 1. August 2007
12. August, 2007
Am 1. August war ich mit dem orchestra giovane in Dänemark auf der Insel Bornholm. Da musste eine 1. August-Rede her. Selbstverständlich liess ich mich dazu herab, eine offizielle solche mir aus den Fingern zu saugen und zu halten vor versammelter Orchestergemeinde. Beim 1. Augustfeuer, natürlich. Um der sprachlichen Minderheit der RätoromanInnen, in unserem Orchester allerdings überdurchschnittlich stark vertreten, die Ehre zu erweisen, hielt ich eine Rede auf Rumantsch. Eine auf FranzHohlerTotmügerliNonsensBärndütschRumantsch. Ehrlich: Ich habe weder von Hohlers romanischem Totemügerli was abgekupfert, noch jemand rumantsches aus dem Orchester zu Rate gezogen: Der ganze Karsumpel fiel innerhalb einer halben Stunde meinem kranken Hirn ein. Et voilà:
Tschiers Comünedas, Comünelaidas et Tschartepatönzas.S tschunnt en oura quand ils fuorns prend et ils muazzapatschinzels düront la notsch in bütsch. Ils bütschs, ils tschüls et ils bütschs süls tschüls sapperlot da schlarigna a schlawiner, fartains un tschrunz, un crunz et un grandegedöns.Sücomme, il stuorz da la pelerina flatsch il pizokkel et il capuns ,capuns, capuns, capuns.Schprengga la töra vals la müeter tschunnt sül muttler dal palü. La viafier retica sch-tschanf da malans a malzwai, maldrü malfier, malfümf et malsetsch, schtoggel il töggel et il muezzin bassa la schtora dals trais fluors per tschintschien tschintschillas.Dal conter, il Lej da Platsch plaunscht in chamueders muragl. Il schlawiner, tschell pratsch da schlarigna, spöl la cluozza zum cotza.La prossima fermeda otschsett un palaver suottant la stüva primitiva et suot caschtell schlürfa calanda dal pomeretsch alla matinotta. Salut il tschierv proletains una tschiraivla, sedrun il vereina vetsch in schtau tschovanai, ils vagabündins schplotters una schnaisa engadinaisa. La tschamanna coaz sül rosetsch vidai a murter und tuorta da nusch. Tatsch mahals, mabai et suot mains, ma nüt plainzlet dal tschlin. Lü il lumpaz, schranz in ranz düraint ils muazzapatschinzels schtoggelaint la diavolezza. Tschell e la schtoria da planta piz punt ot.tschiers comünedas, comünelaidas et tschartepatönzas, prüda mai tuot isch futsch. Fin da l’emissiun.
Gut, ich gebe es zu, der letzte Satz war vom Franz geklaut. Das ist aber auch alles!