Gärten machen Leute

24. Juli, 2007

Ich möchte meiner werten Leserschaft einen weiteren Aspekt des Gärtnerlebens nicht vorenthalten. Als Gärtner hat man das unbezahlbare Privileg (doch, eigentlich ganz gut im Stundenlohn bezahlbar), Einblicke zu ergattern hinter hohe Mauern, abweisende Hecken und eiserne Zäune. Ein Garten wird wohl von vielen Leuten deshalb so gut vor neugierigen Blicken geschützt, weil er unmittelbar Auskunft über die Leute selbst gibt. In Form seiner Gestaltung nämlich.

Es gibt den alten Witwer, der alleine in einer Riesenhütte lebt und jeden Tag seinen Jaguar aus der Garage fährt und ein wenig daran herumpützelt. Sein Grundstück ist von einer 3 m hohen Hecke ummauert und muss einmal im Jahr geschnitten werden. Den Gärtner bestellt er nur widerwillig, auf Druck der Nachbarn, die sich über eine komplett zugewachsene Aussicht beklagen (auch wenn diese nur aufs SBB-Bahntrassee geht). Ich fluche viel, mein Chef noch mehr. Dä Soucheib! (Wir meinen natürlich beide die Hecke!!!) I bi jedes Jahr froh, weni dä düre ha!

 Es gibt die lifestylige Singlefrau zwischen 30 unf 40. Ihre letzte Beziehung ist 3 Jahre her, und die Nippes, Dingelchen (sprich Gartenzwerge, Glaskugeln, Tonvögeli, Kunststoffasternketten, Kerzenständer und Cherzli) und Krimskrams um am und im Garten und Haus lassen vermuten, dass da auch auf längere Zeit in der Zukunft kein Mann seine finger im Spiel haben wird. Sie hat diese unseligen Plastikblüten sogar in einer Ecke des Garagentors drapiert. Sie fährt ein rotes MINI-Cabriolet und der Garten muss piccobello aussehen. Nur dass sie sich dabei keinen ihrer manikürten Finger verdrecken will. Dieses Schicksal soll die Finger meines Arbeitgebers (geng no dr Housi, übrigens) und die meinigen ereilen. Wir wühlen wie blinde Mäuse drauflos, müssen allpott so ein Gartendesignteil aus dem Dreck ziehen. Als die Dame des Hauses samt Hunziker (so einer mit Chruselifell, kurz geschoren, mit Ball – triefend – in der Schnauze) um 17.00 Uhr von ihrem kaufmännischen Bürojob anrauscht (etwas einträgliches muss es sein, bei dieser Hütte und diesem Garten), göisset sie vor Entzücken. Chefgärtner wird vollgequatscht, ich muss mit Köter Ballwerfen spielen. Und anschliessend Feierabend machen.

Uff! Mein Blog ist ja so etwas von verwahrlost!  Der Grund dafür ist simpeleinfach: Zuerst ne Prüfung an der Uni, die doch einiger Vorbereitung bedurfte, dann ab ins Tessin, Dampf ablassen bei dolcefarniente und Nero d’ Avola, dann Ferienjob. Und gleich verreise ich wieder, mit einem tollen Orchester: das orchestra giovane. Doch dazwischen will ich noch was ins Netz brünzeln, bevor meine Site digital zwangsentstaubt wird.

Mein Ferienjob ist durchaus blogwürdig: Ich betätige mich als Bimbo für alles bei einem lokalen Gärtner, nennen wir ihn Housi. Über die Gärtnertätigkeit als solche brauche ich nicht viele Worte zu verlieren, wer kennt sie nicht: Unter der sengenden Sonne schwinge ich meine elektrische Heckenschere (ich schwang sie eines Frühmorgens noch halb schlaftrunken volle Pulle in das Stromkabel, welches daselbst die Schere mit Schnätzelkraft speist: Die Schere war sofort kraftlos, ich sofort HELLwach), jäte Unkraut (jaaaa, mit Gummimätteli für die Knie) – Definition von Unkraut nach meinem Grossvater: Unkraut ist das, was am nächsten Morgen im Gartenbeet wieder spriesst, wenn man vorigen Tages alles ratzekahl gejätet hat.

 Sternstunde des Studentengärtners läutet, wenn Znünipause ist, und ich mit meinem Herrn und Meister einen Kaffee trinken gehe. Im hintersten Eck unseres Kaffs, wo sich Fuchs und Bandwurm guten Appetit wünschen, hat es eine LANDI-Tankstelle mit Tankstellenshop. Dieser ist äusserlich kaum als solcher identifizierbar, wird er doch von einem grauen Betongemäuer umgeben, die Fenster sind vergittert und die Rollläden geschlossen, nur ein dunkler Eingang lässt tätiges Tankstellenpersonal vermuten. Im Innern erwartet mich eine andere Welt: Es hallot aus allen Ecken, Büezer, Meche u Laschtwägeler begrüssen meinen Chef, man kennt sich. Ds Annerös, eine alte Schrulle, will wissen, ob ich den Ggaffee mit oder ohni Zucker nime. Ich will mit. Ich mache einfach alles dem Housi nach, grabsche mir also ein 20Minuten und setze mich neben ihn an den Holztisch, der von den andern Znünipäuseler bevölkert wird. Thema ist Dopingrennsport und Jungfraurekrutendrama. Zwischendurch kursiert ein einziges BLICK-Exemplar durch den Raum. Der Kaffee ist wirklich beachtlich in Geschmack und anständig heiss, vielleicht ein wenig stark gesüsst. Mir ziehts auf jeden Fall immer den Mund zusammen. Naja, eher voll Hahne zviu Zucker MAnn! Macht nüt. Ich lausche einer Männerkonversation am Stehtischchen nebendran. Einer von dreien scheint LKW-Schofför zu sein und hat einen grossen Trip vor sich.

„Eeh, Rüedu, wenn geisch itz? Hesch scho packt oder muesch no?“

Rüedu kann nicht antworten, der Dritte kommt ihm zuvor: „Eeeh, dä packt däich nid, das macht em wohl d Frou, die packt im, für das si ja d Froue da, oder?“

Anerkennendes Lachen füllt die kleine Bude, auch das Annerös grinst. Hier ist die Welt noch in Ordnung, denke ich, oder zumindest so lange, bis ich den Mund auftäte und was von Sexismus sagen würde. Ich hätte mein Gastrecht aber nullkommaplötzli verwirkt und müsste fortan selber eine Büchse Nesggaffee mitnehmen und in der Wagenkabine des Gärtnerautos meinen eigenen Znümitrunk brauen. Darum starrte ich in meine 20Minuten und dachte: Blogblogblogblogblogblogblog…… et voilà, BLOG! Ich freue mich auf einen nächsten überzuckerten Kaffee, serviert von Annerös, die mittlerweile auswendig weiss, welche Präferenz ich habe bez. Znünikafi und harre der sexistischen Sprüche, die da kommen. Schöne no, he!

Heute steht mal etwas ganz besonderes an: ich präsentiere einen Gastschreiber. Dieser heisst Martin Fey, ist mein Vater und brünzelt ganz ahnsehnliche Värsli uf Bärndütsch zu Melodien von den allseits bekannten Mani-Matter-Liedern.

Die Texte sind durchaus eigenständig, die Verwendung von Matters Rhythmen rührt vermutlich daher, dass Herr Papa zu faul war, eigene Musik zu schreiben.

Zudem ist es so ganz einfach, die Lieder zu singen – mann kennt die Melodie ja schon:

Ahneforschig(nach Mani Matters „Dr Bärnhard Matter (1821-1854)“ zu singen; entwicklungsbiologisch inspiriert durch Charles Darwin, durch einen Besuch der Galapagos-Inseln 1978, und überhaupt durch jahrelange klinische Beobachtungen im Beruf)

>

Für d’Entwickligsgschicht z’ erkläre Bin I geschter mal i Zoo,

Bi ga luege-n-öb vom Darwin här ä

Klars Konzept chönnt cho.

I bi zersch bim Fuultier g’landet,

Das het pfuuset kopf-voraa

Doch wär nume pfuuset, strandet

Ir Entwicklig und bliibt staa.

Du bi-n-I ga d’Bäre bsueche

Die sy üsers Wappetier,

Doch die düe mängs Mal wie d’Rueche

Wo me friedlich besser fier.

Wo-I zumne Chäfig chume,

Da g’seh-n-Ig ä Papagei.

Aber da chräit nume-n-ume

Wie-n-I heisse: „Fey, Fey, Fey!“

I ha welle wiiter loufe

Dänke draa, die Sach la z’sy,

Wott zum Troscht a Glace choufe,

Da fallt ds Affehuus mir i!

Z’letscht studiere-n-I no d’Affe

Hoffe, dass I meh verstaa

Wen-i die Verwandte gaffe,

Wiä dr Mönsch het chönn’ entstaa.

Die sy voll am ume schreie,

Und dr stärchsti Aff chläpft da

Grad a chliine – jede Laie

Gseht, da isch vil mönschlechs dra.

Eine schrisst a dr Banane,

Wo dr anger gärn wott ha,

Und zwe grossi Affe bahne

Grad äs Gschlegel zäme-n-aa.

Bim studiere vo der Gruppe

Gwinn Ig Date, gar nid knapp:

Wie-n-Ig gseh, grad mit dr Lupe,

Stammt der Mönsch vom Affli ab.

>

…je nach Anklang bei der werten Leserschaft werden weitere Liedtexte publiziert.