Mundartswing & Ausgangsfrust
23. Juni, 2007
Gestern habe ich mir ein Konzert der Second Line Big Band in der Mahogany Hall reingezogen. Im ersten Set gab es Big-Band-Jazz, also Swing und Latinnummern, in guten Arrangements zu hören. Das Zweiten Set gings funkyg zu und her, ein guter Kontrast, ein gelungener Abend. Einen showerprobten Sänger hatte die Band auch dabei. Der brachte seine Songs sehr überzeugend (und überzeugt) rüber. Bis auf eine Nummer, von der ich weniger überzeugt war als von allen andern. Es handelte sich notabene um eine Eigenkomposition des Gitarristen von Second Line. Sie wurde vielversprechend als Mundartsong angekündigt. Wenn ich „Mundart“ höre, erwarte ich natürlich nichts anderes als BÄRNDÜTSCH. So sahen es auch meine Orchesterkollegen und -Kolleginnen, die sich ebenfalls im Publikum befanden. Der Schock sass tief, als „Mundart“ züritüütsch (absichtlich klein geschrieben) bedeutete. Dazu der Titel des Songs: Schwing dein Ding. Dem Titel konnte natürlich kein anderer Inhalt zugeschrieben werden als dessen ausschliesslicher Bezug auf Swing, also die ternäre Rhythmusform des Jazz. Ist ja ganz klar. Auch wenn die Lyrics penetrant nichts anderes verkündeten als SchwingdeinDingSchwingdeinDingSchwingdeinDing-da-bi-du-bi-dah-dah. Ich verzichte darauf, eine Inhaltsanalyse des zweiten Substantivs, das den Titel ausmacht – Ding – vorzunehmen. Nach dieser Glanznummer fand die Band aber schnell wieder zurück in ihre fägige Musik und ich war wieder glücklich. Nach dem Konzert gings mit Swing in den Beinen altstadtwärts über die Nydeggbrücke. In der Junkere kehrten wir noch kurz ein und fachsimpelten über die Vor- und Nachteile, wenn man einen Stiefel bestellt, wie es am Nachbartisch geschehen war. Ein Nachteil überwog nach unserem Befinden: Wenn man nicht schnell genüg schütten kann, wird das Bier warm. Wir machten uns auf den Weg Richtung Bahnhof, um den Abend zu beschliessen, aber kamen nicht weit. Eine junge Dame hielt uns an und fragte: „Hey, hey, sorry schnäu (oh nein, die will sicher e Schdutz fürd Notschlafstell. Aber halt, schau doch mal hin, LappituedOugenuf, die ist ja so alt wie wir, total aufgetusst, um nicht zu sagen aufgebitcht – ), isch hie unge öppis los, wüsst dir, wo hie öppis los isch?“ Sie war sichtlich gestresst, mit der kalten Angst im Nacken, in dieser angebrochenen Nacht nichts mehr zu erleben, dabei hatte sie heute extra ihre brandneuen Guccischlüpfer an die Füsse gezwängt… Da sie mir einigermassen hübsch erschien, versuchte ich es mit folgender Masche: Ich machte sie darauf aufmerksam, dass mit unserem Abgang Richtung Bahnhof in der unteren Altstadt natürlich nichts mehr los sei. Sie quittierte diese doch unmissverständliche Empfehlung, für gutes Entertainment sich uns anzuschliessen, mit einem indignierten Nasenrümpfen und stöckelte genervt von dannen. Ich werde diese Masche wohl doch nicht patentieren lassen und muss wohl oder über noch ein wenig an meiner Anmachtechnik feilen.
24. Juni, 2007 um 10:03
Ich verfüge über Beweisfotos, auf denen Sie selbst sich des Zürcher Dialekts bedienen. Sollten Sie jene abschätzigen Passagen nicht umgehend aus Ihrem blog streichen, werden die Bilder der Presse zugespielt.
25. Juni, 2007 um 7:55
Naja, erstens möchte ich mal ein Foto sehen, auf dem man erkennen kann, welcher Sprache sich der oder die darauf abgebildete bedient, zweitens bin ich mediensüchtig und durch die Presse geschleift zu werden ist das beste, was mir passieren kann, und drittens gebe ich zu, im engsten Familienkreis züritüütsch zu sprechen, dies aber nur aus Tradition – mein Herz schlägt für Bärndütsch!
26. Juni, 2007 um 3:49
Ich habe mich vor geraumer Zeit mehrere Male in lefeys Wohnzimmer eingehackt und bin so an noch viel brisanteres Bildmaterial gelangt – der Hund der Familie bellt ebenfalls Zürcher Dialekt, zu erkennen auf diversen Beweisfotos, die ich zwecks meiner mir von Spezialisten in den Augapfel implantierten Spionagekamera „SPY-EYE 2000″ schiessen konnte. Habe das Beweismaterial mittlerweile digital aufgebrezelt (lefey nackt mit grossen Brüsten, der Hund mit Spiegel, Röhrli und Kokainlinie) und auf Ebay versteigert. Mit dem so verdienten Geld werde ich mir morgen den Kanton Zürich kaufen.