Heute habe ich eine Wette gewonnen. Leider gab es nur geistigen Gewinn in Form von erfüllter Schadenfreude, materielles hat dabei nicht herausgeschaut. Zu relativieren ist vielleicht noch, dass mein Wettgegner dieselbe Position wie ich eingenommen hatte, also gar kein richtiger Gegner war. Das konnte mich jedoch nicht verdriessen, aus der am Schluss eingetretenen Win-Win-Situation konnten wir beide wie gesagt geistiges Kapital in Form von tiefer Genugtuung schlagen.

Es isch e so gsy:

Ich marschierte um 08.04 Uhr stramm gegen die UniS, im Begriffe, einer historisch wertvollen Vorlesung beizuwohnen, nämlich der letzten unseres abtretenden Römischrechtprofessors. Doch diese Gedanken waren noch gar nicht Gegenstand meiner Aufmerksamkeit, vielmehr musste ich immer über den Bahnhof Richtung Inselspital blicken. Was sich meinen glotzenden Augen präsentierte, war beinahe apokalyptisch, wenn ich mal so plump sein darf. Rabenschwarz war’s, nicht mal der Mond schien helle. Und erdrückend. Wie wenn der böse Sauron das Schwarzenburgerland seinem düsteren Reich einverleibt hätte. Doch ich schweife ab. Ich war nämlich im Unigebäude angekommen, hatte den Vorlesungssaal betreten und wollte mich gerade hinpflüttern (na gut, um mich so richtig nach alter Kunst pflüttern zu können, müsste ich wohl mindestens 40 Kilogramm mehr Fett am Ranzen haben), da erhob sich mein Kollege, der Marius. Er müsse noch schnell in die Juristische Bibliothek, ein Buch zurückgeben, verkündete er. In 5 Minuten begann die Vorlesung?? Noch nicht Grund genug, kräftig zum Hauptgebäude zu beinerln. Doch da fiel mir die schwarze Wand in Bern West ein. Ich machte Monsieur fröhlich darauf aufmerksam, vor allem, dass diese sich unaufhaltsam und unberechenbar schnell Richtung Bahnhof und Uni bewege - er ging trotzdem seines Weges.

Nun kommt die Wette. Ich schloss sie mit meinem Banknachbar ab. Marius werde vom Unwetter getroffen, und wenn nicht die Schanzenstrasse runtergespült, so doch pitschnass Römisches Recht hören. Und da passierte es: Ich hatte das Gefühl, mitsamt dem Hörsaal im Ozean versenkt worden zu sein. Dermasse hets ad Schibe HÄREBRÄTSCHET. Ich wunderte mich, warum keine Seegurken an den Fenstern vorbeigurkten. Und der Marius war noch nicht da. Punkt 08.15 Uhr (mit dem akademischen Viertel) stand er an unserer Bankreihe, und mit ihm, an ihm (in ihm?) ca. 235 Hektoliter Wasser, die noch abtropfen mussten. In der Hand hielt er ein aufgeweichtes Bibliotheksbuch – man konnte es nur in der Stadtbiblere zurückgeben und nicht in der JBB…

Zum Abtropfen ist noch zu erwähnen, dass Marius beschloss, sich à la mode d’un chien unmittelbar neben mir auszuschütteln. Bei Hunden ist das scheinbar ein Zeichen der Freundschaft, bei Marius weiss ich da nicht so recht. Meiner eingangs erwähnten Schadenfreude tat dies keinen Abbruch, ich kicherte noch minutenlang unkontrolliert in meinen Kugelschreiber hinein.