Bauernregeln
6. Juni, 2007
Es kann selten, aber doch manchmal vorkommen, dass man kramgassaufwärts in eine Diskussion über die Vorzüge des Stadt- bzw. Landlebens verwickelt wird. Meine Diskussionspartnerin vertrat die Landseite, ich die Stadt. Ich machte die Dame zur Landseite, ehrlich gesagt. Sie fühlt sich im beginnenden Ämmital wohl noch nicht genügend versorgt. Ich mich selber, 7 Minuten vom Stadtzentrum in Suburbia von Bern schon weidlich weit weg. Ich war der Meinung, aufs Land ziehen könne man zum Sterben, das halte man ja sonst nicht aus. Ich hätte ja keine Ahnung vom Landleben, konterte die andere Diskussionshälfte, ein urbaniesiertes Stastbubi wie ich sei.
Da musste ich den sich anbahnenden Unverschämtheiten Einhalt gebieten, und demonstrieren, dass ich sehr wohl wisse, dass die Milch nicht aus der Steckdose komme. Überhaupt sei ich praktisch auf dem Land aufgewachsen, hätte da einiges gesehen.
Ich bin eben noch mit den Schweinen aufgestanden, äuä de scho.
Ich habe jeweils morgens um 5 die Hühner melken müssen, sonst wären sie geplatzt, so zetermordio haben die gegackert, das kann man sich gar nicht vorstellen, das muss man schon selber einmal erlebt haben.
Und die Kühe: Jeden Morgen von der Stange holen, immer am Abend vorher dem Muneli einschärfen, wann er am nächsten Tag zu krähen habe.
Ich sage euch, ich habe das Bauern im Blut. Wenn ich jemandem zeigen muss, wie man einen frisch gepflügten Acker bschüttet, ich bin zur Stelle. Ich habe das Handwerk vom Kartoffelsähen und Gräsersetzen von Kindesbeinen an gelernt. Niemand setzt die Gräser so treffsicher in die feuchte Erde wie ich, da kann mir nicht mal Lohndumpong etwas anhaben.
Und wenn jemand eine Tanne gefällt haben muss, nur anrufen, mein Gewehr ist stets geladen.