E Krimer
25. Mai, 2007
Heute bin ich mal ganz spannend drauf und versuche mich einmal im Genre der Fortstzungsgeschichten (was natürlich bedeutet, dass ich morgen auch spannend drauf sein muss).
Ich wollte schon lange mal eine dreckige Detektivstory schreiben, wie Philipp Maloney oder Dickie Dick Dickens.
Eine Kriminalgeschichte.
Es war ein mieser Montagnachmittag, es regnete in Strömen, es gab immer noch Leute, welche die Evolutionstheorie ablehnten und sein Büro hatte er schon wieder vollgequalmt – Gauloises. Und soeben war dieser mühsame Klient durch die Tür gestöffelt, Herbert Rabenaas, der jeden Monat mit fast peinlicher Regelmässigkeit Preston Applebys Kanzlei heimsuchte: Blondes, schütteres Haar, Attitüde eines Besenfressers, melancholischer Blick eines verklemmten Musikers, die Art eines selbsternannten Feinschmeckers. Wenn Appleby den Rabenaas lange genug anlüscherte, fragte er sich dann, warum er eigentlich Detektiv geworden war – wahrscheinlich des Whiskeys wegen. Als der Mühsame damit begann, zusammenhangslos naturwissenschaftliche Fremdwörter durch den Zigarrettennebel zu schleudern, hatte Appleby das tiefe Bedürfnis, den phlegmatischen Pfau gleich wieder hinauszukomplimentieren. Doch Rabenaas war zackig. Er baute sich vor dem Schreibtisch auf, griff in die Innentasche seines Kittels und produzierte theatralisch ein Bündel Banknoten.
“Als Anzahlung, Sie verstehen? Die Auflösung des Falles ist von ausserordentlicher Wichtigkeit für mich. Kazam!” – “Herbert hat ‘nen Sprachtick”, lachte sich Appleby ins Whiskeyglas.
“Ja, Herr Kaz… eh, Katzenfrass (hähä), eeh, Rabenaas, Sie haben mir aber noch gar nicht so eloquent dargelegt, was ich denn auflösen soll. Das Geld nehme ich natürlich dankend als Honorar für unsere erbauliche Sitzung an”. Er musste rülpsen und tat es nach Detektivmanier freundlich, aber mit Nachdruck. Rabenaas floh hinter den Schirmständer. Von dort aus erklärte er:
“Nichts da! Sie nehmen das Geld und gehen schnüffeln! Kazam. Es geht um eine Frau und deren Zimmer -”,
“Aha, also ein Frauenzimmer?”, Appleby konnte sich nicht zurückhalten.
“Nein, sie sexistischer Affe, es geht um ein Zimmer, in dem ich Geld “deponiert” habe, und eine Frau, die mich nicht reinlässt. Sie will mich betrügen. Kazam”.
“Mit einem andern Mann?”
“NAAAAHEEINN, Sie Dösköppel, sie will mich mit dem Geld betrügen!”
“Ein Monetophiler”, geht es Appleby durch den Kopf. “Sie haben das Wort “deponieren” in An- und Abführungszeichen ausgesprochen. Waaas haben Sie genau mit dem Geld gemacht und wieso ist es dort? Warum lässt Sie die Frau nicht mehr in das Zimmer?”
“Weil ich das letzte Mal versucht hatte, mit einer Streitaxt einzudringen. Aber das geht Sie doch gar nichts an. Überdies gibt das diesem Räf noch keinen Grund, immer “HAUSFRIEDENSBRUCH!!!” in das Treppenhaus zu brüllen”.
Gut, dass Appleby den crazy Herbert noch nie abgewiesen hatte. Der hätte ihm bestimmt gewaltsam mit einer Pinzette die letzte Gauloise zerdrückt. Appleby hätte es nicht verkraftet. “Mögen Sie Brahms?”, lenkte er ab. Der Mann ging ihm auf die Nerven. Der war ein Fall für den FFE.
“Nein, erst ab dem 13. Loch kriege ich Rückenschmerzen, Kazam”, konstatierte Rabenaas. Er war verrückt geworden hinter seinem Schirmständer. “Das Geld habe ich übrigens vor einer Woche von der 69. Strasse durchs offene Fenster ins Zimmer geworfen. Ich trainiere. Ich will weltbester GeldzumFensterhinauswerfer werden”.
“Whiskey?” Appleby wartete gar nicht erst auf eine Antwort und füllte sein Glas. Er ärgerte sich über seine popelige Höflichkeit. Die Welt ist bös und hart zu einem, also müsste man doch zurückbösen. Er blies als Kompensation dem Rabenaas ein paar Kubikzentimeter Rauch ins Gesicht. “Wieviel war es?”
“Was?” – “das Geld, das Sie ins Fenster warfen. Übrigens wage ich als blutiger Laie in ihrem Fachgebiet zu behaupten, auf die Gefahr hin, Sie ihres gesamten Lebenssinnes zu berauben, dass man wohl kaum weltbester GeldzumFensterhinauswerfer wird, wenn man Notenbündel von draussen durch ein Fenster in ein Zimmer hinein wirft…”
“Kazam! Das ist ja nicht zu fassen. Ihre Dummheit macht mich zappeln! Wie kann ich Geld zum Fenster hinauswerfen, ohne es zuerst reingeworfen zu haben? Ich sehe, Sie haben wohl nie Physik studiert. Ich zwar auch nicht, aber ich bin ein autodidaktisches Genie. Ich habe die ganze Logik auf der Platte”.
“Und einen Sprung in der Schüssel. Was sind Sie von Beruf?”
“Neurotiker. Es handelt sich um den erklecklichen Betrag von 834 £ Sterling. Da staunen Sie Bauklötze, was? Meine Kategorie ist Schwergewicht. Buy low, throw high. Die renitente Dame kannte ich bis vor kurzem nicht.”
Appleby verschluckte beinahe seine Zigarette. Er hustete gründlich ein wenig grünlichen Schleim. Vielleicht prustete er aber auch grünlich ein wenig gründlichen Schleim. Und spuckte aus. “Sie wollen also damit sagen, Herr Rabenaas, dass Sie in fremde Wohnungen ihre Knete zu werfen pflegen?”
Herbert hob die Augenbrauen. Er sah drein wie ein Geier mit Hängebacken. “Der Kick, mein Lieber. Adrenalin. Ich vergewissere mich, dass niemand zu Hause ist, werfe das Geld rein, breche anschliessend in die Wohnung ein und nehme den Zaster wieder mit. So war es auch das letzte Mal. Fast. Die Frau musste im Moment, als ich warf, in ihre Wohnung gekommen sein. Ich brach wie gewohnt, mit einem Dietrich die Tür aufschliessend, ein. DA FIEL SIE MIR UM DEN HALS”.
- Fortsetzung folgt.
9. Juni, 2007 um 7:04
Dafür, dass es deine erste Detektiv-Story zu sein scheint: Nicht schlecht. Weiter so würde ich da sagen!