Über Auffahrt hat es mich nach Venedig verschlagen. Per Eisenbahn (pendelnd) zuckelte ich durch den Simplon durch die PO-Falte der Welt in die Lagunenstadt. Die Ankunft ist einmalig: Wenn man zum eher nüchternen Bahnhofsgebäude heraustritt, befindet man sich sogleich in einer anderen Welt. Irgendwo zwischen Billettschalter und Türangel muss da ein Beam-me-up-Scotty-Maschinchen versteckt sein, anders kann ich mir das plötzliche Vorhandensein des Canale Grande mit Vaporetti und Gondole und einer ganzen Reihe von Ca’s (hier darf ich das Apostroph trotz Bastian Sicks Kreuzzug gegen dasselbe anbringen, weil es ANGEBRACHT ist!) – Palazzi – gar nicht erklären, eine verklärte Sache ist das.

Aber momou, es stimmt, die Dame an der Biglietteria spricht zuerst Englisch und dann erfreut Italienisch (weil man im Gegensatz zum restlichen Touripöbel wohl noch tschinggutanisch kann – hier der obligate Einschub für das Selbstbewusstsein), und das Vaporetto stinkt auch wirklich nach Diesel. Deshalb würde ich es aber nicht vergangenheitssalbaderisch Vaporetto (das chunnt vom Dampf, äuä de scho) nennen, wie man es in Viscontis Tod in Venedig noch sieht, sondern gemäss technischem Stand mit Dieselotto(sic!) bezeichnen. Soviel zur Postkartenankunft in der Serenissima.

Dass die Stadt wunderschön ist, die Gassen verzaubert und die Brücken über den Rii malerisch sind, die Touristen viel, die Einheimischen wenig, die Preise hoch und die Wasserqualität arm (nicht tief, hähä), sei hiermit gesagt. Das haben schon alle gesagt, und es stimmt auch. Geht hin und schauet! Am besten erkundet man die Stadt, indem man sich verirrt. Und das geht auch mit Stadtplan tadellos wies Bisiwätter. Irgendwann landet man auf der einzigen so genannten Piazza der Stadt (die andern Piazze heissen Campo), derjenigen des S. Marco.

Jaaaa, die mit den Tauben, *ekel*. Was man sich nicht antut für ein Ferienföteli. Oder besser gesagt, für ein authentisches BIRDS-Erlebnis, Alfred hätte Freude: Gewisse Venedigreisende legen sich doch wahrhaftig auf den Boden und lassen sich mit Taubenfutter berieseln, auf dass das salmonellenverseuchte Flattervieh auf deren Körper eine Fressorgie abhalte. Insgeheimer Gram packt mich, als ich sehen muss, dass am nächsten Tag nicht die Hälfte aller Touristen von einem Brechdurchfall dahingerafft werden, sondern quietschvergnügt Schlange stehen für eine Besichtigung der Markuskirche. Bevor ich schäume und den Herrn vor mir in die Wade beisse, kehre ich der Pöbelmasse den Rücken und weiss es besser. ICH weiss, wie man eine Stadt erkundet, alle andern sind iNGoranten. Und gehe mich verirren. Am liebsten würde ich Tauben vergiften im Park, aber es hat keinen.

Es hat hingegen jede Menge Kaffees und der Kaffee (also natürlich die klitzkleinen caffé) ist guuuuuut. Ich bin jedenfalls den ganzen Tag voll drauf. Koffeinschock in Reinkultur. Er äussert sich darin, dass ich mit meiner Kamera jeden Mist knipse. Nur gut, dass in Venedig jeder Mist photogen ist und fantastisch aussieht. Wie käme ich da in Zürich Schwamendingen heraus, so etwas von flach, nehme ich an. Ich genehmige mir noch einen letzten Prosecco und sage ciaoarrivedercibuonagiornataegudbai.