A Journey into the Sound of Music?
7. Mai, 2007
Ach, was hätte das für ein Abend werden können… wenn ich ans Konzert des Schweizer Jugendsinfonieorchesters gehe, freue ich mich wie ein kleines Kind auf ein sackstarkes Orchester mit einem Hammerprogramm. So auch an diesem 6. Mai. Es stand eine Uraufführung eines Schweizer Komponisten namens Läubli auf dem Programm, dann das für mich persönliche Kernstück des Abends, das Konzertstück für 4 Hörner und Orchester von Schumann. LECHZ! Mit einer exquisiten Auswahl der besten Hornisten, die da so rumtröten, habe ich mir verlauten lassen. Im zweiten Teil noch Bruckners 9. Sinfonie. Bruckner habe ich noch nie gehört, mein Vorurteil zählte ihn aber zu den österreichischen (und auch deutschen) Schwerenötern, die ich nicht besonders schätze, weil zu schwer für mich. Aber bitte, das SJSO wird mich sicher eines Besseren belehren. DACHTEN ICH und andere auch. Nach dem obligaten Nervgetöte des Fördervereinpresis zu des Anfangs Beginn ertönte diese Hyrophanie von Herrn Läubli, was nach einem vielverheissenden kurzen Anfang in moderne Wind- und Kratzbelanglosigkeiten abglitt, e fertige Seich, um mal schön pauschal auf die Pauke zu hauen.
Dann der Schumann, es kribbelt in meinem Bauch. Schön sieht das aus, vier güldene Hörner auf der Bühne. Mit versiertesten Blasern hintendran am Mundstück. Ich spule zum Ende des Stücks. Züri und ich sind uns konkludent einig (später der Schmidi auch, nur der Bührer hat nichts begriffen): Die Hörner waren TOPP, das SJSO FFFFLLLOOOOPPPPPP!!!! Die Solisten und wir mussten im falschen Konzert gewesen sein, das falsche Orchester erwischt haben. Flach, unpräzis, langweilig, die MusikerInnen pennten fast ein hinter ihren Celli, eine Zumutung an die prominenten Hornisten und uns. Wir waren enttäuscht. Es fällt mir schwer, die Entschuldigung, das Stück sei gegen das Orchester geschrieben (das stimmt ja schon) und man habe nur wenig geprobt, für das SJSO gelten zu lassen. Ich wandle mich zum Optimisten, und freue mich auf den Bruckner, denn was bei Schumann nicht geübt wurde, musste ja woanders investiert worden sein. Fazit nach Antons Letzter: Was zum Himmel haben die denn geprobt??? Gottseidank kann ich raus, das passiert mir selten. Applaus spendeten wir
für das tiefe D des Fagotts im ersten Satz und die 9 Hörner. Mehr darf ich gar nicht sagen, sonst wirds persönlichkeitsverletzend. So.
Ein bisschen objektiver ausgedrückt: Die technische Leistung, den Bruckner zu spielen, war beachtlich, aber das alleine kann nicht genügen. Ich bin halt der Meinung, dass man nicht junge Leute ein Spätwerk des österriechischen Schwerenöters (ich wiederhole mich) spielen lassen soll. Vielleicht mal als Übung, aber nicht für ein Publikum. Es bleibt also der zweifelhafte Achtungserfolg, Wow, das SJSO hat Bruckners 9. geschafft! Aber das war auch alles.