Ach du komplexe Scheisse!
5. Mai, 2007
Ich habe einen Komplex – und der geht so: Beim Rasenmähen muss ich jedes Mal dieselbe Reihenfolge nehmen, was die 7 Rasenpartien in unserem Garten anbetrifft. Diese Aufteilung existiert allerdings nur in meinem Kopf. Nichtsdestotrotz sind es für mich und meinen Motormäher (ja, es ist einer von denen, die 45x so umweltschädlich sind wie ein Auto) unüberwindbare Grenzen. Der nächste Teil bleibt absolute No-Go-Area bis der vorherige fertiggeschnitten ist. Sonst fällt mir wohl der Himmel auf den Kopf oder Schlimmeres, ein Bundesrat zum Beispiel (man stelle sich dieses Ereignis mit jedem der aktuellen sieben Räte vor und urteile dann, welcher die stärksten Kopfschmerzen verursacht – dieser fällt mir dann auf die Birne). Ähnlich verhielt es sich doch, als man im Kindergartenalter keinesfalls auf eine Ritze zwischen zwei Steinplatten auf einem Gehweg treten durfte - sofern man sich auf dieses Spiel vor Betreten des Weges eingelassen hatte, sonst tat sich der Boden auf und man wurde 1000 Jahre lang von einem unterirdischen Magen verdaut.
Zurück zu meinem Komplex, er ist noch ein bisschen subtiler ausgestaltet: Wo die Reihenfolge der Rasenabschnitte gegeben ist, muss die Schneidroute auf jedem Stück signifikant anders verlaufen als beim letzten und vorletzten Mal, als es befahren wurde. Ich muss mir also meiner Gesundheit willen die Mähspuren des letzten Monats (man mäht ja alle 14 Tage) merken. Bis anhin konnte ich aufs Plänezeichnen verzichten. Es wird also ersichtlich, dass Rasenmähen ungeahnte Schwierigekeiten mit sich bringen kann und den Alltag zur anspruchsvollen Mission macht.
Ich dachte mal, ich könne mich selbst überlisten, indem ich nach Zufallsprinzip wild drauflosfahre, in den Rasen reinspringe mit dem Mäher. So fahre ich sicher nie dieselbe Route. Dieses Problem war also gelöst. Bei näherem Hinschauen (vor allem auf die Uhr) aber lediglich verlagert: Ich mähte vielfach schon geschnittene Flächen und musste zum Schluss überall verteilte, kleine, noch nicht geschnittene Grasinseln abklappern. Fazit: Doppelter Zeitaufwand. Wenigstens das habe ich rausgefunden, die Nachwelt wird es mir danken, davon bin ich überzeugt.
Wenn ich so was dem Experten bei meiner Fahrprüfung erzählt hätte, stünde wohl heute in einem Register im Büro 146 im Hauptgebäudeblock 2 (Zwo) mein Name mit dem Vermerk, mich nie zur erneuten Fahrprüfung zuzulassen, dass ich aber auf Kantonskosten ein Dreirad (pedalbetrieben) fahren dürfe (ausgenommen Autobahn).
Nächstes Mal erzähle ich , wie ich das Haus mit dem Staubsauger und Staubwedel bearbeite, übernächstes Mal, wie ich das Bad putze: der Hase läuft da ganz ähnlich…