Wir begaben uns einigermassen gleichgesinnt unter vielen in den Vergnügunstempel namens Kino Alhambra; erwartungsvoller Hoffnung auf ein unterhaltsames Sequelspektakel mit den Karibik-Piraten. Der Matter und ich, und viele andere JOKs. Waren wir doch ganz giggerig auf die Auflösung aller Rätsel nicht unbedingt dieser Welt, so doch aber des 2. Piratenfilms. Viel wurde offengelassen damals. Nun lechzten wir nach Fortsetzung.

Unterschiedlicher gesinnt hätten wir die Cinématographenanstalt nicht verlassen können, einbetoniert andernfalls hätten wir werden müssen, der Matter und ich.

ER fand den unmittelbar zuvor gesehenen Film magenumstülpend schlecht. Langweilig. Zu abgedreht. Blöd. Kraftlos. Einfallslos.

ICH hatte das unmittelbar zuvor 2einhalb Stunden lang erlebte Gaudi immer noch auf der Visage. I had the hell of a time. Super! Mein Rezept, diesen Film zum Schiessen, zum Möögge zu finden (g’schossn und g’schrien wurd gar viel in dem Streifen):

1. Hirni abschalte mit Eintritt in den Kinosaal – Matter hatte es wohl nicht fertiggebracht, der ewige Grübler.

2. Auf Klamauk einstellen.

3. Bedingungslos alles lustig finden ausser verkrampft-pathetisch-hollywoodamerikanisch-misslungenen Liebesszenen, Partnerschaftskonfliktbewältigunsversuchsszenen und heroischen Kampfreden (exzellent verhauen von Miss Knightley). Den Rest, wie gesagt, als Anlass zum Ablachen nehmen.

4. Abgespacte Todesreichszenen beeindruckt auf sich wirken lassen und sich vorstellen, die hätte jetzt Stanley Kubrick gedreht, dann findet man’s saumässig gut.

5. Fröide haben an der dreiläufigen, rotierbaren Kanone des Flying Dutchman.

Ein kleiner Nachteil, wenn man am Pfingstmontag ins Kino geht: Ausser Kinos halten alle den Laden dicht. Fürs obligate Eisgazieh nach cinéastischem Erlebnis, so zur Verarbeitung der Eindrücke (oder zur Verarbeitung der Absenz von Eindrücken) muss man am Schluss, horribile dictu, ins GUTGELAUNT ausweichen, weils nicht die einzige Alternative ist, sondern die einzige Möglichkeit überhaupt, für viel Geld wenig zu trinken zu erhalten. Wenn, wie Schmidi aufmerksam feststellte, der STEIN in der Christoffelunterführung im Moment in andern Umständen sich befindet und man im Coop kein Helvetiabier mehr bekommt.

E witergfüerte Krimer

26. Mai, 2007

Es geht weiter!

Was bisher geschah: SIE FIEL IHM UM DEN HALS.

„den Rest können Sie sich ja denken“, schloss Rabenaas.

„Kann ich eben nicht“, grunzte Appleby, „habe gerade eine Hirnamputation hinter mir“.

„Na gut, wie Sie wollen. Die Dame ist Wahrsagerin und nennt sich Mme. Clôthlide. So was von mystisch, nicht wahr? Sie parfümierte mir ins Ohr, weshalb Sie mich anfallen musste. Sie hatte gerade in ihrem Kaffeesatz gelesen, dass der Mann ihrer Träume derjenige sei, der ihr viel Geld bringe. Einen lapidareren Kaffeesatz hats ja wohl noch nie gegeben, was? Item, sie hatte eben gesehen, wie ich das Geld zu ihrem Fenster reinwarf und da hats gefunkt. Bei ihr natürlich“. Herbert bebte. Seine Nase auch und so musste er sich schneuzen. Er tat’s distinkt und kariert, das heisst, das Nastuch war kariert. Er fuhr fort: „Ihr weiteres Leben erzählte sie mir zwischen den Leintüchern“. Jetzt musste er kichern wie ein kleiner Bub, der seine ältere Schwester mit ihrem Freund durchs Türschlüsselloch beobachtet, bespannt.

Dem guten Preston Appleby war gerade gar nicht zu lachen zumute. Eine emotionelle Diskrepanz diesen Ausmasses zwischen zwei sich gegenüberstehenden Menschen (lediglich ein Schirmständer dazwischen) hat es wohl noch nie gegeben.

DU HAST MEINE MUTTER…! “ entfuhr es ihm (zu recht, denn so war es, ainsi il était).

„I wo, nicht gerade aus der Haut fahren, mein Freund, Sie dürfen mich weiterhin getrost siezen – Mme. Clôthilde ist etwa halb so alt wie Sie (und etwa halb so versoffen)“. Applebys Mutter trug also lediglich denselben Namen. Uff.

Konnte es sowas geben, die so was von diskrepante emotionelle Lage hatte sich in Sekundenschnelle um 180° gedreht: Rabenaas war konsterniert, Appleby suhlte sich in Genugtuung und war vergnügt. Es geschah nicht alle Tage, dass ihn jemand seiner Trinkfestigkeit (die er gerne mit Charakter und Charisma gleichsetzte) lobte.  Ihm ging bisweilen ein Lichtlein auf, so denn auch jetzt. Er reimte sich laut etwas zusammen:

„Ich glaube, dass ich Ihnen kaum helfen kann, Herr Rabenaas. Ihren wirren Schilderungen zufolge kann ich nur annehmen, dass Sie bei Mme. Clôthilde nicht in einem Wahrsagesalon gelandet sind, sondern in einem andern schummrigen Etablissement. Fürwahr, manchmal sind sie gar schwer zu unterscheiden“. Appleby soff schwer. „Beide haben rotes Licht…“, sinnierte er vor sich hin.

„Sie waren also über die physische Gegenleistung der Mme. Clôthilde für 834 £ Sterling nicht sonderlich zufrieden. Ich gebe zu, für diesen Betrag sollte man schon einiges erwarten können. Sie wollten also das Geld zurück. Geld-zurück-Garantie gibt’s in dieser Branche allerdings nicht, sollten Sie wissen. Deshalb wurde Ihnen auch kein Einlass gewährt. So kann ich nichts konkretes für Sie tun. Ich kann Ihnen jedoch zwei heisse Tipps geben, wie Sie wieder an Ihr Geld kommen könnten: 1. Verkleiden Sie sich als Betreibungsbeamter und gehen Sie hin. Sagen Sie nichts. Die Dame wird Sie anschauen, winseln und mit dem Geld rausrücken. Wenn das nicht haut, hier kommt die ultima ratio: Stellen Sie ein Unterstützungsgesuch bei der Invalidenversicherung. Grund: Seelische Verkrüppelung wegen unbefriedigenden Sexuallebens. Und wenn Sie mich jetzt entschuldigen möchten, ich habe noch zu tun“.

Damit begleitete Preston Appleby, Privatdetektiv für Schnüffeleien aller Art und Gattung,  den sprachlosen Herbert Rabenaas zur Tür hinaus.  Er zog zwei Geldscheine aus dem Bündel, das Rabenaas ihm überreicht hatte.

„Werde mir die Bude dieser edlen Dame wohl doch persönlich ansehen müssen“, dachte er, als er seinen Mantel zuknöpfte.

ENDE

der Geschichte.

E Krimer

25. Mai, 2007

Heute bin ich mal ganz spannend drauf und versuche mich einmal im Genre der Fortstzungsgeschichten (was natürlich bedeutet, dass ich morgen auch spannend drauf sein muss).

 Ich wollte schon lange mal eine dreckige Detektivstory schreiben, wie Philipp Maloney oder Dickie Dick Dickens.

Eine Kriminalgeschichte.

Es war ein mieser Montagnachmittag, es regnete in Strömen, es gab immer noch Leute, welche die Evolutionstheorie ablehnten und sein Büro hatte er schon wieder vollgequalmt – Gauloises. Und soeben war dieser mühsame Klient durch die Tür gestöffelt, Herbert Rabenaas, der jeden Monat mit fast peinlicher Regelmässigkeit Preston Applebys Kanzlei heimsuchte: Blondes, schütteres Haar, Attitüde eines Besenfressers, melancholischer Blick eines verklemmten Musikers, die Art eines selbsternannten Feinschmeckers. Wenn Appleby den Rabenaas lange genug anlüscherte, fragte er sich dann, warum er eigentlich Detektiv geworden war – wahrscheinlich des Whiskeys wegen. Als der Mühsame damit begann, zusammenhangslos naturwissenschaftliche Fremdwörter durch den Zigarrettennebel zu schleudern, hatte Appleby das tiefe Bedürfnis, den phlegmatischen Pfau gleich wieder hinauszukomplimentieren. Doch Rabenaas war zackig. Er baute sich vor dem Schreibtisch auf, griff in die Innentasche seines Kittels und produzierte theatralisch ein Bündel Banknoten.

„Als Anzahlung, Sie verstehen? Die Auflösung des Falles ist von ausserordentlicher Wichtigkeit für mich. Kazam!“  – „Herbert hat ‘nen Sprachtick“, lachte sich Appleby ins Whiskeyglas.

„Ja, Herr Kaz… eh, Katzenfrass (hähä), eeh, Rabenaas, Sie haben mir aber noch gar nicht so eloquent dargelegt, was ich denn auflösen soll. Das Geld nehme ich natürlich dankend als Honorar für unsere erbauliche Sitzung an“. Er musste rülpsen und tat es nach Detektivmanier freundlich, aber mit Nachdruck. Rabenaas floh hinter den Schirmständer. Von dort aus erklärte er:

„Nichts da! Sie nehmen das Geld und gehen schnüffeln! Kazam.  Es geht um eine Frau und deren Zimmer -“,

„Aha, also ein Frauenzimmer?“, Appleby konnte sich nicht zurückhalten.

„Nein, sie sexistischer Affe, es geht um ein Zimmer, in dem ich Geld „deponiert“ habe, und eine Frau, die mich nicht reinlässt. Sie will mich betrügen. Kazam“.

„Mit einem andern Mann?“

„NAAAAHEEINN, Sie Dösköppel, sie will mich mit dem Geld betrügen!“

„Ein Monetophiler“, geht es Appleby durch den Kopf. „Sie haben das Wort „deponieren“ in An- und Abführungszeichen ausgesprochen. Waaas haben Sie genau mit dem Geld gemacht und wieso ist es dort? Warum lässt Sie die Frau nicht mehr in das Zimmer?“

„Weil ich das letzte Mal versucht hatte, mit einer Streitaxt einzudringen. Aber das geht Sie doch gar nichts an. Überdies gibt das diesem Räf noch keinen Grund, immer „HAUSFRIEDENSBRUCH!!!“ in das Treppenhaus zu brüllen“.

Gut, dass Appleby den crazy Herbert noch nie abgewiesen hatte. Der hätte ihm bestimmt gewaltsam mit einer Pinzette die letzte Gauloise zerdrückt. Appleby hätte es nicht verkraftet. „Mögen Sie Brahms?“, lenkte er ab. Der Mann ging ihm auf die Nerven. Der war ein Fall für den FFE.

„Nein, erst ab dem 13. Loch kriege ich Rückenschmerzen, Kazam“, konstatierte Rabenaas. Er war verrückt geworden hinter seinem Schirmständer. „Das Geld habe ich übrigens vor einer Woche von der 69. Strasse durchs offene Fenster ins Zimmer geworfen. Ich trainiere. Ich will weltbester GeldzumFensterhinauswerfer werden“.

„Whiskey?“ Appleby wartete gar nicht erst auf eine Antwort und füllte sein Glas. Er ärgerte sich über seine popelige Höflichkeit. Die Welt ist bös und hart zu einem, also müsste man doch zurückbösen. Er blies als Kompensation dem Rabenaas ein paar Kubikzentimeter Rauch ins Gesicht. „Wieviel war es?“

„Was?“ – „das Geld, das Sie ins Fenster warfen. Übrigens wage ich als blutiger Laie in ihrem Fachgebiet zu behaupten, auf die Gefahr hin, Sie ihres gesamten Lebenssinnes zu berauben, dass man wohl kaum weltbester GeldzumFensterhinauswerfer wird, wenn man Notenbündel von draussen durch ein Fenster in ein Zimmer hinein wirft…“

„Kazam! Das ist ja nicht zu fassen. Ihre Dummheit macht mich zappeln! Wie kann ich Geld zum Fenster hinauswerfen, ohne es zuerst reingeworfen zu haben? Ich sehe, Sie haben wohl nie Physik studiert. Ich zwar auch nicht, aber ich bin ein autodidaktisches Genie. Ich habe die ganze Logik auf der Platte“.

„Und einen Sprung in der Schüssel. Was sind Sie von Beruf?“

„Neurotiker. Es handelt sich um den erklecklichen Betrag von 834 £ Sterling. Da staunen Sie Bauklötze, was? Meine Kategorie ist Schwergewicht. Buy low, throw high. Die renitente Dame kannte ich bis vor kurzem nicht.“

Appleby verschluckte beinahe seine Zigarette. Er hustete gründlich ein wenig grünlichen Schleim. Vielleicht prustete er aber auch grünlich ein wenig gründlichen Schleim.  Und spuckte aus. „Sie wollen also damit sagen, Herr Rabenaas, dass Sie in fremde Wohnungen ihre Knete zu werfen pflegen?“

Herbert hob die Augenbrauen. Er sah drein wie ein Geier mit Hängebacken. „Der Kick, mein Lieber. Adrenalin. Ich vergewissere mich, dass niemand zu Hause ist, werfe das Geld rein, breche anschliessend in die Wohnung ein und nehme den Zaster wieder mit. So war es auch das letzte Mal. Fast. Die Frau musste im Moment, als ich warf, in ihre Wohnung gekommen sein. Ich brach wie gewohnt, mit einem Dietrich die Tür aufschliessend, ein. DA FIEL SIE MIR UM DEN HALS“.

- Fortsetzung folgt.

Morgens um 08 Uhr 11.

23. Mai, 2007

Heute. aaaaaaaaaaaaaaaaargh, heute war so ‘n Tag, so einer von dieser Sorte. Von der Sorte, dass man sich nicht einmal die Sinnfrage stellen mochte. So blöd war das – es war einem zu blöd, ganz wahr. Es war mir zu blöd. Ein ahnungsloser Mitstudent brachte die Skrupellosigkeit auf, mir morgens um 08.11 Uhr die Frage zu stellen, wie’s denn so gehe. Er grinste unentwegt und wusste noch nicht, was ihn von mir oder vom bevorstehenden Vorlesungsmarathon erwarten würde. Er hatte sich auch nicht schon seit Anfang dieser Woche in Hörsälen rumschlagen müssen. Er war frisch und busper zurück aus Schweden. Darum gings ihm auch noch dementsprechend gut. Ich hing so in meinem Stuhl, wie man so zu hängen pflegt, wenn man auf vorher gestellte Frage folgende Antwort gibt:

Ah…,

aaaah…,

ah.

*Phhhhhht*,

Ach, du

(ja, ich werde schon wieder dieses Wort benützen, einmal pro Eintrag muss es mindestens sein)

Scheisse.

So. Damit wusste der andere Bescheid und ich auch.

 Ich war bei weitem nicht der einzige in dieser Verfassung. Um zehn Uhr traf ich einen guten Bekannten an, er hielt sich noch knapp an einer UniS-Mensa-Bank. Jetzt war es an mir, die Frage mit dem Befinden-Wort zu stellen. Ich tat es willentlich und wissentlich, auf einen Erfolg bedacht, und dieser kam: „Eigetlech geits ganz guet, denn es isch ja immer [********!]„(siehe weiter oben). Es waren also schon zwei, die so richtich Bock hatten.

Einigermassen rekonvaleszent wusch ich abends in der Küche ein paar Kellen, ein Messer und ein Backblech ab. Abends ist der Tag noch nicht vorbei, und darum ging es weiter: Das Abwaschmittel droht zur Neige zu gehen. Heute noch nicht, wahrscheinlich hält es auch bis morgen. Aber eines Tages, dieser Tage, einer der nächsten, er ist noch im Tägertschitäli versteckt am dösen, ist die Flasche leer. DANN muss ich in die dunklen Kellergewölbe unseres Hauses hinabsteigen und eine neue holen gehen. Da werde ich mich des heutigen Tages mit schmerzvoller Wehmut erinnern und verklärt gedanklich darin suhlen. Vielleicht wandere ich aber vorher nach Nicaragua aus, ich habe es munkeln gehört, dass es dort Putzmittelflaschen gebe, die nie leer würden.

Über Auffahrt hat es mich nach Venedig verschlagen. Per Eisenbahn (pendelnd) zuckelte ich durch den Simplon durch die PO-Falte der Welt in die Lagunenstadt. Die Ankunft ist einmalig: Wenn man zum eher nüchternen Bahnhofsgebäude heraustritt, befindet man sich sogleich in einer anderen Welt. Irgendwo zwischen Billettschalter und Türangel muss da ein Beam-me-up-Scotty-Maschinchen versteckt sein, anders kann ich mir das plötzliche Vorhandensein des Canale Grande mit Vaporetti und Gondole und einer ganzen Reihe von Ca’s (hier darf ich das Apostroph trotz Bastian Sicks Kreuzzug gegen dasselbe anbringen, weil es ANGEBRACHT ist!) – Palazzi – gar nicht erklären, eine verklärte Sache ist das.

Aber momou, es stimmt, die Dame an der Biglietteria spricht zuerst Englisch und dann erfreut Italienisch (weil man im Gegensatz zum restlichen Touripöbel wohl noch tschinggutanisch kann – hier der obligate Einschub für das Selbstbewusstsein), und das Vaporetto stinkt auch wirklich nach Diesel. Deshalb würde ich es aber nicht vergangenheitssalbaderisch Vaporetto (das chunnt vom Dampf, äuä de scho) nennen, wie man es in Viscontis Tod in Venedig noch sieht, sondern gemäss technischem Stand mit Dieselotto(sic!) bezeichnen. Soviel zur Postkartenankunft in der Serenissima.

Dass die Stadt wunderschön ist, die Gassen verzaubert und die Brücken über den Rii malerisch sind, die Touristen viel, die Einheimischen wenig, die Preise hoch und die Wasserqualität arm (nicht tief, hähä), sei hiermit gesagt. Das haben schon alle gesagt, und es stimmt auch. Geht hin und schauet! Am besten erkundet man die Stadt, indem man sich verirrt. Und das geht auch mit Stadtplan tadellos wies Bisiwätter. Irgendwann landet man auf der einzigen so genannten Piazza der Stadt (die andern Piazze heissen Campo), derjenigen des S. Marco.

Jaaaa, die mit den Tauben, *ekel*. Was man sich nicht antut für ein Ferienföteli. Oder besser gesagt, für ein authentisches BIRDS-Erlebnis, Alfred hätte Freude: Gewisse Venedigreisende legen sich doch wahrhaftig auf den Boden und lassen sich mit Taubenfutter berieseln, auf dass das salmonellenverseuchte Flattervieh auf deren Körper eine Fressorgie abhalte. Insgeheimer Gram packt mich, als ich sehen muss, dass am nächsten Tag nicht die Hälfte aller Touristen von einem Brechdurchfall dahingerafft werden, sondern quietschvergnügt Schlange stehen für eine Besichtigung der Markuskirche. Bevor ich schäume und den Herrn vor mir in die Wade beisse, kehre ich der Pöbelmasse den Rücken und weiss es besser. ICH weiss, wie man eine Stadt erkundet, alle andern sind iNGoranten. Und gehe mich verirren. Am liebsten würde ich Tauben vergiften im Park, aber es hat keinen.

Es hat hingegen jede Menge Kaffees und der Kaffee (also natürlich die klitzkleinen caffé) ist guuuuuut. Ich bin jedenfalls den ganzen Tag voll drauf. Koffeinschock in Reinkultur. Er äussert sich darin, dass ich mit meiner Kamera jeden Mist knipse. Nur gut, dass in Venedig jeder Mist photogen ist und fantastisch aussieht. Wie käme ich da in Zürich Schwamendingen heraus, so etwas von flach, nehme ich an. Ich genehmige mir noch einen letzten Prosecco und sage ciaoarrivedercibuonagiornataegudbai.

So ein Quark

15. Mai, 2007

Heute haben sie mich schauderhaft dranbekommen, die Marketingfritzen. Hochkant mit eineinhalbfacher Schraube bin ich in der verführerischen Glasvitrine gelandet (genauer gesagt, mein Kapital, mein gesamtes liquides Kapital in meinem Portmonee – 1 Stutz in kleinem miesen Münz. Man ehre zwar den Rappen und den Schimmel vor dem Apfel und nehme trotzdem den Franken, Reden ist Schweigen, Silber ist Gold, aber mich nerven die Zwänzgi und Zähni). Angegattigt haben sie es folgendermassen, diese Verkaufshaie: Ich komm’ so des Weges, nichtsahnend und vor lauter Dummheit gut gelaunt, zum coop city (der gute alte Ryfflihof, dr Gödeli hab’ ihn selig *Schnüff*, Bünzlis Einkaufsparadies) raus, was erheischt mein Blick: Quarktasche, 1.- statt 1.60, Schwarz auf Gelb, es uschuldigs Täfeli, so nebenbei am Eingang. Boah ey, denk’ ich ma’ ,den musste haben, ich werd’ meschugge, hätte ja mächtig eins an der Murmel, wennde da nich’ zugreifst! Sind die gross!  Mit Quark gefüllt! Ich kratze vergnügt meine Zwänzgi und Zähni zusammen und tausche sie alsbald gegen eines dieser zimtzuckerberieselten Gebäcke ein. GRAD zum ässe, habe keine Zeit, der Dame hinterm Glas beim Einpacken zuzuschauen, ich will’s mir doch gleich ins Goscherl stopfen.

Oh weh! Oh Frust oh Ärger oh Krampf: Ich bin gelinkt worden. Ich habe einen harten Schweizer Franken für Luft bezahlt. Richtig, die “Quark“tasche war mit Luft gefüllt. Mein herzhafter Biss ging ins Leere, die stolz geblähte Teigfassade knickte in sich zsammen. Was ich mit viel gutem Restwillen als Quark identifizieren konnte, äusserte sich optisch als im hintersten Eck der Teigtasche verschämt klebendes Stück Masse, das im 2. Weltkrieg wohl knapp als Ersatzbirchermüesli durchgekommen wäre.

Der Weisheit letzter Schluss, den konnte ich allerdings noch nicht ziehen. Schliesslich will ich zuerst noch auf Coops Erdbeerkuchenaktion reinfallen.

Vergangenes Wochenende habe ich mir doch einige Male die notorische Sinnfrage stellen müssen, mein lieber Dürrenmatt hat sie auch schon gestellt: „Was ist der Mensch?“ Eine ausgereifte Antwort zu geben bin ich Lichtjahre davon entfernt, im Stande zu sein, einige lebensnahe Beispiele aus dem Alltag zu geben, die diese Frage in meiner Gürbse haben hochkommen lassen, hingegen sollte noch in meinem Machtbereich liegen.

Also, es war so: Ich kam dazu, mit einem krassem Orcheschterem VARIATON (siehe Link im Sidebar) einem HammerSchou abzulassen. Jaja, Herr Tschäppu, da haben Sie etwas verpässlet, würde ich sagen. Jemand eng mit mir verwandtes hat noch eine sehr böse Begründung parat gehabt, warum er sichs wohl anders überlegt hatte und entegegen buschtelefonischem Gerücht sich doch nicht an der My_Age_Night blicken liess.

Eben, das hat ja schon gefläscht, muss ich sagen. Herausdestilliert aus FreitagSamstagAbendNachtMorgenGrauzone_love_to_shake haben sich eben drei Bemerkenswertheiten (Neologismus???):

-Was ist der Mensch, dass er in Form des Konzertpublikums an frenetischsten applaudiert, wenn der Obershaker nach dem Konzert auf die Bar steigt und ein gefülltes Schampusglas in die Höhe stemmt, wie ein Taurenhäuptling den Kopf eines geschlagenen Ritters (oder so ähnlich)? Die verrückte Chose daran war: Mich hats auch gepackt und ich habe mir die Fingerchen wundgetäschtelt ob der Siegerpose!

-Was ist der Mensch, dass er seine hässliche Seite morgens um halb drei im Hauptbahnhof in Form von Dreck und Abfall und nichts besserem in der Zivilisationsgeschichte eingraviert? Man kann mir jetzt vorhalten, dass ich doch in meinem Bonker bleiben solle, wenn ich Mühe mit den Errungenschaften unserer modernen Gesellschaft hätte. Ja, man tue es doch!

- Was ist der Mensch, dass er zuerst Unmengen gebrannten und gebrauten Wassers in sich reinlassen muss, um zu nachtschlafener Zeit in der Buslinie M1 dem versammelten (mehrheitlich apathischen) Publikum darzutun, dass er in drei Stunden schon wieder auf der Baustelle sein müsse?

- Nebenbei: Wenn so einer den Bahnhofplatz umbaut, trau ich mich nicht mehr auf die Strasse! Stell Dir vor, der fährt ne Planierwalze!

Ach, was hätte das für ein Abend werden können… wenn ich ans Konzert des Schweizer Jugendsinfonieorchesters gehe, freue ich mich wie ein kleines Kind auf ein sackstarkes Orchester mit einem Hammerprogramm. So auch an diesem 6. Mai. Es stand eine Uraufführung eines Schweizer Komponisten namens Läubli auf dem Programm, dann das für mich persönliche Kernstück des Abends, das Konzertstück für 4 Hörner und Orchester von Schumann. LECHZ! Mit einer exquisiten Auswahl der besten Hornisten, die da so rumtröten, habe ich mir verlauten lassen. Im zweiten Teil noch Bruckners 9. Sinfonie. Bruckner habe ich noch nie gehört, mein Vorurteil zählte ihn aber zu den österreichischen (und auch deutschen) Schwerenötern, die ich nicht besonders schätze, weil zu schwer für mich. Aber bitte, das SJSO wird mich sicher eines Besseren belehren. DACHTEN ICH und andere auch. Nach dem obligaten Nervgetöte des Fördervereinpresis zu des Anfangs Beginn ertönte diese Hyrophanie von Herrn Läubli, was nach einem vielverheissenden kurzen Anfang in moderne Wind- und Kratzbelanglosigkeiten abglitt, e fertige Seich, um mal schön pauschal auf die Pauke zu hauen.

Dann der Schumann, es kribbelt in meinem Bauch. Schön sieht das aus, vier güldene Hörner auf der Bühne. Mit versiertesten Blasern hintendran am Mundstück. Ich spule zum Ende des Stücks. Züri und ich sind uns konkludent einig (später der Schmidi auch, nur der Bührer hat nichts begriffen): Die Hörner waren TOPP, das SJSO FFFFLLLOOOOPPPPPP!!!! Die Solisten und wir mussten im falschen Konzert gewesen sein, das falsche Orchester erwischt haben. Flach, unpräzis, langweilig, die MusikerInnen pennten fast ein hinter ihren Celli, eine Zumutung an die prominenten Hornisten und uns. Wir waren enttäuscht. Es fällt mir schwer, die Entschuldigung, das Stück sei gegen das Orchester geschrieben (das stimmt ja schon) und man habe nur wenig geprobt, für das SJSO gelten zu lassen. Ich wandle mich zum Optimisten, und freue mich auf den Bruckner, denn was bei Schumann nicht geübt wurde, musste ja woanders investiert worden sein. Fazit nach Antons Letzter: Was zum Himmel haben die denn geprobt??? Gottseidank kann ich raus, das passiert mir selten. Applaus spendeten wir
für das tiefe D des Fagotts im ersten Satz und die 9 Hörner. Mehr darf ich gar nicht sagen, sonst wirds persönlichkeitsverletzend. So.

Ein bisschen objektiver ausgedrückt: Die technische Leistung, den Bruckner zu spielen, war beachtlich, aber das alleine kann nicht genügen. Ich bin halt der Meinung, dass man nicht junge Leute ein Spätwerk des österriechischen Schwerenöters (ich wiederhole mich) spielen lassen soll. Vielleicht mal als Übung, aber nicht für ein Publikum. Es bleibt also der zweifelhafte Achtungserfolg, Wow, das SJSO hat Bruckners 9. geschafft! Aber das war auch alles.

Ich habe einen Komplex – und der geht so: Beim Rasenmähen muss ich jedes Mal dieselbe Reihenfolge nehmen, was die 7 Rasenpartien in unserem Garten anbetrifft. Diese Aufteilung existiert allerdings nur in meinem Kopf. Nichtsdestotrotz sind es für mich und meinen Motormäher (ja, es ist einer von denen, die 45x so umweltschädlich sind wie ein Auto) unüberwindbare Grenzen. Der nächste Teil bleibt absolute No-Go-Area bis der vorherige fertiggeschnitten ist. Sonst fällt mir wohl der Himmel auf den Kopf oder Schlimmeres,  ein Bundesrat zum Beispiel (man stelle sich dieses Ereignis mit jedem der aktuellen sieben Räte vor und urteile dann, welcher die stärksten Kopfschmerzen verursacht – dieser fällt mir dann auf die Birne). Ähnlich verhielt es sich doch, als man im Kindergartenalter keinesfalls auf eine Ritze zwischen zwei Steinplatten auf einem Gehweg treten durfte - sofern man sich auf dieses Spiel vor Betreten des Weges eingelassen hatte, sonst tat sich der Boden auf und man wurde 1000 Jahre lang von einem unterirdischen Magen verdaut.

Zurück zu meinem Komplex, er ist noch ein bisschen subtiler ausgestaltet: Wo die Reihenfolge der Rasenabschnitte gegeben ist, muss die Schneidroute auf jedem Stück signifikant anders verlaufen als beim letzten und vorletzten Mal, als es befahren wurde. Ich muss mir also meiner Gesundheit willen die Mähspuren des letzten Monats (man mäht ja alle 14 Tage) merken. Bis anhin konnte ich aufs Plänezeichnen verzichten. Es wird also ersichtlich, dass Rasenmähen ungeahnte Schwierigekeiten mit sich bringen kann und den Alltag zur anspruchsvollen Mission macht.

Ich dachte mal, ich könne mich selbst überlisten, indem ich nach Zufallsprinzip wild drauflosfahre, in den Rasen reinspringe mit dem Mäher. So fahre ich sicher nie dieselbe Route. Dieses Problem war also gelöst. Bei näherem Hinschauen (vor allem auf die Uhr) aber lediglich verlagert: Ich mähte vielfach schon geschnittene Flächen und musste zum Schluss überall verteilte, kleine, noch nicht geschnittene Grasinseln abklappern. Fazit: Doppelter Zeitaufwand. Wenigstens das habe ich rausgefunden, die Nachwelt wird es mir danken, davon bin ich überzeugt.

Wenn ich so was dem Experten bei meiner Fahrprüfung erzählt hätte, stünde wohl heute in einem Register im Büro 146 im Hauptgebäudeblock 2 (Zwo) mein Name mit dem Vermerk, mich nie zur erneuten Fahrprüfung zuzulassen, dass ich aber auf Kantonskosten ein Dreirad (pedalbetrieben) fahren dürfe (ausgenommen Autobahn).

Nächstes Mal erzähle ich , wie ich das Haus mit dem Staubsauger und Staubwedel bearbeite, übernächstes Mal, wie ich das Bad putze: der Hase läuft da ganz ähnlich…

Gestern habe ich den Züri angetroffen. Nicht jedoch, wie der geneigte Leser jetzt denkt, auf dem Trottoir, unter den Lauben, im Pissoir. Auf einem Parkplatz. Er fuhr in seinem Auto zum Parkplatz hin, ich in meinem davon weg. Wir hielten auf Seitenspiegelhöhe: „Hey Fey, hesch scho mau di Dritti Schumann ghört?“, mmm, nein, habe ich wohl noch nie, oder nur einen Satz davon. „Muesch mau lose, isch huere geeeil!“ Eine akustische Grenzerfahrung widerfuhr mir auf diesem profanen Parkplatz. Schumanns 3. Symphonie bei laufenden Motoren aus dem Radio eines andern Autos volle Pulle. Es war klar, warum es huere geeeil war für den Züri, ich musste einfach warten, bis ich die Hörner im Tutti schmettern hörte, dass die Mauerreste von Jericho wackelten. Fette Sache, und Hornisten fahren darauf ab. Ich beschloss dann, dieser Dekadenz ein Ende zu setzen, kurbelte meinen Konzertsaal zu und machte anderen parkierwilligen Automobilisten Platz. Züri hätte die ganze Symphonie so durchhören können, habe ich das Gefühl. Ich kann mir folgende Situation mit ihm vorstellen: Mister French Horn fährt auf der Autobahn, sieht vor sich auf dem Pannenstreifen einen Wagen en panne, hält ebenfalls auf dem Streifen an und fragt den auf den Abschleppdienst wartenden Fahrer: „Kennet dr di 9. Bruckner? Isch huere zviiiiiiu!“ Und dreht die Anlage auf. Ich freue mich auf meine nächste Pladi.