So etwas von einem Gegenblog und Nussgipfel
1. April, 2007
Wer beim ersten Teil dieses Eintrags verstehen will, muss zuerst ein wenig Insiderwissen akkumulieren. Erhellend dazu Mänu Friedli auf seinem Blog www.fritteli.ch, genauer der Eintrag zu Separatismus. Im dortigen literarischen Erguss hat sich der liebe Friedli (ich nenne ihn mit Namen, er hat mich auch mit Namen genannt) den Mund ziemlich volle genommen. Auf die Äste rausgelassen, metaphorisch gesprochen. Und gestern hat er einen dieser Äste, er sass darauf, eigenhändig abgesägt, noch metaphorischer geht es nimmer: Nach erfolgreicher Concertdarbietung in der Elfenau begab man sich ins Restaurant Kirchenfeld zu Bier und Alumettes (Neufranz für anorektische Pommes Frittes). Kaum hatte man seinen Hintern platziert, steht der Friedli vom Nachbartisch auf. Er hatte, bevor wir überhaupt bestellen konnten, seine Stange schon intus. Dies lässt sich dahingehend erklären, als Friedli mit dem Veloziped unverhältnismässig schneller vom Konzertort in der Beiz war als wir mit Bernmobil. Wie gesagt, steht der auf und erklärt grinsend, wir ergingen uns wieder mal im Separatismus, wir sässen nicht am selben Tisch wie er. Erstens: Ironie der Geschichte, dass Friedlis Tisch schon voll besetzt war. Zweitens: WEEEER begeht da diese eben jene unaussprechliche Sünde, indem er zur Unzeit das Wirtshaus verlässt und UNS zurücklässt???? Herr Richter, Euer Ehren, jetzt hat’s geschlagen. Wir sind QUITT!
Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sobald:
Kaffeetrinken in einer Beiz im Spiegel zwischen zwei Variaton-Orchesterproben. Man tischt Nussgipfel auf. Sie sind in Plastik verpackt, ich werde argwöhnisch: das riecht nach Industrie. Doch sie kommen nicht aus Lillehammer oder Tokio, sondern aus Frauenkappelen. Ich werde zusätzlich neugierig. Das riecht nämlich nach solidem Schweizer Bäckertum. Also, randegustiert!
Optisch: Vermag in seiner Plastikverpackung nicht zu überzeugen, vermittelt Fabrikwarengroove und mehr schale Abgestandenheit denn knusprige Frische. Zuckerglasur blättert schon wieder ab. Unregelmässige Dicke derselben könnte Handarbeit bedeuten, aber auch nur heucheln.
Olfaktorisch: Nur süss, aber immerhin. Eindeutiges Manko, was Teig/Backgeruch anbelangt.
Gustatorisch (Merci Moser für die Begriffsbildung): Der Teig hält, was ein Nussgipfel verspricht, nicht zu feucht, nicht zu trocken, nicht zu krümelig. Geschmack fehlt weitgehend, wird im wesentlichen auf seine Funktion als Füllungsträger reduziert. Die Füllung selbst ist teilweise schon ein wenig angetrocknet, der Amandine Aspekt (Copyright by Lefey 2007), d.h. Marzipangoût eindeutig zu dominant.
Synthese: Ein durchschnittlich attraktiver Nussgipfel, doch einen Trumpf hat er noch im Ärmel: sein Preis beträgt für eine Beiz läppische 3 Franken. Was will man mehr, insbesondere wenn der Kaffe 3.50 kostet und mehrheitlich Richtung Seifenwasser ging?