…donc, je parle français.
30. April, 2007
Im Berner Jura, da geht der Röstigraben durch, dass es nur so tätscht. Zäggpumm, eine andere Welt, man staunt. Das Ganze beginnt schon ein wenig früher, wo alles noch germanisiert ist, bei der Autobahnausfahrt Lyss-Nord Richtung Biel/Bienne. Weil das Richtung Romandie führt, hat man sich die Autobahn gespart und der Automobilist muss den letzten Katzensprung auf einer Autostrasse zurücklegen, bis er in Rolextown einfährt. Ein Erlebnis sondergleichen, diese Autostrasse, trifft man diesen Zwitter (100 Km/h, einspurig mit Mittelleitplanke) zwischen Autobahn (120 Km/h, mit Mittelleitplanke) und Überlandstrasse (60-80 Km/h, ohne Mittelleitplanke) nur noch selten an in der Schweiz. Findig wird man an vergessenen Orten, so zum Beispiel eben im Niemandsland zwischen Lyss und Biel. Und Biel ist ja auch nicht viel mehr, auf eine Umfahrung wird verzichtet, die Stadt muss als Durchfahrt herhalten. Leicht kommt gewissen Hornisten der Gedanke auf: „Biel sött me eifach planiere“. JA, es war geng Rot und es hatte schampaar viele Ampeln in diesem Biel. Hat man den Moloch hinter sich, cruist man auf der Seepromenade dem Lac entlang, es begegnen einem pittoreske Dörfchen mit ulkigen Namen, wie sie sie in bilinguen Regionen so zu haben pflegen (siehe auch Elsass).
Bei Twann geht es Kräsch nach Lamboing herauf, „minnndeschtens 100% Stigig“, hat der Moser gesagt. In einem röhrenden Golf auf mehr als 4′000 Touren kommt einem das wahrscheinlich so vor. Ich musste mich auf jeden Fall concentrer sur la route. Mich beschlich allerdings ein Dürrenmatt’sches Gefühl. Schliesslich ist auf genau dieser Strasse am Morgen des 3. November 1948 der gute Ulrich Tschanz vom Dorfpolizisten Alphons Clenin gefunden worden. Erschossen in seinem Mercedes. Ich hab’s nachgeschaut. Weiterlesen im Richter und sein Henker.
Von Lamboing kommt man nach Prêles, also eigentlich nirgendwohin. Dieses Kaff ist tote Hose. Nur ein gewisses Variaton Projektorchester hatte sich dorthin verirrt und heizte mal tüchtig ein. Die Prêler Jugend wusste in ihrem nächtlichen Bierrausch nicht, wie ihr geschah, und übernachtete stockbesoffen auf dem Bänkli vor dem Bieler Ferienheim und temporären Domizil des Orchesters. Denn so etwas geschieht hier nicht alle Tage. Was allerdings alle Tage geschieht, sind rasende Jugendliche (nein, sie haben keinen Anfall von Wahnsinn). Sie blochen mit ihren gepimpten VW Corrados und Sciroccos auf dem Tessenberg rum. Die Strassen sind schmal, die Bullen rar und das Leben beschissen.
Für die ganz Beschissenen hats hinter Prêles eine herrschaftliche Anlage, idyllisch gelegen, was sich auf Deutsch ganz harmlos „Jugendheim“ nennt. Sucht man, schlecht ortskundig, nach dem Lagerhaus fürs Variaton, fährt man doch mal hin. Die Bewohner sehen aber alles andere als variatönend aus, sondern nach viel Erziehungsbedarf. Deshalb heisst das Zeug auf Franz „Foyer d’éducation“, da wird’s plötzlich klar und man verduftet lieber, froh, ein Auto unterm Fudi zu haben, wenns auch nur ein Golf ist. Das war nämlich ein Erziehungsheim. Und wer dort drin ist, hat wahrscheinlich andere Sorgen als Intonationsprobleme bei Ravels „Ma Mère l’Oye“.
Auch das gehört zum Kanton Bern, vergessen wir das nicht.
Ich gehe wieder mal nach Prêles. Schon nur wegen der Aussicht auf den Bielersee von der Bergastation des ViniFuni Ligerz (Gléresse)-Prêles.
Krawumm?
27. April, 2007
Als ich unschuldig von der Heiliggeistkirche her dem Bahnhof zu schlendere, fällt mir doch auf, dass sich ungewöhnlich viele Leute auf dem Bahnhofplatz tummeln. Na gut, es war eben Abendverkauf, aber es sind nnoch viel mehr. Was isch loooos? Ich muss was verpasst haben, einen Mega-Event, eine protzige Party, ein fettes Fest, ein krasses Konzert, einen Promiauftritt. Ich kam mir klein, hässlich und von der HKB her kommend, hinter dem Mond vor. Ich schmollte und wartete vor dem tibits auf meinen Bus. Aber all diese Leute, gopfertami. Eine Minute bevor der Bus kommt, hechelt und ächzt ein Bekannter von mir auf den Busperron, ausser sich vor Atem. Total ausgekotzt. Der ist mindestens von Dakar hierher gerannt, denke ich bei seinem Anblick. Nur um den Bus zu erwischen? „Die hei dr Bahnhof gsperrt!“ kotzt er raus. Isch nid wahr! Er ist mit dem Zug nach Bern gekommen. Wenn der Bahnhof gesperrt ist, gibt es ordentlich was zu joggen: Rauf auf die Welle, Bubenbergplatz hintenrum, den Tramperrons entlang über den Bahnhofplatz. Vor allem, wenn man 2 gemütliche Minuten durch die Unterführung eingerechnet hat und einem ein rotweisses Band einen fetten Strich durch diese Rechnung macht. Das heisst Gring abe u seckle. Erst jetzt sehe ich diese Bänder auch bei den Treppen, die zum Treffpunkt runterführen. Ein SBB-Funktionär kämpft mit den Tücken eines orangen Overalls, er zieht es an und aus und an, es will einfach nicht passen. Wahrscheinlich hat er dasjenige von seinem 1m20 grossen Liliputanerkollegen erwischt… Bombendrohung, klärt mich eine junge Dame auf. So. Endlich geschieht auch in Bern mal was! Jetzt sind wir in der Welt angekommen. London, Madrid, wir sind da! Als ich im Bus wegfahre, steht der Bahnhof noch. Gemäss 20 Minuten steht er auch heute noch. Die verdächtige Tasche wurde gesprengt, der Inhalt war aber keine Bombe, sondern unbekannt. Gummibärli füre Tschäppät oder so.
Aus dem Alltag (fast) nichts Neues
24. April, 2007
Der abendliche Spaziergang mit meinem Hund hat den Tag gerettet. Da lebe, besser lauere ich durch den Tag hindurch und NICHTS passiert, schlicht nichts, über was man auch nur ein Wort verlieren möchte.
Ich bemerkte das mit aller Drastizität, als meine Schwester mich am späteren Nachmittag fragte, wie denn Uni und so heute gewesen seien. Ich konnte nur grunzen, mehr lag nicht drin, nicht mal ein syntaktisch vollständiger Satz, so mit Subjekt und Prädikat, wie es Bastian Sick letzten Donnerstag im National paukte. Nicht mal des Dativs bedienen konnte ich mich. Dem Fey sein Tag muss schon beschissen gewesen sein, denkt jetzt der geneigte Leser. Aber da kam mir des Köters gastrokolischer Reflex zu Hülf (Madame musste kacken, ergo Gassi gehen). Ich komm’ so des Weges, ganz ahnungslos, und höre beim nächsten Haus eine leicht ordinäre Frauenstimme: „I ha gmeint, du wöuisch no d Outo umparkiere?“ Die Verursacherin dieser akustischen Emission erkenne ich auf dem Sitzplatz vor dem Haus, Zigarette und Zeitung. Es antwortet ein Mann “mues das itz si?“ Woher? er sitzt nicht bei ihr. Dieses Haus hat einen ersten Stock mit Balkon. Dort sitzt der Herr mit bluttem Ranzen, Zigarette und Zeitung. „De wärs ömu gmacht“, heeppet die von unten. „Mhm“. Während ich noch über den Sinn des Autoumparkierens und der vertikal getrennten Sitzordnung dieses Ehepaars nachsinniere, freesen die beiden ein wenig mit ihren Blechbüchsen rum, bis die Reihenfolge derselben im Einfahrtsweg gewechselt ist.
Aus dem Alltag (fast) nichts Neues
24. April, 2007
Der abendliche Spaziergang mit meinem Hund hat den Tag gerettet. Da lebe, besser lauere ich durch den Tag hindurch und NICHTS passiert, schlicht nichts, über was man auch nur ein Wort verlieren möchte.
Ich bemerkte das mit aller Drastizität, als meine Schwester mich am späteren Nachmittag fragte, wie denn Uni und so heute gewesen seien. Ich konnte nur grunzen, mehr lag nicht drin, nicht mal ein syntaktisch vollständiger Satz, so mit Subjekt und Prädikat, wie es Bastian Sick letzten Donnerstag im National paukte. Nicht mal des Dativs bedienen konnte ich mich. Dem Fey sein Tag muss schon beschissen gewesen sein, denkt jetzt der geneigte Leser. Aber da kam mir des Köters gastrokolischer Reflex zu Hülf (Madame musste kacken, ergo Gassi gehen). Ich komm’ so des Weges, ganz ahnungslos, und höre beim nächsten Haus eine leicht ordinäre Frauenstimme: „I ha gmeint, du wöuisch no d Outo umparkiere?“ Die Verursacherin dieser akustischen Emission erkenne ich auf dem Sitzplatz vor dem Haus, Zigarette und Zeitung. Es antwortet ein Mann “mues das itz si?“ Woher? er sitzt nicht bei ihr. Dieses Haus hat einen ersten Stock mit Balkon. Dort sitzt der Herr mit bluttem Ranzen, Zigarette und Zeitung. „De wärs ömu gmacht“, heeppet die von unten. „Mhm“. Während ich noch über den Sinn des Autoumparkierens und der vertikal getrennten Sitzordnung dieses Ehepaars nachsinniere, freesen die beiden ein wenig mit ihren Blechbüchsen rum, bis die Reihenfolge derselben im Einfahrtsweg gewechselt ist.
Jean Nouvel und die Damen
21. April, 2007
Design und Funktionalität, die beiden mögen sich wie Leuenberger und Blocher. Dies hat sich wieder einmal allegorisch in den Personen des Jean Nouvel und der anonymen Hausfrau manifestiert. Es ging ums KKL am Vierwaldstättersee. Ich hatte die Gelegenheit, einmal statt eines anlässlich Konzerts dieses wunderschöne Gebäude in einer geführten Gruppe zu betreten. Als wir die seit einer Woche frisch eröffnete Lounge im 2. Stock bestaunen durften, pries die Führerin die wunderbare Aussicht auf den See und die Uferpromenade mit den klassischen Hotelkästen.
Einigen Besucherinnen fiel sofort auf, dass die belle vue durch ein ausserhalb der Fenster angebrachten Gitterfront getrübt werde. Ob dieses „Gerüst“ doch hoffentlich noch entfernt werde, erkundigte man sich. Die Wissbegierigen waren Damen anfangs Pensionsalter, und sie zeigten sich in Genugtuung, eine offensichtliche Unzulänglichkeit im berühmten Designkomplex entlarvt und ans Tageslicht gezerrt zu haben. Sie gaben sich maliziös-naiv und bemerkten rhetorisch, dass dies sicher nicht die Absicht des Architekten sein könne, dieses Gitter bewusst installiert zu haben, man käme sich ja vor und übehaupt. Die Guide versicherte mit einem überlegenen, belächelnden Lächeln, einem Lächeln, das die ganze Welt in die zwei Kategorien Mensch Kenner und Ignorant brutal eintzwei teilte, dass dies sehr wohl zum architektonischen Konzept des französischen Meisters gehöre, diese Gitter seien im Gegenteil ganz deliberat angebracht worden. Sie dozierte über die Dreiklangphilosophie des Baus mit seinen drei Gebäudeteilen, jeder mit seinem eigenen Merkmal (hier das Gitter) und dem alles unter sich vereinenden, den Bogen spannenden Reflexionsdach.
Mich vermochte sie mit ihren Ausführungen sofort einzuseifen, ich werde mich nächsten Montag unverzüglich mit meinem Architekten in Verbindung setzen und veranlassen, dass unser gesamtes Haus eingegittert werde. Die kritischen Damen allerdings wurden kampfeslustig und blieben bockig uneinischtig: Ja wie in Gottes Namen allerhand anderem soll man denn die Fenster VON AUSSEN putzen können? Das sind ja tonnenschwere Gitter, so nah an den Fenstern, und ja, schau, die kann man nicht mal alle öffnen, wie geht denn das, das geht doch nicht. So hühnerten die putzversierten Mammis einander im Fugato den Sieg zu. Kein künstlerischer Wert kann der putztechnischen Funktionalität standhalten. Kein künstlerisches Konzept hat seine Rechtfertigung, wenn es sich nicht reinigen lässt. Aber die Führerin liess das kalt und Herr Nouvel war auch nicht da. Ich dachte, mich kickt ein Pferd und beschloss, Meister Proper zu boykottieren. Ich hatte nämlich vollständig vergessen, mir damals am 31. Januar 2006 gute Vorsätze fürs ’07 zu fassen. Jetzt habe ich noch einen gefunden, den ich für den Rest des Jahres mit aller Gründlichkeit einzuhalten gedenke.
New York, New York! Part III
16. April, 2007
Ich liebe etwas ganz besonders in den USA. Das Chlorwasser, mit dem man den Mund nach dem Zähneputzen spült, unter dem man sich duscht, das man in Form von Eiswürfeln in seinem Coci antrifft. Erliegt man dem urschweizerischen Reflex, sich bei Durst schnell an den Wasserhahn zu hängen, wird man so heftig daran erinnert, dass man sich im Ausland befindet, dass man gleich noch einen Schluck nehmen muss. Allerdings gibt es überall diese Dinger, die auf Knopfdruck Wasser spucken, in mundgerechtem Strahl. Ironie der Fremde, dass genau derselbe Chlorcocktail aus der Leitung spritzt.
Ich liebe noch ein weiter Ding, die Toiletten. Deren Schüsseln sind so tief, dass man sich bequem bis in die Untiefen der Kanalisation setzen möchte. Doch man merkt es frühzeitig, denn die Schüssel ist fast randvoll mit Wasser gefüllt. Immer und ausnahmslos. Da verschmutzt man also bei jedem Müssiggang ein ganzes Aquarium. Ein Grund für den hohen Wasserpegel könnte sein, dass beim grossen Geschäft kein peinliches Plumpsgeräusch aus grosser Höhe entsteht, sondern nur ein diskreter Gluntsch. Dafür plätschert es umso vorlauter beim Brünzlen. Vielleicht brünzlen Amerikaner nicht, sondern machen Politik mit ihrem Urin. Nach getaner Arbeit kommt der Akt des Spülens, er soll hier nicht unerwähnt bleiben. Man betätigt den Spülhebel und nichts passiert. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche (ich bin zwar häufiger auf dem Klo anzutreffen als in der Kirche, auch wenn da kein engerer Zusammenhang besteht). Erst allmählich ertönt ein Rauschen, guttural, aus vollem Rohr. Skylla und Charybdis. Es kreiselt, immer stärker und andersrum als in Australien wegen dem Mond, bis ganze Zivilisationen in den Hades gespült werden. Bevor ich selber nachspringe, knalle ich entgeistert den Deckel auf die Brille und hoffe auf Verstopfung bis ich wieder im gelobten Heimatland mit den DIN-genormten Scheisskontraptionen weile.
New York, New York! Part II
16. April, 2007
Ein amerikanisches Zmorge ist nichts für Weicheier. Jeden Morgen wird man flächendeckend mit Cholesterin bombardiert. Es gehört einfach dazu. Bacon&Eggs, Pancakes&Maple Syrup, Härdöpfel und ein Reservoirtank Kaffee. Bestellt man wohlweislich die kleinste Grösse (Grande genannt(!)), erhält immer noch soviel, dass die Dosis für einen Rehpinscher tödlich wäre. Die grösste Version (Superduperbambacinomegacup) ist für MICH tödlich. Angenehm vollgefressen macht man sich auf Erlebnisjagd in der Stadt. Im fortschrittlichen Amerika fährt man mit der wohl schrottigsten U-Bahn der Welt. Weil ja alle Amis zu fett sind, um durch die Drehkreuze zu kommen, deshalb den Pontiac nehmen und kein Schwein ins öV-Netz investiert. Wenn es regnet, regnets durch die Strasse direkt auf den Perron oder die Schienen. Man behalte also den Schirm im Zweifelsfalle auch in der Bahn selber geöffnet. Die Stahlträger der Tunnels sehen so aus, als seien sie das letzte Mal vor hundert Jahren bei der Einweihung der Metro frisch gestrichen worden. Das einzige, was an den U-Bahn-Zügen noch nicht abzufallen droht, ist die USA-Flagge auf jedem Wagen. Weil sie aufgemalt ist.
Zu Lunch führe ich mir eine halbletale Portion Strawberry-Cheesecake zu Gemüte, wie ein gestopfter Wonneproppen schleppe ich mich aus dem Lokal, in Afrika beste Beute für vife Leoparden. So träge bin ich. Zur Verdauung wird die 5th Avenue abgeklappert. Der Gipfel unserer Konsumgesellschaft: Ein 3-stöckiger M&M’s-komplett-sinnlose-Fan-Artikel-Megastore. Der Laden ist mit Schrott gefüllt, der einzige Unterschied zu richtigem Müll ist das daran angehängte Preisschildchen. Man soll also harte Dollars hinblättern für M&M’s-Plastikmugs, M&M’s-Badtücher (rund geschnitten), M&M’s-T-Shirts, M&M’s-Plastikspielzeug ohne jeglichen Gebrauchswert (nicht spielen kann man damit also, nur verbrennen), man vervollständige die Liste nach Belieben. Mit jeder Rolltreppe, die einen nach oben führt, fragt man sich mehr und mehr, ob das Land der begrenzten Unmöglichkeiten eine einzige Irrenanstalt ist. Ich bin froh, ohne M&M’s-Artikel in der Hand den Ausgang gefunden zu haben. Doch die Gefahr dazu war gering für mich. Ich war dermassen gschöcklet, dass ich mit irrem Grinsen durch die konsumlustige Menge schritt, am liebsten alle angeschrien hätte und die verwöhnten Goofen mit M&M’s abgefüllt, bis sie ihnen das Hirn zum bluten gebracht hätten. Doch ich stelle mir vor, dass ich den persönlichen Kontakt mit New Yorker Police Officers noch weniger schätze als heranwachsende Konsummonsterchen, daher liess ich’s bei meinen kranken Gedanken bewenden. Für böses Denken wird man auch in den USA noch nicht bestraft.
New York, New York! Part I
16. April, 2007
Man kommt im Flughafen John F. Kennedy an, steigt in einen Shuttle-Van Richtung City und schon groovt ein Autoradio mit Jazzmusik. Die Drivers sind schwarz, total unorganisiert und voll gut drauf. Uns verschlägt es direkt in den Feierabendstau. Die Distanz vom Flughafen in die Stadt ist gewaltig, die Highwaywindungen unendlich und ein New Yorker Traffic Jam ein Verkehrschaos erster Güte. Noch nie habe ich es so genossen, in einem Stau zu stecken! Neue Autos, neuer Abfall auf dem Pannenstreifen (vor allem VIEL MEHR, bis zu ganzen Ledersofas), neue Architektur: zuerst die typischen Holzhäuser amerikanischer Soaps, dann Industrie mit miesen Backsteinwohnblöcken, dann crazy Downtown N.Y. Die Strassenschluchten. Schon x-Mal im Film gesehen und trotzdem haut es dich fast durchs Autodach hindurch. Das Gefühl, unter dem Autobahnschild mit der Aufschrift „Brooklyn“ oder „Manhattan“ durchzufahren, hat etwas für sich. Es kribbelt so wohlig, wird unterstützt von der Vibration des gurgelnden V8-Motors, der mich durch den Grossstadtdschungel zieht.
Ich sitze neben einem jungen Latino, aber keinem illegalen, sondern rechtmässigem Amibürger. Er amerikanert unablässig in sein Cellphone (und nicht Natel, obwohl er dasselbe Motorolateil hat wie dr Dävu). Zuerst muss er seinen Frust ablassen über die Gepäckabfertigung seines Herkunftflughafens. I’ve lost my bags. Die scheinen sein Check-In-Gepäck verschlampt zu haben. Irgendwo auf dieser Welt. Na das is man Scheisse. Was folgt, ist eine 20-minütige, zuerst verhaltene, dann immer wörtlicher werdende Liebeserklärung bzw. –bestätigung. er endet mit „I love you very much“, filmreifer geht das gar nicht mehr. Einmal gesteht er seiner geliebten Gegenüber, dass er froh sei, wieder zu Hause zu sein. „Travelling is exhausting. Especially with the language barrier. I’m glad to be back in the States where I can speak English and Spanish“. Hö? Wo auf der Welt versteht man weder Englisch noch Spanisch? Ich finde es bald heraus. Etwas später telefoniert der Gute mit einem Freund. Er erzählt ihm von einem Vodka-Saufgelage, und alle hätten Russisch gesprochen. Touché! In Russland kommt man tatsächlich nur schwer durch mit Englisch und Spanisch. Also hat er seine Freundin in Russland und er wohnt in New York. Wie international! Ich hätte auch gerne eine Überseebeziehung. Die beste Garantie, dass man einander nie auf den Keks geht und wenn man sich endlich einmal im Jahr sieht, kracht es nur noch und man trampelt sich auf den Füssen rum.
Später beim Aussteigen vor dem Hotel, unmittelbar am Times Square, füllt der bekannte Grossstadtmief meine Nasengänge und kitzelt die Geruchsnerven. Dieses urbane Parfum ist wie eine Droge. Man wird süchtig danach. Man will es immer wieder riechen. Meine Grenouillsche Geruchsanalyse ergibt eine Zusammensetzung aus Autoabgasen, Subwaylüftungsschachtluft, Frittiertem und Süssem, Urin am Strassenrand. Doch das genügt nicht, denn sie andern Sinne machen auch mit: Akustisch das Hupen, Motorengedröhne, „Taxi!“-Rufe, Regenrauschen, Sturmböen,die um die Ecken der Wolkenkratzer schleifen, Polizeisirenen in allen Tonlagen, der kalte Klang des Kapitalismus. Optisch die übertriebenen Lichtreklamen, die sich ins Unendliche türmenden Hochhäuser, es dampft aus den Senklöchern, die vielen Leute und Autos, die sich hektisch durch die Strassen drängen. An jedem Fussgängerstreifen toben Machtkämpfe zwischen Mensch und Maschine. Man geht einfach unter, hoffnungslos. Das ist aber genau das, was die Stadt zur Droge macht.
Latrinenphilosophie
10. April, 2007
Nun habe auch ich DAS Kuriosum der Stadt Bern erleben dürfen: Das DEFFECKTe Pissoir im Chez Edy. Ich verweise gerne wieder einmal auf mein grosses Vorbild in allen Lebenslagen, den Fritteli und dessen deffeckten Blogeintrag. Aber da war noch etwas ganz anderes deffeckt: Einzigartig ist bekannterweise das Ampelsystem beim Zugang zu den Kacklokalitäten im Edys, das knallhart zwischen konsumierenden Gästen und Urinierprofiteuren unterscheidet bzw. Letztere diskriminiert, dass der Menschenwürde die Ohren wackeln. Aber an diesem Abend war alles ganz anders: Demokratie, niemand ist gleicher als der andere, freie Liebe und freies Scheissen, die Ampel war tot! Man konnte einfach mir nichts dir nichts reinspazieren. Ich fühlte mich als zahlender Gast sofort schlechter behandelt, nämlich gleich wie ein dahergelaufener Vagant. Da kann ja jeder kommen! Doch ein bisschen ausgleichende Gerechtigkeit scheint es doch noch zu geben: Am Ende unserer Zecherei vergass der Kellner doch glatt, des Romans Grosses einzukassieren. So ist das Leben. Das Leben will es übrigens auch, dass es mich bis am Sonntag nach New York verschlägt. Vielleicht bringe ich das Akrobatikkunststück zustande, über den grossen Teich zu bloggen, live quasi. Und sonst gibts fleissige Berichterstattung im Nachhinein. Jetlag, here I come!
TIMBERRR!
9. April, 2007
Wenn man unverrichteter Dinge auf die Idee kommt, einen Baum zu fällen, ganz spontan, kommt es erstens meistens anders, und zweitens als man denkt. So einen spontanen Biberanfall hatten wir Lustigen, der Yves, der Mänu, der Elmar, der Schlitz. Und ich. Doch wie gattigt man das an, wenn man beschlossen hat, dieses abgestorbene Gewächs zu entstammen? Man nehme eine Axt und brätsche mau VOU CHRÜÜSCH auf den Stamm ein. Völlig sinnlos, aber es tuet eifach guet! Mit der Zeit entsteht tatsächlich so etwas wie eine Kerbe, mittels welcher sich der Baum dann in eine kontrollierte Richtung zu fallen begeben möchte. Dazu säge man auf der andern Seite des Stammes in den Arbor ein, bis in die Mitte. Ein paar Stossversuche klären uns darüber auf, dass noch nicht genug gesägt wurde. Und Scheidweggen (Keile) müssen ran&rein. In den gesägten Stamm. Yves prügelt diese mit einem Mordshammer rein, doch nichts geht mehr. Auch die Keile versagen. Mänus Bilanz: „Minus zwöi Scheidwegge.“ Der Grund für den Verlust: der Baum hat sich beim Fallen in einen andern verheddert. Man erwägt, den Stamm nun ganz durchzusägen und vom Strunk zu stossen. Gesagt, getan. Plus 2 Scheidweggen! Doch der cheibe Baum steht geng no. Wieder durchsägen, mit Hammer wegschlagen. Der Stamm, um ein kleines Stück kürzer, rammt sich ins feuchte Erdreich. Der Baum lehnt sich nur noch am andern an. Jetzt kann man ihn umstossen. Nach den Regeln der Vektorgeometrie stossen zwei wackere Baumfäller in 90° Verschiebung zueinander. Es resultiert daraus die gewollte Fallrichtung des Baumes zwischen den beiden durch. Oder ähnlich. Da hiess es: „TIMBERRRR!“(Baum fällt) Und wie der fiel! Wie ds Bisiwätter dr Stotzgrotzen ab. Natüterli ohne Bewilligung irgendeines Säuliamtes, das wäre ja noch. Darum sage ich auch nicht, was man mit einem grossen Feuer und einem Sack voll leerer Spraydosen alles Lustige anstellen kann.