Instant Drama

22. März, 2007

Ich hatte heute einen Geistesblitz, ich habe etwas erfunden. Ich bin überzeugt, dass es das noch nicht gibt in dieser Art (ich trage dick auf, ich weiss). Laissez-moi expliquer. Ein Blog ist an und für sich etwas schnelllebiges. Jeder neue Eintrag verdrängt den letzten sofort vom Blickfeld des durchschnittlich trägen Internetbenutzers. Folglich wird häufig auch nur gerade der aktuelle Beitrag gelesen, denn die älteren muss man zuerst mühsam aus dem Archiv klauben. Aller Vergänglichkeit zum Trotz kann ein solcher Eintrag auch eine literarische Form annehmen, Kunst werden. Es gibt einen Unterschied zwischen Geschreibsel und Literatur. Die Germanisten kennen den, ich nicht. Eine Form der Literatur ist die dramatische. Theater. Kombiniert man das kurzlebige Element des Blog mit dieser Form, gibt es Soforttheater, zu Neudeutsch INSTANT DRAMA. Wie die Suppe. Es muss sofort erfunden, niedergeschrieben und im Idealfall von den verschiedenen Lesern während oder unmittelbar nach der Lektüre ausgeführt werden.

Soweit die Theorie, eigentlich recht einfach. Nun sollte ich also, um meine Ehre zu behalten, auch gleich ein solches Theaterstück liefern.

 Los geht’s, es muss!

 INSTANT DRAMA #1

Besetzung: Kellner, Neville, Susie

Szenerie: Restaurant, mit Blick auf die Strasse einer anonymen Grossstadt, z.B. Langnau. Sülzige Streichermusik läuft im Hintergrund, die Beleuchtung ist düster, die Einrichtung im Stile eines amerikanischen Steak-House. Ein Pärchen sitzt tête-à-tête an einem Tisch, romantisch und so. Der Kellner tritt ein, pflanzt sich vor dem Tisch mit dem Pärchen auf.

Kellner: He, Sie da, wird’s bald mit ausessen? Ich habe zu Hause Frau und Hamster, die wären entzückt über ein paar abgekaute T-Boneknochen. Zudem zeratmen Sie noch die ganze Atmosphäre im Lokal, 4 Stunden Seufzen und Schmachten, wissen Sie, wer hier die Oxygensteuern bezahlt? Wahrscheinlich nicht das Sozialamt und auch nicht die Heilsarmee! Der Betrieb muss bluten, alles wird dem Personal vom Salär weggestrichen, ich und meine Frau hätten so gerne Kinder, aber reichen tut es knapp für einen Hamster!

Neville: Aber ich bitte Sie, Sir, -

Kellner: NEIN, hier bittet mich niemand! Ich bitte auch niemanden, ich schnauze an, ich -

Susie: Neville, schmier ihm eine. Ich geh unterdessen auf die Toilette.

Neville: Aber Susie, Liebes, Schnecke, als ich das letzte Mal jemanden geschmiert habe, das war vor elf Jahren, 200 Kröten hat mir dieser korrupte Polackenbulle abgeknöpft! Nur weil ich -

Kellner: Ich bin ein Schwan! Dideldum!

Susie: Neville, er überschnappt, der Kellner. Geschwind, wir wollen ihn in die Pfanne hauen.

Neville: Ich dachte, du wolltest aufs Klo?

Susie: Scheiss drauf, ich stopf mich schnell mit Bananen voll und lasse mir morgen einen Termin geben beim Darmspezialisten, der räumt mich dann -

Kellner (beiseit): Schon wieder ein Exemplar einer Fäkaltouristin. Ich will rasch die Klobürste holen. (er schwebt auf seinem Serviertablett Richtung WC-Tür)

Susie: Zeit für einen Monolog. Neville, hör gut zu, sonst verblödest du: Ah, krumme Rübe, wenn Du erscheinst am Firmament neben dem grossen Generator, so zwischen Tür und Angel, entfernt sich mein Sinn für Sachbearbeitungen. Derart entrückte Ekstase umschliesst mich -

Neville: Schlampe! (er macht das Licht aus)

Kellner:  Meine Güte, die Milch kocht über! (man hört Pfannen scheppern)

männliche Stimme: Mordlust! (man hört, wie jemand eine Klobürste herumschwingt)

Susie: KREISCH!

Neville: SPOTZ!

Pfanne: KLONK!

Kellner: Scheisse!

Das Licht geht wieder an. Neville und Susie liegen tot am Boden, je mit einer Klobürste im Brustkorb stecken. Der Kellner tanzt alleine Discofox in der Küche mit der leeren Milchpfanne auf dem Kopf.

Für die Auflösung des Mordfalles reicht der Rahmen eines INSTANT DRAMA nicht. Die Situation sei daher bei ihrem vorläufigen

ENDE

 

belassen. Vorhang.

4 Antworten zu “Instant Drama”

  1. Michu Sagt:

    Guter Stoff! Salvia officinalis?

  2. nd Sagt:

    tönt eher nach salvia divinorum :p

  3. matter Sagt:

    oder einfach ein bisschen zuviel beckett und pinter gelesen… :-)

  4. lefey Sagt:

    und wenn ich jetzt sage: nichts von alledem? Stocknüchtern und höchstens ein wenig zuviel Eward Albee gelesen… :-)


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