der Professer hats gesagt.
21. März, 2007
Hauptgeschichte, erläuternde Vorgeschichte dazu, vorangestellt – darauf hat man sich in diesem Eintrag einzustellen. Kurzer Vorexkurs dazu, aus aktuellem Anlass: Ich musste aufs Klo. Big Job, not only Weewee. Ich finde Big Job einen Klasse Ausdruck für die Tätigkeit des hehren Kackens, die Amis verwenden den tatsächlich, allerdings nur für Kinder und Kindsköpfe. Wie gesagt, ich musste. Dilemma! Schreibfluss versus Darmdruck. Hätte ich doch nur auf meinem Notebook (geschrieben natürlich, Deppen!), dann könnte ich auf der Schüssel weiterbloggen. Aber heute soll es der Desktop sein. Nun, nach einer kurzen Interessenabwägung entschied ich mich dafür, dass ich lieber mal für kleine Juristen und den PC kurz verlassen. So devot (bis zur Selbstbeschmutzung devot, um das „So“ zu konkretisieren) schreibe ich nun doch nicht. Aber diese doch eher substantielle Angelegenheit musste gründlich durchgedacht werden. Damit es mal einer getan hat.
Nun zur die Hauptgeschichte erläuternde Vorgeschichte: Unser indispensabler Wirtschaftsrechtprofesser (ich finde Professer kuhler als Professor, ein wenig respektloser, rebellischer, ungezähmter), so ein kleiner wohlgenährter, der das „R“ hinten im Hals ausspricht, hält jeweils recht unterhaltsame Vorlesungen. Häufig witzig, weil er sich in der Dummheit unserer höchsten Gerichtsbarkeit, des heiligen Bundesgerichts und des edlen Gesetzgebers dem Parlament Unser, ergeht. Kürzlich musste die auch noch die Bundeskanzlei herhalten, sie wurde von ihm mit Laudationes bedacht, um nicht zu sagen abgekanzelt. Die bringt es drum seit 2005 nicht fertig, das revidierte OR zu drucken. Weshalb für die Bachelorprüfungen an der Uni die Gesetzessammlung der Rechtsabteilung eines Privatunternehmens verwendet werden musste. Der Profax regt sich noch heute mit uns im Kollektiv (eher für uns als Kollektiv) darüber auf. Aber die Bundeskanzlei ist störrisch und darum hat er auch uns an dieses Unternehmen verwiesen. Uns den Link auf deren Website angegeben, wo man das olle Buch gratis bestellen kann. Am besten telephonisch, er gab uns gleich noch die Nummer der zuständigen Frau S. an. Wir sollen alle anrufen und bestellen. Heute noch. Vorzugsweise auf Züritüütsch. Und doch, wenns beliebt, ein wenig in den Abend ausdehnen, die Anrufe. Ich glaube, ich habe bis dahin noch nie einen Menschen bis zu den Ohren grinsen sehen. Herr Professer tat es mit Begabung, als er uns die Telephonnummer auf den Proki schrieb. Grrrosses Gaudi.
Hauptgeschichte: Heute habe ich den Beschluss gefasst, dass ich eine solche Gesetzessammlung dieser Firma benötige. Man muss früh anfangen, wenn man in die Privatwirtschaft einsteigen will, habe ich mir gesagt, und jetzt, Chrigeli, habe ich mir dann gesagt, ist der Zeitpunkt gekommen. Beherzt griff ich zum Telephonhörer. Ich hatte ernsthaft vor, S. anzurufen. Auf Züritüütsch. Das kann ich nämlich, zu Hause bin ich bekanntlich eine Zürischnure, mutterhalber. Doch zuerst tat ich, was man in solchen Situationen immer tut: Sich vorstellen, wie die noch unbekannte Stimme der anzurufenden Person wohl tönen wird. Ich stellte mir vor: Ein nettes, melodiöses, aber von einer gewissen dezidierten Effizienz und Geschäftigkeit geprägtes Züritüütsch. Es gibt nettes Züritüütsch, das glaubt aber in Bern und dem Rest der Schweiz kein Schwein. Eine mittelhohe bis hohe, um die 30 Jahre alte Frauenstimme. So mein Kopf. In dieser Erwartungshaltung tippte ich die Nummer ins Telephon ein. Einmal klingeln lassen, da nimmt schon jemand den Hörer ab bei dieser Bude. Was mich an der Ohrmuschel erreichte, war jenseits von Gut und Böse, d.h. meiner wildesten Vorstellungen. Cette voix! Elle m’a rapétapé! Tief wie ein Bariton, 20 Zigis pro Tag. Züritüütsch, nota bene, immerhin. Aber langsam. Verrucht. Etablissement. Aber charaktervoll. Und nicht mehr ganz 40. addiere 20, aber man kann sich täuschen. Ich vergass darob, Züritüütsch Grüezi zu sagen. Ich stammelte Grüessech. Und ich konnte nicht normal „ich bin Jusstudent“ sagen, sondern „i bi Studänt bi de, aso, vo de Rächtswüsseschafte“. Zum Kotzen. Frau S. schien das nicht sonderlich zu beeindrucken, mit dieser Stimme hat man wohl auch schon einiges erlebt und gesehen und gehört im Leben. Wahrscheinlich hat sie auch schon einige Male häufiger gekotzt als ich. So wollte sie nur meine Adresse, das wars.
Epilog: 5 Minuten, nicht verplant? Ein kleiner Schwatz mit Frau S.’s Bariton über das neue Revisionsrecht macht den Alltag zum Ereignis.