Die Moral vom Unibeginn
19. März, 2007
Der Unialltag hat mich wieder: Massenvorlesung, Kaffee und Bücher kaufen. Ich habe mir fürs 4. Semester einen guten Vorsatz genommen: FDH, Friss die Hälfte… NEIN! Abnehmen muss ich nicht, ZDH, Zahl die Hälfte, oder GDHA, Gib die Hälfte aus. Und zwar fürs Zmittag. 10.- pro Tag, nicht mehr! Selbstversuch ist angesagt, wir werden ja sehen. Eh dr Gödeli, nach der ersten Stunde scho nes Ggaffee (ich weiss das gutturale Berner Ggaffee-Gee nicht anders darzustellen mit unseren primitiven lateinischen Buchstaben), macht 1.80, auf das Schoggigipfeli gerade mal noch verzichtet, wohl eher aus juveniler Senilität als aus Vernunft. Macht noch 8.20 fürs Zmittag, es wird eng. Mittag: dunkel wars, der Mond schien helle, kein Wetter, draussen auf einer Parkbank Sonnenkranz mit Crem Fresch ( meine Gymerdiät, o Nostalgie, o tempora o mores!) zu schnabulieren. Des weiteren hätte mich der verächtliche Blick meines Kommilitonen, mit dem ich das Mittagsmahl einzunehmen pflege und es in der Lerngruppe sauglatt habe, es also nicht mit ihm vergeigen will, getroffen, Juristen essen gefälligst besser, man gönnt sich ja sonst nichts. Ab zum Inder, maha maya, tolle Küche, I simply love it! Alle nehmen das teuerste Menu, Fischcurry, 12 Schdutz, SCHEISSE! Aber die Budget-Sünde schmeckt teuflisch gut, gerade die richtige Schärfe. Und weil man 2 Stunden Mittag hat und gerade gemüthlich am schwatzen ist, kommt nones Espresso dazu, 3.60, ABRISS! Bilanz: -7.40, das lässt mir die horrende Summe von sage&schreibe&andiewandtafelkratz 2.60 für morgen Dienstag! Ich könnte ja den Mittwoch anbrauchen… Man erahnt den Teufelskreis, die drohende Verschuldung. Ich werde Kredite aufnehmen müssen bei Kredithaien, Anschaffen gehen bei Café Sprüngli am Paradeplatz, alte Damen befriedigen gehen (das kommt echt vor, sowas, das machen nicht nur Studentinnen!), am Schluss wohl nachdem uralte Gsetz oder zumindest nach dem StGB alte Damen ausrauben gehen, um mir meinen Schuss Curry zu Mittag finanzieren zu können. Moral von der Geschicht’: Der Fey kann nicht mit Geld umgehen. Ich lande noch in der Gosse und auf der Gasse in vollem Schusse, wenn das so weitergeht. Dann muss ich Fagott spielen für Almosen und werde sie erhalten, dass ich aufhöre damit. Solch schwarze Gedanken geben sich die Klinke in die Hand in meinem Kopf, zu Unibeginn. Dabei hatte er doch nie Probleme in der Schule, wird man dann sagen. Ich sehe schon, ich bin der Anfang vom Ende der Gesellschaft. Das war jetzt ein klitzekleines bisschen pathetisch. Aber es tut einfach gut.