Vor auf den Tag genau 5 Jahren hat die Sonntagsausgabe der NZZ den siebten Tag der Woche von mehr als 450′000 Leserinnen und Lesern nachhaltig verändert. Dazu gehöre auch ich. Und nachhaltig wars allerdings: Fühlte man 5 Jahre v. NZZ am Sonntag nicht jeweils eine gewisse Leere im Bauch, wenn am Morgen mal keine Zeitung im Briefkasten lag? Es ist eben nicht dasselbe, wenn man die fette NZZ-Samstag/Sonntagsausgabe hervorkramt und die Artikel sucht, die man gestern noch nicht gelesen hat. Es sind nämlich diejenigen, die man sich lieber am Nachmittag oder am Abend zu Gemüte führt, weil sie als Beilage zu Züpfe und Schwarztee doch ein wenig währschaft sind. die Zeitfragen zum Beispiel. Brillanter Journalismus, aber anstrengend. Was für eine Wohltat nun, am Sonntagmorgen in eine farbig und grosszügig bebilderte Zeitung blicken zu können! Man muss gar nichts lesen, nur Bildli luege, so wie ich es jeden Morgen unter der Woche mit dem „Bund“ mache. Die NZZ lese ich am Abend, denn die ist wirklich zum Lesen da, der Bund fürs Pittoreske. So auch die NZZ am Sonntag. Eher ein Käsblatt unter den Intelligenzblättern der Schweiz. Mein ehemaliger Deutschlehrer meinte dazu mal verächtlich, wenn die NZZ am Sonntag die neue Intellektuellenzeitung der Schweiz sei, dann guet Nacht am Sächsi, wobei er guet Nacht am Sächsi sicher nicht gesagt hat, denn er ist ein Deutscher und die Mundart ist ihm auch nach Jahrzehnten seiner Sesshaftigkeit in der Schweiz immer noch suspekt. Doch das ist eine andere Geschichte. Zurück zur NZZ. Ich habe das Gefühl, dass sich alle mediokren bis mittelmässigen (denn diese Zeitung ist einfach nur mittelmässig, nichts anderes) Journalisten der „richtigen“ NZZ, bei der sie nie zur Geltung kommen konnten, zusammengetan haben, sich konspiriert haben, richtiggehend verschwört, um den Schweizer Individualisten, oberen Mittelstandslifestyler, nouveau Bünzli mit einem zeitgemässen Bünzliblatt zu bedienen. Schon nur die“STIL“-Beilage provoziert ein gastroenterisches Rumpeln in meinem Bauch (ich muss gleich kotzen), so peinlich ist das. Der einzig witzige und lesenswerte Teil ist „Gesellschaft“, eine schriftliche glanz&gloria-Ausgabe. Die Verfasser versuchen den Eindruck zu vermitteln, sie stünden über dem ganzen Promisumpf und könnten demnach mit distanzierter Überlegenheit dem Leser die Unzulänglichkeiten dieser Gesellschaftsschicht (dabei gehören Promis meiner Meinung nach gar nicht mehr zur Gesellschaft, doch dazu schreibe ich mehr, wenn ich Baudrillard gelesen habe) vorführen. Die lieben Journalisten dieser Beiträge merken leider nicht, dass sie aber dadurch schon Opfer des Promiwahns geworden sind. Amüsiert ist man am Schluss nicht über VIPs, sondern über den armen Schreibtischtäter. Aber heute war ein guter Artikel drin: Eine deutsche Schriftstellerin, Ariadne von Schirach, 28-jährig, hat ein Buch (der Tanz um die Lust) geschrieben, in dem sie sich mit der heutigen Porno-Gesellschaft beschäftigt. Sie führt einem das Beziehungsleben junger, urbaner Menschen vor. Sie ist einer davon und ich auch. Das finde ich spannend, am Schluss wohl über sie und mich selbst gleichzeitig zu lesen. Erzählt wird von „jungen aufgestylten Narzisstinnen, die ungefickt nach Hause gehen“, oder von jungen, klugen Männern, die „einsam vor dem Computer masturbieren“. Über die Kluft zwischen Pose und Realität, perverse Hip-Hop-Lieder, junge Mädchen, die sich zum Sexobjekt machen und Buben, die als Zuhälter auftreten. Von metrosexuellen Narzissten, die wie die Frauen unnahbar an Bars herumstehen und gut aussehen, und sich damit an den Frauen rächen. Und am Ende liegt jeder alleine im Bett. Ich werde mir dieses Buch kaufen und lesen und dann meinen Senf dazugeben. Grund genug, eine neue Blog-Kategorie einzuführen: Buchbesprechung oder so. Richtig intellektuell eben.

Bang!

18. März, 2007

Der Titel sagt alles. Wer dieses Kartenspiel nicht kennt, war mindestens heute Abend nicht im Goldenen Schlüssel (dieser Eintrag gilt für den 17. März, aber es reichte nicht mehr am besagten Datum, den Eintrag selbst vorzunehmen). Denn dort wurde ausgiebig geBang!t. Hat aber nichts mit Gangbang zu tun, obwohl gewissen bierseligen, postpubertierenden Gehirnen diese Wortverwandschaft mehr oder weniger sofort in den Sinn kam. Das Interessante an dieser Spielrunde war: es gab zwei EBENEN (rückwärts NENEBE, ein westafrikanisches Fischerdorf, wer kennt es nicht) im selben Spiel! Einerseits mussten Die Sheriffs die Outlaws aus dem Wege räumen (und vice versa), andererseits musste ich den Schmidi eliminieren. Aus Prinzip. Auch wenn ich Sheriff und er Hilfssheriff war (gut, da wurde ich wieder pragmatisch und heizte im nur anfangs so richtig ein, bis er durchgebraten war wie ein Kentucky Fried Chicken, dann liess ich ihn den Bürokram erledigen und mit einer Zahnbürste die Zellengitter vom Sheriff’s Office polieren). Die Gesamtatmosphäre im Lokal wurde mitbestimmt von einem beeindruckend eloquenten Servicepersonal, treffender beschrieben mit ich sag jetzt mal nicht Aff. Bärner Bäremani wäre noch besser. Naja, ich weiss wenigstens, wo er seinen Ruhestand verbringt, wenn Frau Hayoz die Knete für seine Seniorenresidenz zusammenkriegt. Dann gibts nur noch Rüebli. Das wichtigste, die Stangen, kamen wenigstens mehr oder weniger präzis nach Bestellung, selber wenn Matter diese hinter der Theke vornahm und damit gegen sämtliche Gastronomiereglemente des Berner Mittellandes, Gault-Millau-Vorschriften des Okzidents und Aszendets und das Börsen- und Effektenhandelsgesetz verstiess und nicht mal wusste, warum. Der BäreAff wusste auch nicht warum, deshalb konnte er es dem bedauernswert zur Wäsche rausschauenden Matter auch nicht in hiesig verständlichen Worten ausdrücken. Wahrscheinlich war es Mattenenglisch oder so. Möglicherweise noch mit einem Mund voll Überschwemmungswasser. Daher sein prominenter Schnauz. Basta!