Mein liebes Tagebuch
15. März, 2007
Mein erster Eintrag in meinem EIGENEN BLOG! Wie aufregend! Wie modern! Wie trendy! Wie zeitgeisty! Wie intellektuell! Wieder einer mehr, der die Welt versteht und den andern erklärt. Ich bin ganz aus dem Häuschen, wenn ich mir überlege, dass rein theoretisch, also nur in meiner Vorstellung, ausschliessliche Hypothese, dass jetzt ein paar Millionen Menschen auf dieser Erde meinen Stuss lesen können. Goosepimples! Aber in der Realität sieht das ja anders aus. Egal, es geht um mich, jetzt bin ich da, für mich da. Ich könnte ja alles auf Papier aufschreiben, in der Schublade altern lassen und so mit gesunden 40 Jahren publizieren. Aber nein, ich pflastere es ins Internet. Warum? Weils kuhler ist. Aber halt! Mit ner alten Schreibmaschine, einer Hermes Baby oder so, das hätte ja Style, nicht zu überbieten. Vielleicht, vielleicht. Ist aber schon ein bisschen abgedroschen. Habe ich schon in der Sek gemacht. Ja, da hatte ich noch Stil. Und jetzt mottet das Zeug in einem Schrank. Aber im Blog, da sieht alles immer sauber und designt aus. Tolle Sache! Bis zum nächsten allgemeinen Internetcrash (AIC), der steht uns ja noch bevor. Doch bis dann werde ich bloggen, dass sich die Balken biegen und der Salat aus beiden Ohren fliegen tat (frei nach Wilhelm Busch).
15. März, 2007 um 5:32
Natürlich gebührt mir die Ehre, mir selber als erster einen Kommentar in meinen eigenen Blog zu schreiben. Am liebsten streite ich doch mit mir selber: Der mit Wilhelm Busch war aber ganz billig!
23. März, 2007 um 6:39
Lieber Christian,
nach anfänglichen techno-problemen im Umgang mit dem bloggigen Medium (altershalber, altershalber ..!) habe ich mir als Dein DAD einen Zutritt zu Deinem internen mentalen Leben verschafft, der mir bisher in dieser Form trotz 20j. Ko-Habitation unter demselben Dach versagt geblieben ist. Ich lese wortreiche Produkte aus Deiner elektronischen Feder, die reichen beeindruckenden Einblick (neudeutsch insights) in Dein Innenleben vermitteln, wie sie beispielsweise morgens bei Kaffee (falls wir uns zu der Zeit, wo ICH aufstehe, überhaupt je antreffen) in dieser exuberanten Form fast nie aus Dir herauszuholen wären.
Anstelle eines brummerten gebrummten und brummigen morgendlichen „n-challo“ erlebe ich nun ein instant drama, dessen dramaturgischer Reichtum unmittelbar packt – er könnte direkt aus der Klinik stammen. Ionesco hätte es nicht besser machen können; immerhin hättest Du einem kahlen Pianisten eine Nebenrolle erteilen können oder einem roten Herring !
wie wär’s denn mit einem 2. Akt mit etwas Kolorit aus dem Konsiliardienst Burgdorf ?
Ein Arzt, ein Patient, seine Frau, eine Pflegeexpertin, der Kellner.
Der Arzt: „wiä geits ?“ der Patient (ein Nachkomme von Strubuussi-Seppeler ab em Gächeriloch): „jäääääääööööööäääh …“ ds Müeti: „är isst mer z’Suppe nümme !!“ …der Kellner aus Akt 1 serviert eine Probesuppe, die der Patient tatsächlich nicht isst. der Patient (aus seiner scheinbaren Passivität erwacht): „u d’Färlimoore ma-n-i o nümme hinger dr Hoschtet füre fergge !!“ der Arzt: erkennt aus lokaler klinischer Erfahrung den Ernst der Lage und verlegt den Patienten auf die IPS; denn wenn ein Nachfahre von Strubuussi-Seppeler ab em Gächeriloch d’Färlimoore nümme hinger dr Hoschtet ma füre fergge, ist im Emmental Akutmedizin angesagt. „Schwöschter, löht jitze öii Bundesordner und Qualitätsicherigsmassnahme laa fahre u steckid än Infusion.“ Der Kellner aus dem 1. Akt bringt eine Flasche appellation 0.9% NaCl contrôlée, die Pflegeexpertin sagt: „Nachbarin, euer Fläschchen“ und schon sind wir bei Goethe’s Faust. Der Kellner schlägt mit der Faust zu, der Arzt kriegt ein blaues Auge ab, und der Vorgang fällt.
In der Hofffnung, ich habe trotz vorgerückten Alters das Wesen eines blogs erfasst, verbleibe ich mit bloggigen Grüssen
Dein DAD
als PS (jeder anständige blog Eintrag hat ein PS!) darf ich einen Limerick anhängen, den auch Dein Gran DAD goutieren würde:
„Da war ein Iurist namens Chrigu
Der sagte sich bald: we de Ig u
Mis Hirni wei jogge,
De göö mir ga blogge !
Der Chrigu war wirklich kein Gigu!“