Übung zur juristischen Tüchtigkeit
30. März, 2007
Der allseits gut bekannte Prof. v. Büren hat wieder mal Tipps fürs Überleben im juristischen Alltag gegeben in der letzten Vorlesung. Er legte uns nahe, versuchsweise Statuten für eine Gesellschaft – z.B. die AG – aufzustellen, damit wir das mal gemacht hätten. Nichts einfacher als das, ich stürze mich sogleich darauf (ich nehme wörtlich, was er gesagt hat – neben dem gesetzlich vorgeschriebenen Inhalt (Art. 626 OR) darf man in die Statuten schreiben WAS MAN WILL).
STATUTEN DER BLÄHDARM-AKTIENGESELLSCHAFT
Art. 1
1. Die Firma soll den Namen „Blähdarm-Aktiengesellschaft“ tragen.
2. Ihr Sitz befindet sich im Bauch eines Elefanten.
Art. 2
Zweck: Karotten raffeln ohne Zuckerzusatz, nach System Thyssen-Krupp-Stahl-Joghurt.
Art. 3
1. Höhe des Aktienkapitals: 100 Mil, Man!
2. Die darauf geleisteten Einlagen müssen von Always sein und mindestens 7.4
Art. 4
Es gibt eine einzige Aktie, ihr Nennwert ist neun Kröten, die Art bien cuit oder segnant.
Art. 5
Generalversammlung wird nur bei Krieg einberufen, mittels Kanonenschuss. Unsere AG ist eine Diktatur, lefey herrscht uneingeschränkt.
Art. 6
Für die Organe der Verwaltung und Revision frage man beim nächsten Transplantationszentrum nach.
Art. 7
Die von der Gesellschaft ausgehenden Bekanntmachungen werden in Form eines warmen Windes publik gemacht.
Jetzt kommt der freiwillige Teil; Juhuiiii!
Art. 8
Alle Weicheier werden gedisst.
Art. 9
Zu den Weicheiern zählen namentlich:
Automat-Fahrer, Bei-der-Entbindung-dabei-sein-Woller, Bus-Vornesitzer, Disco-zu-laut-Finder, Foto-vom-Freund-Dabeihaberinnen, Handbremse-Anzieher, Stadion-Sitzkissen-Mitbringer, Verfallsdatum-Leser.
Art. 10
Man achte sich vor ihnen auf der Strasse. Und vor Ihnen auch.
Art. 11
Werden bei der Gründung zuungunsten der Berechtigten Inhaberaktienhalter oder anderer Personen gewerbsmässige Vorteile ausbedungen, so sind die begünstigten Personen als nicht qualifiziert übertragbar im Handelsregister aufzuführen, und es ist der genaue quotale Anteil an Sachübernahmen in den dafür zuständigen Organen zu bestellen.
Art. 12
Art. 11 macht keinen Sinn.
Art. 13
Leopold liebt Lena.
Art. 14
Anna auch.
Art. 15
Gestern grüne Gurken gegessen. Genau gedacht, gänzlich gelungen! Gespräch geführt, gegebenermassen gesprochen. Gesäss getroffen, grässlich – Gage gestrichen! Gewalt gegen Geld, glorreich gezündet. Gockels gängige Gambe gefunden, ganz gut gebrannt.
Art. 16
Das war alles mit G. Allerbeste Aliteration!
Snow&Games
26. März, 2007
Snow
Samstags ein Pülverchen, das nur darauf wartete, von scharfen Kanten durchschnitten zu werden, Sonntags blauer Himmel mit griffigem Frühlingsschnee. Beste Voraussetzungen für zwei Tage im Schnee und wir haben sie auch ausgenützt, wir JOKs.
Da war der Züri, der im grossen Stil Maulaffen feilhielt und dann doch auf den Salto in den Schnee verzichtete. Memme.
Roman verdient einen Orden fürs Einschneien. Franca liegt aus unerklärlichen Gründen am Boden, Roman möchte sie aufmuntern und entlädt eine Tonne Schnee in ihr Gesicht mittels scharfen Bremsmanövers. Bravo Roman, der Applaus vom nahen Skilift kam auch in gebührendem Masse.
Tamara, die lustige Pistennudel, punktete im Skiliftfahren bzw. Rausfliegen: Weil Roman in der ersteren Bergfahrt vom Bügel mit mir zu der einsamen Tamara hintendran wechseln wollte (es ging wie es gehen musste, nämlich schief), musste sie es auch versuchen. Der Haken: Ich war mit Roman auf dem Lift, also schon besetzt. Sie hätte bei Römel schösselen müssen. Als sie dies bemerkte, bekam sie de Gagg id Hose und flüchtete, gab sozusagen Fersengeld. Ein wahrer Brüller. Wahrscheinlich sah Roman von näherer Distanz nicht mehr so einladend aus…
Schmüdi war ein wahrer Genussfahrer und walzte trotzdem beinahe ein Grosi platt.
Gewisse Boarder hatten es nicht so mit dem Boarden, sie vergassen lieber ihr Skiabo in der Hütte und verpassten den Skibus. Ich will jetzt keine Namen nenne, gäll Rünggi.
Und ich fuhr natürlich ein wenig Telemark – leide noch heute unter den Nachwirkungen..
Games
Bang! Wer hätte das gedacht. Und Time’s Up, DAS Spiel für profilierungssüchtige Intellektuelle, hmmm, Tinu? Und pedantisch war er: Konnte man nicht sofort eine von ihm beschriebene Berühmtheit aus Geschichte und Kultur erraten, z.B. Theodor von Wusselbauch-Entenbrust – wer kennt dessen Roman „Sieben Wege zur Latrine“ nicht – pikierte es ihn ab solcher Ignoranz. Ich wurde natürlich neidisch und versuchte mit juristischen Tricks wie der restriktiven Auslegung der Spielregeln zuungunsten Tinus meine Wissenslücken zu kompensieren, Roman, der humorlose Wicht, machte alles kaputt. Ich koche noch heute.
Bang! war der Klassiker, Matter kicherte wie bestellt, Rule hatte em Tüüfu es Ohr ab gute Karten und Schmidi schoss wie ein Wilder – auf mich. Ich werde unglaublich gern von Schmidi erschossen.
Merci an
Rule für die ganze Organisation
Bri&Emänu fürs Kochen und das bisschen Abwasch, das wir ihnen überlassen haben
Tinu für die Apfelroulade
Züri für die kunstvolle Verspeismethode mit Suppenlöffel derselben und andere Kalbereien
Rünggi fürs Fondue
Mir selbst für den alles entscheidenden Schuss Kirsch ins Fondue
Dem Schmidi für den lockeren Zeigefinger an der Knarre
Snow&Games: Vorwort
25. März, 2007
Back from da JOK-Skiweekend! Fey ist müde, aber glücklich. Weiter geht’s am Montag.
Timeout
23. März, 2007
Ich bitte meine ehrenwerte Leserschaft, sich ein wenig zu gedulden. Zwecks alpinem Luftaustausch in Adelboden gibt es heute nur diese Bekanntmachung und am Samstag keinen Eintrag. Chris Fey will be back on Sunday.
Instant Drama
22. März, 2007
Ich hatte heute einen Geistesblitz, ich habe etwas erfunden. Ich bin überzeugt, dass es das noch nicht gibt in dieser Art (ich trage dick auf, ich weiss). Laissez-moi expliquer. Ein Blog ist an und für sich etwas schnelllebiges. Jeder neue Eintrag verdrängt den letzten sofort vom Blickfeld des durchschnittlich trägen Internetbenutzers. Folglich wird häufig auch nur gerade der aktuelle Beitrag gelesen, denn die älteren muss man zuerst mühsam aus dem Archiv klauben. Aller Vergänglichkeit zum Trotz kann ein solcher Eintrag auch eine literarische Form annehmen, Kunst werden. Es gibt einen Unterschied zwischen Geschreibsel und Literatur. Die Germanisten kennen den, ich nicht. Eine Form der Literatur ist die dramatische. Theater. Kombiniert man das kurzlebige Element des Blog mit dieser Form, gibt es Soforttheater, zu Neudeutsch INSTANT DRAMA. Wie die Suppe. Es muss sofort erfunden, niedergeschrieben und im Idealfall von den verschiedenen Lesern während oder unmittelbar nach der Lektüre ausgeführt werden.
Soweit die Theorie, eigentlich recht einfach. Nun sollte ich also, um meine Ehre zu behalten, auch gleich ein solches Theaterstück liefern.
Los geht’s, es muss!
INSTANT DRAMA #1
Besetzung: Kellner, Neville, Susie
Szenerie: Restaurant, mit Blick auf die Strasse einer anonymen Grossstadt, z.B. Langnau. Sülzige Streichermusik läuft im Hintergrund, die Beleuchtung ist düster, die Einrichtung im Stile eines amerikanischen Steak-House. Ein Pärchen sitzt tête-à-tête an einem Tisch, romantisch und so. Der Kellner tritt ein, pflanzt sich vor dem Tisch mit dem Pärchen auf.
Kellner: He, Sie da, wird’s bald mit ausessen? Ich habe zu Hause Frau und Hamster, die wären entzückt über ein paar abgekaute T-Boneknochen. Zudem zeratmen Sie noch die ganze Atmosphäre im Lokal, 4 Stunden Seufzen und Schmachten, wissen Sie, wer hier die Oxygensteuern bezahlt? Wahrscheinlich nicht das Sozialamt und auch nicht die Heilsarmee! Der Betrieb muss bluten, alles wird dem Personal vom Salär weggestrichen, ich und meine Frau hätten so gerne Kinder, aber reichen tut es knapp für einen Hamster!
Neville: Aber ich bitte Sie, Sir, -
Kellner: NEIN, hier bittet mich niemand! Ich bitte auch niemanden, ich schnauze an, ich -
Susie: Neville, schmier ihm eine. Ich geh unterdessen auf die Toilette.
Neville: Aber Susie, Liebes, Schnecke, als ich das letzte Mal jemanden geschmiert habe, das war vor elf Jahren, 200 Kröten hat mir dieser korrupte Polackenbulle abgeknöpft! Nur weil ich -
Kellner: Ich bin ein Schwan! Dideldum!
Susie: Neville, er überschnappt, der Kellner. Geschwind, wir wollen ihn in die Pfanne hauen.
Neville: Ich dachte, du wolltest aufs Klo?
Susie: Scheiss drauf, ich stopf mich schnell mit Bananen voll und lasse mir morgen einen Termin geben beim Darmspezialisten, der räumt mich dann -
Kellner (beiseit): Schon wieder ein Exemplar einer Fäkaltouristin. Ich will rasch die Klobürste holen. (er schwebt auf seinem Serviertablett Richtung WC-Tür)
Susie: Zeit für einen Monolog. Neville, hör gut zu, sonst verblödest du: Ah, krumme Rübe, wenn Du erscheinst am Firmament neben dem grossen Generator, so zwischen Tür und Angel, entfernt sich mein Sinn für Sachbearbeitungen. Derart entrückte Ekstase umschliesst mich -
Neville: Schlampe! (er macht das Licht aus)
Kellner: Meine Güte, die Milch kocht über! (man hört Pfannen scheppern)
männliche Stimme: Mordlust! (man hört, wie jemand eine Klobürste herumschwingt)
Susie: KREISCH!
Neville: SPOTZ!
Pfanne: KLONK!
Kellner: Scheisse!
Das Licht geht wieder an. Neville und Susie liegen tot am Boden, je mit einer Klobürste im Brustkorb stecken. Der Kellner tanzt alleine Discofox in der Küche mit der leeren Milchpfanne auf dem Kopf.
Für die Auflösung des Mordfalles reicht der Rahmen eines INSTANT DRAMA nicht. Die Situation sei daher bei ihrem vorläufigen
ENDE
belassen. Vorhang.
der Professer hats gesagt.
21. März, 2007
Hauptgeschichte, erläuternde Vorgeschichte dazu, vorangestellt – darauf hat man sich in diesem Eintrag einzustellen. Kurzer Vorexkurs dazu, aus aktuellem Anlass: Ich musste aufs Klo. Big Job, not only Weewee. Ich finde Big Job einen Klasse Ausdruck für die Tätigkeit des hehren Kackens, die Amis verwenden den tatsächlich, allerdings nur für Kinder und Kindsköpfe. Wie gesagt, ich musste. Dilemma! Schreibfluss versus Darmdruck. Hätte ich doch nur auf meinem Notebook (geschrieben natürlich, Deppen!), dann könnte ich auf der Schüssel weiterbloggen. Aber heute soll es der Desktop sein. Nun, nach einer kurzen Interessenabwägung entschied ich mich dafür, dass ich lieber mal für kleine Juristen und den PC kurz verlassen. So devot (bis zur Selbstbeschmutzung devot, um das „So“ zu konkretisieren) schreibe ich nun doch nicht. Aber diese doch eher substantielle Angelegenheit musste gründlich durchgedacht werden. Damit es mal einer getan hat.
Nun zur die Hauptgeschichte erläuternde Vorgeschichte: Unser indispensabler Wirtschaftsrechtprofesser (ich finde Professer kuhler als Professor, ein wenig respektloser, rebellischer, ungezähmter), so ein kleiner wohlgenährter, der das „R“ hinten im Hals ausspricht, hält jeweils recht unterhaltsame Vorlesungen. Häufig witzig, weil er sich in der Dummheit unserer höchsten Gerichtsbarkeit, des heiligen Bundesgerichts und des edlen Gesetzgebers dem Parlament Unser, ergeht. Kürzlich musste die auch noch die Bundeskanzlei herhalten, sie wurde von ihm mit Laudationes bedacht, um nicht zu sagen abgekanzelt. Die bringt es drum seit 2005 nicht fertig, das revidierte OR zu drucken. Weshalb für die Bachelorprüfungen an der Uni die Gesetzessammlung der Rechtsabteilung eines Privatunternehmens verwendet werden musste. Der Profax regt sich noch heute mit uns im Kollektiv (eher für uns als Kollektiv) darüber auf. Aber die Bundeskanzlei ist störrisch und darum hat er auch uns an dieses Unternehmen verwiesen. Uns den Link auf deren Website angegeben, wo man das olle Buch gratis bestellen kann. Am besten telephonisch, er gab uns gleich noch die Nummer der zuständigen Frau S. an. Wir sollen alle anrufen und bestellen. Heute noch. Vorzugsweise auf Züritüütsch. Und doch, wenns beliebt, ein wenig in den Abend ausdehnen, die Anrufe. Ich glaube, ich habe bis dahin noch nie einen Menschen bis zu den Ohren grinsen sehen. Herr Professer tat es mit Begabung, als er uns die Telephonnummer auf den Proki schrieb. Grrrosses Gaudi.
Hauptgeschichte: Heute habe ich den Beschluss gefasst, dass ich eine solche Gesetzessammlung dieser Firma benötige. Man muss früh anfangen, wenn man in die Privatwirtschaft einsteigen will, habe ich mir gesagt, und jetzt, Chrigeli, habe ich mir dann gesagt, ist der Zeitpunkt gekommen. Beherzt griff ich zum Telephonhörer. Ich hatte ernsthaft vor, S. anzurufen. Auf Züritüütsch. Das kann ich nämlich, zu Hause bin ich bekanntlich eine Zürischnure, mutterhalber. Doch zuerst tat ich, was man in solchen Situationen immer tut: Sich vorstellen, wie die noch unbekannte Stimme der anzurufenden Person wohl tönen wird. Ich stellte mir vor: Ein nettes, melodiöses, aber von einer gewissen dezidierten Effizienz und Geschäftigkeit geprägtes Züritüütsch. Es gibt nettes Züritüütsch, das glaubt aber in Bern und dem Rest der Schweiz kein Schwein. Eine mittelhohe bis hohe, um die 30 Jahre alte Frauenstimme. So mein Kopf. In dieser Erwartungshaltung tippte ich die Nummer ins Telephon ein. Einmal klingeln lassen, da nimmt schon jemand den Hörer ab bei dieser Bude. Was mich an der Ohrmuschel erreichte, war jenseits von Gut und Böse, d.h. meiner wildesten Vorstellungen. Cette voix! Elle m’a rapétapé! Tief wie ein Bariton, 20 Zigis pro Tag. Züritüütsch, nota bene, immerhin. Aber langsam. Verrucht. Etablissement. Aber charaktervoll. Und nicht mehr ganz 40. addiere 20, aber man kann sich täuschen. Ich vergass darob, Züritüütsch Grüezi zu sagen. Ich stammelte Grüessech. Und ich konnte nicht normal „ich bin Jusstudent“ sagen, sondern „i bi Studänt bi de, aso, vo de Rächtswüsseschafte“. Zum Kotzen. Frau S. schien das nicht sonderlich zu beeindrucken, mit dieser Stimme hat man wohl auch schon einiges erlebt und gesehen und gehört im Leben. Wahrscheinlich hat sie auch schon einige Male häufiger gekotzt als ich. So wollte sie nur meine Adresse, das wars.
Epilog: 5 Minuten, nicht verplant? Ein kleiner Schwatz mit Frau S.’s Bariton über das neue Revisionsrecht macht den Alltag zum Ereignis.
Orchesterklatsch
20. März, 2007
Frohlock, ich habe schon Kritik zu meinem Blog erhalten! Sogar konstruktive Kritik. Es gibt also Resonanz für mein Geschreibsel, dabei geht man so geschwind verloren im Weltweitnetz (hiermit sei einem Anglizismus vorgebeugt worden. Obwohl ich da nicht konsequent bin, ist mir die englische Sprache doch zu vertraut und lieb geworden, als dass ich sie vernachlässigen möchte. Irgendwann mal gibt’s auch einen englischen Blogeintrag, aber in gutem Englisch, mit Germanizismen drin)…
Ha, siehe da, ein Abschnitt! Erste Reaktion auf die Nörgeleien einer gewissen S.G. es sei damit auch gleich der verbesserten Leseführung Genüge getan. Falls der gesamte Eintrag zu klein erscheinen sollte, einfach mal einen grösseren Bildschirm anschaffen oder Vergrösserungsstufe von 25% auf 100% erhöhen. Dies nur ein kluger Rat für kluge Leute.
Wieder ein Abschnitt, ich übertreffe mich selber! Heute war nicht gerade ein Erfolgstag, aber immerhin ein Erfolgsabend: Ich habe mal nicht nachgegeben! Bei Züri ist das nämlich verdammt schwer! Der pickelt und hackt auf dir rum, bis die Zähne wackeln, wenn er was will – und das wollte er auch: Sklavenschinderei, Schlagzeugschleppen (Synonyme).Gut, am selben Abend wurde ich von einem unseligen Bassisten für den Orchesterwart des orchestra giovane gehalten, hat man noch Worte! Zurück zu Zurigo: Man kann also versuchen, ihn abzuwimmeln, er vergisst nie und grinst 5 Minuten später noch genauso erwartungsvoll, dass man fast nicht mehr nein sagen kann, ausser man ist der Typ, der vorsätzlich einem kleinen Knirps den Glacéstängel wegnimmt und dann zuschaut, wie der möögget. Aber am Schluss hatte ich eine saugute Ausrede, eine weisse Weste und der kleine Züriknirps mööggete nicht, sondern trug es recht weidlich mit Fassung. Ich trug es auch mit Fassung und eine Brillenfassung auf meiner Nase noch dazu, was der Züri nicht hat.
Die Moral vom Unibeginn
19. März, 2007
Der Unialltag hat mich wieder: Massenvorlesung, Kaffee und Bücher kaufen. Ich habe mir fürs 4. Semester einen guten Vorsatz genommen: FDH, Friss die Hälfte… NEIN! Abnehmen muss ich nicht, ZDH, Zahl die Hälfte, oder GDHA, Gib die Hälfte aus. Und zwar fürs Zmittag. 10.- pro Tag, nicht mehr! Selbstversuch ist angesagt, wir werden ja sehen. Eh dr Gödeli, nach der ersten Stunde scho nes Ggaffee (ich weiss das gutturale Berner Ggaffee-Gee nicht anders darzustellen mit unseren primitiven lateinischen Buchstaben), macht 1.80, auf das Schoggigipfeli gerade mal noch verzichtet, wohl eher aus juveniler Senilität als aus Vernunft. Macht noch 8.20 fürs Zmittag, es wird eng. Mittag: dunkel wars, der Mond schien helle, kein Wetter, draussen auf einer Parkbank Sonnenkranz mit Crem Fresch ( meine Gymerdiät, o Nostalgie, o tempora o mores!) zu schnabulieren. Des weiteren hätte mich der verächtliche Blick meines Kommilitonen, mit dem ich das Mittagsmahl einzunehmen pflege und es in der Lerngruppe sauglatt habe, es also nicht mit ihm vergeigen will, getroffen, Juristen essen gefälligst besser, man gönnt sich ja sonst nichts. Ab zum Inder, maha maya, tolle Küche, I simply love it! Alle nehmen das teuerste Menu, Fischcurry, 12 Schdutz, SCHEISSE! Aber die Budget-Sünde schmeckt teuflisch gut, gerade die richtige Schärfe. Und weil man 2 Stunden Mittag hat und gerade gemüthlich am schwatzen ist, kommt nones Espresso dazu, 3.60, ABRISS! Bilanz: -7.40, das lässt mir die horrende Summe von sage&schreibe&andiewandtafelkratz 2.60 für morgen Dienstag! Ich könnte ja den Mittwoch anbrauchen… Man erahnt den Teufelskreis, die drohende Verschuldung. Ich werde Kredite aufnehmen müssen bei Kredithaien, Anschaffen gehen bei Café Sprüngli am Paradeplatz, alte Damen befriedigen gehen (das kommt echt vor, sowas, das machen nicht nur Studentinnen!), am Schluss wohl nachdem uralte Gsetz oder zumindest nach dem StGB alte Damen ausrauben gehen, um mir meinen Schuss Curry zu Mittag finanzieren zu können. Moral von der Geschicht’: Der Fey kann nicht mit Geld umgehen. Ich lande noch in der Gosse und auf der Gasse in vollem Schusse, wenn das so weitergeht. Dann muss ich Fagott spielen für Almosen und werde sie erhalten, dass ich aufhöre damit. Solch schwarze Gedanken geben sich die Klinke in die Hand in meinem Kopf, zu Unibeginn. Dabei hatte er doch nie Probleme in der Schule, wird man dann sagen. Ich sehe schon, ich bin der Anfang vom Ende der Gesellschaft. Das war jetzt ein klitzekleines bisschen pathetisch. Aber es tut einfach gut.
Bünzliblatt und Pornogesellschaft
18. März, 2007
Vor auf den Tag genau 5 Jahren hat die Sonntagsausgabe der NZZ den siebten Tag der Woche von mehr als 450′000 Leserinnen und Lesern nachhaltig verändert. Dazu gehöre auch ich. Und nachhaltig wars allerdings: Fühlte man 5 Jahre v. NZZ am Sonntag nicht jeweils eine gewisse Leere im Bauch, wenn am Morgen mal keine Zeitung im Briefkasten lag? Es ist eben nicht dasselbe, wenn man die fette NZZ-Samstag/Sonntagsausgabe hervorkramt und die Artikel sucht, die man gestern noch nicht gelesen hat. Es sind nämlich diejenigen, die man sich lieber am Nachmittag oder am Abend zu Gemüte führt, weil sie als Beilage zu Züpfe und Schwarztee doch ein wenig währschaft sind. die Zeitfragen zum Beispiel. Brillanter Journalismus, aber anstrengend. Was für eine Wohltat nun, am Sonntagmorgen in eine farbig und grosszügig bebilderte Zeitung blicken zu können! Man muss gar nichts lesen, nur Bildli luege, so wie ich es jeden Morgen unter der Woche mit dem „Bund“ mache. Die NZZ lese ich am Abend, denn die ist wirklich zum Lesen da, der Bund fürs Pittoreske. So auch die NZZ am Sonntag. Eher ein Käsblatt unter den Intelligenzblättern der Schweiz. Mein ehemaliger Deutschlehrer meinte dazu mal verächtlich, wenn die NZZ am Sonntag die neue Intellektuellenzeitung der Schweiz sei, dann guet Nacht am Sächsi, wobei er guet Nacht am Sächsi sicher nicht gesagt hat, denn er ist ein Deutscher und die Mundart ist ihm auch nach Jahrzehnten seiner Sesshaftigkeit in der Schweiz immer noch suspekt. Doch das ist eine andere Geschichte. Zurück zur NZZ. Ich habe das Gefühl, dass sich alle mediokren bis mittelmässigen (denn diese Zeitung ist einfach nur mittelmässig, nichts anderes) Journalisten der „richtigen“ NZZ, bei der sie nie zur Geltung kommen konnten, zusammengetan haben, sich konspiriert haben, richtiggehend verschwört, um den Schweizer Individualisten, oberen Mittelstandslifestyler, nouveau Bünzli mit einem zeitgemässen Bünzliblatt zu bedienen. Schon nur die“STIL“-Beilage provoziert ein gastroenterisches Rumpeln in meinem Bauch (ich muss gleich kotzen), so peinlich ist das. Der einzig witzige und lesenswerte Teil ist „Gesellschaft“, eine schriftliche glanz&gloria-Ausgabe. Die Verfasser versuchen den Eindruck zu vermitteln, sie stünden über dem ganzen Promisumpf und könnten demnach mit distanzierter Überlegenheit dem Leser die Unzulänglichkeiten dieser Gesellschaftsschicht (dabei gehören Promis meiner Meinung nach gar nicht mehr zur Gesellschaft, doch dazu schreibe ich mehr, wenn ich Baudrillard gelesen habe) vorführen. Die lieben Journalisten dieser Beiträge merken leider nicht, dass sie aber dadurch schon Opfer des Promiwahns geworden sind. Amüsiert ist man am Schluss nicht über VIPs, sondern über den armen Schreibtischtäter. Aber heute war ein guter Artikel drin: Eine deutsche Schriftstellerin, Ariadne von Schirach, 28-jährig, hat ein Buch (der Tanz um die Lust) geschrieben, in dem sie sich mit der heutigen Porno-Gesellschaft beschäftigt. Sie führt einem das Beziehungsleben junger, urbaner Menschen vor. Sie ist einer davon und ich auch. Das finde ich spannend, am Schluss wohl über sie und mich selbst gleichzeitig zu lesen. Erzählt wird von „jungen aufgestylten Narzisstinnen, die ungefickt nach Hause gehen“, oder von jungen, klugen Männern, die „einsam vor dem Computer masturbieren“. Über die Kluft zwischen Pose und Realität, perverse Hip-Hop-Lieder, junge Mädchen, die sich zum Sexobjekt machen und Buben, die als Zuhälter auftreten. Von metrosexuellen Narzissten, die wie die Frauen unnahbar an Bars herumstehen und gut aussehen, und sich damit an den Frauen rächen. Und am Ende liegt jeder alleine im Bett. Ich werde mir dieses Buch kaufen und lesen und dann meinen Senf dazugeben. Grund genug, eine neue Blog-Kategorie einzuführen: Buchbesprechung oder so. Richtig intellektuell eben.
Bang!
18. März, 2007
Der Titel sagt alles. Wer dieses Kartenspiel nicht kennt, war mindestens heute Abend nicht im Goldenen Schlüssel (dieser Eintrag gilt für den 17. März, aber es reichte nicht mehr am besagten Datum, den Eintrag selbst vorzunehmen). Denn dort wurde ausgiebig geBang!t. Hat aber nichts mit Gangbang zu tun, obwohl gewissen bierseligen, postpubertierenden Gehirnen diese Wortverwandschaft mehr oder weniger sofort in den Sinn kam. Das Interessante an dieser Spielrunde war: es gab zwei EBENEN (rückwärts NENEBE, ein westafrikanisches Fischerdorf, wer kennt es nicht) im selben Spiel! Einerseits mussten Die Sheriffs die Outlaws aus dem Wege räumen (und vice versa), andererseits musste ich den Schmidi eliminieren. Aus Prinzip. Auch wenn ich Sheriff und er Hilfssheriff war (gut, da wurde ich wieder pragmatisch und heizte im nur anfangs so richtig ein, bis er durchgebraten war wie ein Kentucky Fried Chicken, dann liess ich ihn den Bürokram erledigen und mit einer Zahnbürste die Zellengitter vom Sheriff’s Office polieren). Die Gesamtatmosphäre im Lokal wurde mitbestimmt von einem beeindruckend eloquenten Servicepersonal, treffender beschrieben mit ich sag jetzt mal nicht Aff. Bärner Bäremani wäre noch besser. Naja, ich weiss wenigstens, wo er seinen Ruhestand verbringt, wenn Frau Hayoz die Knete für seine Seniorenresidenz zusammenkriegt. Dann gibts nur noch Rüebli. Das wichtigste, die Stangen, kamen wenigstens mehr oder weniger präzis nach Bestellung, selber wenn Matter diese hinter der Theke vornahm und damit gegen sämtliche Gastronomiereglemente des Berner Mittellandes, Gault-Millau-Vorschriften des Okzidents und Aszendets und das Börsen- und Effektenhandelsgesetz verstiess und nicht mal wusste, warum. Der BäreAff wusste auch nicht warum, deshalb konnte er es dem bedauernswert zur Wäsche rausschauenden Matter auch nicht in hiesig verständlichen Worten ausdrücken. Wahrscheinlich war es Mattenenglisch oder so. Möglicherweise noch mit einem Mund voll Überschwemmungswasser. Daher sein prominenter Schnauz. Basta!